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    Main-Spessart

    Kein Happy-End: Neue Betrugsanklage platzt in Verhandlung

    Symbolbild Landgericht Würzburg. Foto: Thomas Obermeier

    Ein "Happy End" war angestrebt in dem Betrugsprozess beim Landgericht Würzburg:  Mit Unterstützung seines mit seiner derzeitigen Arbeit sehr zufriedenen Chefs hoffte ein Mann (30) aus dem Raum Karlstadt, dass aus drei Jahren Haft, verhängt vom Amtsgericht Gemünden, nun "zwei Jahre mit Bewährung" werden würden. Die Opfer seiner Betrügereien sollten mit Hilfe seines Arbeitgebers ihr Geld zumindest teilweise wiederbekommen.  Der Angeklagte trug vor Gericht ein T-Shirt mit dem Logo seines Arbeitgebers.

    Das Konzept ging jedoch schnell in die Brüche, zur Vernehmung  des Arbeitgebers kam es gar nicht mehr. Der Angeklagte rückt für drei Jahre ein und einige Handwerksbetriebe können Forderungen über 40 000 Euro "abschreiben". Das schnelle Ende kam so: Als der Verteidiger mitteilte, dass der Chef als Zeuge da sei, fragte der Vorsitzende Richter Thomas Trapp, ein Papier in der Hand, ob der Verteidiger und der Chef des Angeklagten die neueste Anklage gegen seinen Mandanten schon kennen. Wieder gehe es um Betrug, ein Fall fürs Gericht in Gemünden, er habe die Unterlagen  am ersten Tag nach seinem Urlaub auf dem Tisch gehabt. Da wurde es sehr ruhig im Sitzungssaal. Der Anwalt kannte die neue Betrugs-Anklage nicht, der Angeklagte angeblich auch nicht. Später sagte er,  da müsse es sich um ein Missverständnis handeln, er habe nur einem Kumpel helfen wollen.

    Lange auf dem Flur "verhandelt"

    Daraufhin schickte das Gericht den Angeklagten und seinen Verteidiger hinaus auf den Flur, um  den dort wartenden Chef in die neue Lage einzuweisen. Vor allem sollten sie nachfragen, ob das Arbeitsverhältnis unter diesen Vorzeichen überhaupt fortgesetzt und ob der Chef sich weiterhin am Rückzahlungsmodell seines Mitarbeiters beteiligen wolle. Dieses zunächst auf zehn Minuten begrenzte Gespräch wurde erst um eine halbe Stunde verlängert und dann nach knapp einer Stunde beendet: Auf dem Flur, unter sechs Augen, zumindest akustisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

    Danach ging es ganz schnell: Von der angestrebten  Bewährungsstrafe keine Rede mehr, auf die Vernehmung des Chefs wurde verzichtet, der Angeklagte "schluckt" die drei Jahre. Damit wurde das Urteil rechtskräftig; die Staatsanwaltschaft stellte in Aussicht,  das drohende neue Betrugsverfahren einzustellen.  Der  Vorsitzende Richter Trapp erläuterte dem Angeklagten, dass er nach einer gewissen Zeit die Chance habe, als "Freigänger" im alten Beruf zu arbeiten und vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen werden könne.    

    Beim letzten Verhandlungstermin lag der Angeklagte "unterm Messer"

    Im März 2019 sollte der Fall schon einmal in Berufung verhandelt werden,  aber die 4. Strafkammer wartete  damals vergebens und befürchtete, dass der "Kunde" wieder einmal kneift.  Tatsächlich aber wurde er, just als er auf der Anklagebank Platz nehmen sollte, gerade mit schmerzendem Blinddarm in den Krankenhaus-Operationssaal geschoben.  

    Die Anklage ist schnell beschrieben: Während einer Bewährungszeit hatte er am Haus seiner Mutter, in dem er wohnt, Reparatur- und Modernisierungsarbeiten  im Umfang von erheblich über  40 000 Euro in Auftrag gegeben. Allerdings konnte er diese nicht bezahlen. Er könne nicht mit Geld umgehen könne und verliere schnell den Überblick über seine Schulden, gab er vor Gericht zu. Der Staatsanwalt kreidete dem Angeklagten besonders an, dass es sich auch um Aufträge handelte, die man nicht brauche, " um glücklich zu sein": zum Beispiel für ein elektrisch angetriebenes Garagentor und eine teure Sonnenschutz-Markise. Eine Einbau-Küche wurde zwar nicht mehr ausgeliefert, weil der Hersteller von der finanziellen Situation des Kunden erfuhr. Anderweitig verkaufen konnte der Hersteller die nach Maß geplante Küche aber auch nicht.

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