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    Lohr

    "Kinder lieben unheilvolle und blutige Geschichten"

    Schon als Kind hat Friedel Liedhegener Puppenspiele aufgeführt.
    Schon als Kind hat Friedel Liedhegener Puppenspiele aufgeführt. Foto: Frank Zagel

    Friedel Liedhegener betreibt seit den 90er-Jahren die Lohrer Puppenbühne. Seit vergangenem Jahr bereichert der Rentner mit Gastspielen das Frammersbacher Zimmertheater. Was das Besondere an seinem Puppenspiel ist und warum er Vorlesen langweilig findet, verriet er im Interview.

    Herr Liedhegener, woher stammt Ihre Leidenschaft zum Puppenspiel?

    Bereits als Kind habe ich gegen Honorar Puppenspiele aufgeführt. Gelernt habe ich das von einem musisch veranlagten Onkel. Das war in den 50er-Jahren. Seitdem haben mich Puppen nicht mehr losgelassen. Geschichten habe ich schon immer gerne erzählt. Früher meinen drei Söhnen, später meinen Enkelkindern. Mit meiner zehnjährigen Enkelin Marie betreibe ich zur Zeit die Lohrer Puppenbühne.

    Wie kam die Idee zur Lohrer Puppenbühne?

    In den 90er-Jahren entstand durch den damaligen Leiter des Lohrer Juze, Heinz Schwaiger, die Idee, eine Puppenbühne im Jugendzentrum zu installieren. Mit Heinz spielte ich bereits in der Band Moenus. Mit drei weiteren Spielern haben wir die Puppenbühne aufgebaut. Da gab es sogar Livemusik.

    Wo haben Sie Ihre Puppen her?

    Die Puppen habe ich von meinen beruflichen Reisen aus der ganzen Welt mitgebracht. Vor allem aus Rajasthan in Indien.

    Sie begannen damals schon mit Ihrer ganz eigenen Form des Puppenspiels?

    Die Kinder folgen der Geschichte und agieren ausschließlich mit den Puppen. Dabei leben sie ihr eigenes Spiel, ganz ohne Bühne. Da kann es manchmal heftig zugehen. Mitunter gibt es Mord und Totschlag. In einem persischen Märchen wird der Held von seinem Bruder verraten. Den möchten die Kinder immer sofort lynchen.

    Schreiten Sie dann ein?

    Ja, das muss ich (lacht). Auch wenn der Verräter den Tod verdient hat, muss er nicht sterben. Da nehmen die Kinder auch keine Rücksicht darauf, dass es der eigene Bruder ist.

    Welche Geschichten sind das und warum entschieden Sie sich für sie?

    Mit der Puppenbühne gehe ich in die persische Richtung. Alle Geschichten haben ein Grundthema auf zwei Erzählebenen und Tiefgang. Erst ab sechs Jahren verstehen die Kinder die Zusammenhänge. Das Vorlesen ist ein langweiliger Monolog. Als Leser bin ich nur der Sprecher für einen Text. Ich muss immer meine persönliche Note mit einbauen.

    Welche Geschichten sind am beliebtesten?

    Kinder mögen keine Liebesgeschichten. Dagegen sind die Schwerter meiner Puppen sehr beliebt. Sie lieben unheilvolle und blutige Geschichten. In meinen Märchen geht die Geschichte aber immer gut aus, das wollen die Kinder auch so.

    Seit Kurzem haben Sie Gastauftritte im Frammersbacher Zimmertheater von Kolja Liebscher. Wie kam es dazu?

    Bei einem seiner Auftritte in Frammersbach sprach ich ihn an. Leider kommen keine großen Kinder, vielleicht auch weil die Eltern nicht fahren wollen. Zwei Veranstaltungen mussten wir schon absagen. Wenn das nicht angenommen wird, höre ich ganz schmerzfrei wieder auf. Wir haben es versucht.

    Gastspiele im Frammersbacher Zimmertheater
    Das Frammersbacher Zimmertheater von Kolja Liebscher in der ehemaligen Tennisklause bietet drei verschiedene Puppenbühnen unter einem Dach. Liebscher selber spielt Schattentheater, Natalie Melchior erzählt Geschichten mit ihrem Märchenkoffer und seit November ist die Lohrer Puppenbühne mit Friedel Liedhegener vertreten. Die nächsten Gastspiele von Friedel Liedhegener sind "Das Schloss auf dem Glasberg" am Samstag, 29. Februar, "Omar, der Fischer" am Sonntag, 1. März, und "Kalif Storch" am Sonntag, 29. März, jeweils um 15 Uhr.
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