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    Zellingen

    Kleine Baumreihen für Urnengräber umstritten

    Eine weiteres Mal beschäftigte das Thema Urnengräber den Zellinger Gemeinderat. Ein Gestaltungsvorschlag für Bodenurnengräber auf der Grünfläche im Retzbacher Friedhof sorgte für Diskussionen. Foto: Jürgen Kamm

    Zumindest auf die künftige technische Ausführung von Bodenurnengräbern konnte sich der Zellinger Gemeinderat einigen: Dafür werden Rohre aus Filterbeton in die Erde eingebracht. Weniger Zustimmung fanden in der Sitzung die Gestaltungsvorschläge für 48 Bodenurnengräber im Retzbacher Friedhof und für Urnenstelen generell. Vor rund einem Monat waren im Gemeinderat solche Pläne gefordert wurden.

    Für die Freifläche im Retzbacher Friedhof hatte Bürgermeister Wieland Gsell zusammen mit einem Bauhofmitarbeiter den Plan für 48 Erdgräber erarbeitet. In zwei parallelen und neun Meter langen Reihen sollten je drei Solitärbäume (kleinkronige Bäume) gepflanzt werden. Um jeden Baum wären acht Urnengräber sternförmig angeordnet worden.

    Das wurde von mehreren Gemeinderäten kritisiert, unter anderem, weil es zu eng sei und kein Weg vorgesehen war. Andere stellten fest, der Platz sei dort nun einmal begrenzt und würde sonst nur für vier hochstämmige Bäume reichen. Der Bürgermeister erklärte, so sei die gewünschte leichte Pflege durch den Bauhof möglich, und die kurzen Wege kämen Rollatorenfahrern entgegen. Das solle auch kein Standardmodell für alle Friedhöfe des Marktes Zellingen sein.

    Er hatte nämlich auch Vorschläge für die anderen beiden Ortsteile dabei: Für den Waldfriedhof in Zellingen fünf mal sechs neue Urnengräber in Reihe links vom Ehrenhain. Und für Duttenbrunn zweimal sechs Bodenurnengräber links vom Eingang am Rand des neu geschaffenen Beetes. Hier gab es kaum Kritik, beschlossen wurde es am Ende aber auch nicht.

    Dass Bodenurnengräber leicht zu pflegen sein sollen, ist in Zellingen schon länger geltende Beschlusslage. Optisch sollen sie nur als flache Platte anstelle eines Grabsteines in Rasenflächen erscheinen. Bisher wurden dafür vom Zellinger Bauhof Kunststoffrohre geschlitzt und senkrecht in die Erde eingebracht. Das bezeichnete Bürgermeister Wieland Gsell in der Sitzung als sehr aufwändig. Er habe zusammen mit einem Mitarbeiter des Zellinger Bauhofes spezielle Urnenrohre auf dem Markt gefunden. Diese bestehen aus Filterbeton, haben 25 Zentimeter Innendurchmesser und sind 75 Zentimeter lang, womit sie zwei Schmuckurnen oder drei Aschekapseln aufnehmen können. Die leicht konische Außenform mit maximal 32 Zentimetern Außendurchmesser erleichtert das Abtäufen. Weil durch den Porenbeton Feuchtigkeit eindringen kann, vergehen die biologisch abbaubaren Schmuckurne und Aschekapseln schneller, die bisherigen Kunststoffrohre mussten dafür von Hand geschlitzt werden.

    Ein solches Urnenrohr in der Farbe Terracotta kostet knapp 100 Euro ohne Umsatzsteuer bei der Abnahmen von mindestens 100 Stück. Die Beschaffung von 100 Urnenrohren sowie grundsätzlich den Bau von Urnengräbern beschloss der Gemeinderat am Ende einstimmig, aber keine konkreten Anordnungen.

    Oben auf die Urnenrohre kommt zunächst eine Standardbodenplatte, die Angehörige gegen eine gleichgroße Platte aus Muschelkalk oder Sandstein austauschen können. Diese darf graviert oder mit einer dünnen Messingplatte versehen sein. Grabschmuck ist bei Urnengräbern nur bis sechs Wochen nach der Beisetzung oder eine Woche ab Allerheiligen erlaubt. Generell verboten ist Plastikschmuck. Bei Urnenstelen dürfen in Absprache mit den anderen Nutzern Pflanzschalen aufgestellt werden. Diese Vorschriften werden noch in die Friedhofssatzung aufgenommen.

    Urnenstelen lassen sich höchst unterschiedlich errichten: An der Friedhofsmauer, auf Grünflächen oder auf aufgelassenen Gräbern. Letzteres schlug die Verwaltung für die Friedhöfe im Markt Zellingen vor. Der Bürgermeister zeigte Pläne, auf denen unbenutzte klassische Erdgräber eingezeichnet waren. Dazu präsentierte er mehrere Varianten von Urnenstelen. Generell könnte auf einen normal großen Grab ein Urnendoppelstelensystem errichtet werden, das zweimal drei Urnenkammern bietet. Viele Oberflächenvarianten sind lieferbar, im Beschlussvorschlag war von anthrazit oder braun eingefärbten und sandgestrahltem Beton und Verschlussplatten in Muschelkalk oder Standstein die Rede. 15 solcher Doppelstelen (mit insgesamt 90 Urnenplätzen) hätten netto 52 500 Euro gekostet.

    Von diesem Vorschlag fühlten sich viele Gemeinderäte überrollt, es gab Äußerungen bis hin zu "das sieht ja aus wie ein Schrank". Diese und andere Entscheidungen ins Sachen Urnengräber wurden deshalb letztlich vertagt. Vermutlich werden die Fraktionen zunächst darüber beraten. Es gab auch einen Vorschlag, einen kleinen Kreis von zwei bis drei Personen Lösungen erarbeiten zu lassen, das wurde aber nicht weiter verfolgt.

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