• aktualisiert:

    Roden

    „Klimawandel macht dem Wald zu schaffen“

    "Wir wollen nur Gutes hören." - Mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Otto Dümig in der Sitzung des Rodener Gemeinderats am Montagabend den Tagesordnungspunkt "Forstbetriebsplan 2020 und Jahresrechnung 2019". Thorsten Schwab, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Main-Spessart und zuständig für den Rodener Gemeindewald, und Revierleiter Richard Winkler hatten dem Ratsgremium jedoch keine berauschenden Nachrichten zu bieten.

    "Der Klimawandel macht dem Wald zu schaffen", erklärt Schwab. Damit gerechnet hatten die Fachleute natürlich, nur nicht damit, dass es so schnell geht. Die Sägewerke platzten zurzeit aus allen Nähten, das drückt die Holzpreise und damit auch die Einnahmen, die die Gemeinde Roden in den vergangenen Jahren im Forst noch erzielen konnte.

    Das abgelaufene Forstwirtschaftsjahr schloss diesmal mit einem kleinen Minus von 2473 Euro ab. Die Einnahmen im Gemeindewald betrugen 170 236 Euro, demgegenüber standen Ausgaben von 172 709 Euro – was somit 2019 erstmals seit vielen Jahren wieder ein Minus im Wald bedeutete. Allerdings, so Schwab, liegt noch Holz zur Abfahrt im Wald, wodurch noch rund 11 000 Euro Einnahmen ausstehen.

    Eingeschlagen wurden im abgelaufenen Forstjahr 4046 Festmeter Holz, gut 818,25 Festmeter davon waren Käfer-, Sturm- und Trockenholz, die den geplanten Einschlag von 3700 Festmetern in die Höhe getrieben haben. Die sinkenden Holzpreise machen sich besonders bei Fichte und Kiefer, aber inzwischen auch bei der Buche bemerkbar, erklärte Schwab.

    Schon seit 20 Jahren hatte Winkler die Fichte im Gemeindewald reduziert. Aktuell habe der Rodener Forst noch etwa acht Hektar reine Fichte auf kleineren Flächen stehen, erklärte er. Im vergangenen Jahr hat der Revierleiter 2150 Pflanzen setzen und zehn Hektar mit Selbstwerbern pflegen lassen. Zäune und Wuchshüllen schützen die Pflanzen vor dem Verbiss der Rehe.

    Das stabilste Nadelholz sei die Tanne, sagte Winkler. Der Pfahlwurzler werde zudem bezuschusst wie ein Laubbaum. Im laufenden Forstjahr will Winkler 17 Hektar pflegen und Weißtanne, Rotbuche und Bergahorn setzen lassen, um damit die Bestände mit heimischen Baumarten zu unterbauen. Daneben setzt Winkler auf Naturverjüngung, wenn die Pflanzen nicht verbissen werden. "Wir betreiben einen hohen Aufwand, um unsere Kulturen hochzubekommen", sagte der Revierleiter mit Blick auf Zäune und Wuchshüllen. Gerade an den teuren Wuchshüllen jedoch tobt sich der Rehbock aus und richtet Schäden an. Deshalb setzt Winkler bei neuen Pflanzungen auf Zäune.

    "Es geht jetzt darum, die Bestände umzubauen auf Baumarten, die gefördert werden und im Klimawandel gut dastehen", sagte Schwab. Und wichtig sei, das Käferholz aus dem Wald zu bekommen. "In den kommenden Jahren konzentrieren wir uns auf Pflege und Naturbegründung", so Schwab. Im neuen Forstjahr hat er 3443 Festmeter Holzeinschlag geplant. Die Planung sieht Einnahmen von 148 763 Euro aus Holzverkauf, Jagd und Fördermitteln vor. Die Ausgaben für Holzernte, Bestandsbegründung und -pflege, Zaun- und Wegebau bezifferte Schwab mit 147 746 Euro. "Wir wissen aktuell nicht, wie es mit dem Holzpreis weitergeht und hoffen im nächsten Jahr auf eine schwarze Null", sagte der FBG-Geschäftsführer. "Der Wald ist halt kein Jahresgeschäft", machte Bürgermeister Dümig deutlich.

    Der Gemeinderat nahm die Jahresrechnung 2019 zur Kenntnis und stimmte dem Jahresbetriebsplan 2020 einstimmig zu.

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!