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    Karlstadt

    Kommentar: Verkehrsplanung so formbar wie Knet

    Viele Ortsdurchfahrten entlang der B 26n werden laut Verkehrsprognose deutlich vom Verkehr entlastet. Gleichzeitig entstehen immense Verkehrsströme dort, wo bisher noch keine Straßen sind, sondern Felder, Wälder und Hecken, Natur also. Dass diese Verkehrsströme dann dort verlaufen, ist gut für die Anwohner in den entlasteten Ortsdurchfahrten.     

    Ob all das eine gelungene Verkehrspolitik ist, steht auf einem anderen Blatt. Pendler beispielsweise rechnen in erster Linie in Fahrzeit und nicht in Distanz. Die Pendlerpauschale fördert diese Denkweise. Und plötzlich wird es "dank B 26n" beispielsweise von Karlstadt nach Bamberg nicht mehr eine Stunde und 15 Minuten dauern, sondern weniger als eine Stunde. Das bringt mehr Verkehr mit sich.

    Bei der Betrachtung der Verkehrsprognose fällt auf, dass überproportional viele schwere Lastwagen Lohr auf der B 26 in Richtung Spessart verlassen werden. In der Steigerung von 1300 Fahrzeugen sind 500 Lkw enthalten. Das riecht dort nach Ost-West-Transitverkehr. Denn auf den meisten anderen Straßenabschnitten haben die Lkw in der Differenzprognose einen Anteil von zehn Prozent, oft sogar weniger.

    Tunnel längst passé

    Ein Rückblick auf die allerersten Präsentationen der B 26n sei noch erlaubt. Da wurde die Idee gezeigt, bei Stetten mit einem Tunnel abzutauchen und nach einer Unterquerung des Mains irgendwo bei Himmelstadt wieder zum Vorschein zu kommen. Dann gab es die Vorstellung, nur den Berg zu untertunneln und an den Muschelkalfelsen des Maintals zwischen Karlstadt und Himmelstadt wieder ans Tageslicht zu treten. Daraus wurde dann nur noch ein Stück eingehauste Trasse am Kalvarienberg im Südosten Karlstadts.

    Inzwischen tendiert die Trasse zur in Karlstadt einst umstrittenen Karolingerbrücke. All das zeigt, dass Verkehrsplanung formbar ist wie Knet. Wer weiß, was daraus eines Tages wird. Die Autobahn Werneck-Schweinfurt war zunächst auch nur eine zweispurige Schnellstraße.        

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