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    URSPRINGEN

    Kreisbauerntag: „Die Lobby sind wir selber“

    Kreisobmann Reinhard Wolz (links) bedankte sich bei Dr. Willi Kremer-Schillings, alias Bauer Willi, für seinen Vortrag b... Foto: Sabine Eckert

    Mit dem Lied „Dorfkind“ der Partyband Dorfrocker, das der Landfrauenchor unter Leitung von Elke Weidner zur Begrüßung sang, konnten die rund 250 Besucher bereits erahnen, was sie beim Kreisbauerntag in der Schlossparkhalle in Urspringen erwartet. Der Kreisverband Main-Spessart des Bayerischen Bauernverbands (BBV) mit seinem Kreisobmann Reinhard Wolz möchte das Image der Landwirtschaft in der Bevölkerung aufbessern und hat dafür ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt.

    Mit dem Sketch „Ohne Landwirtschaft bleibt der Teller leer“ machte der Verband zu Beginn darauf aufmerksam, wie es aussähe, wenn es keine Bauern mehr gäbe. Außerdem gewann er Dr. Willi Kremer-Schillings als Hauptreferenten für diesen Abend. Der 63-jährige Rheinländer hat sich inzwischen als „Bauer Willi“ mit seinen Wutbriefen in der Öffentlichkeit einen Namen gemacht, wurde oft gelesen und gehört und nimmt zudem kein Blatt vor dem Mund. Mit Spannung wurde sein Vortrag, „Das Dilemma der Essensmacher – mehr Mut zur kreativen Kommunikation“ , erwartet.

    Der promovierte Agrarwissenschaftler erklärte den Zuhörern zunächst, wie es zu seinem ersten Wutbrief an seine Nachbarn kam. „Ich produziere Lebensmittel“, machte der 63-Jährige hier deutlich und schrieb sich den Frust über die ständige öffentliche Kritik an den Bauern von der Seele. Auch bei seinem zweiten Wutbrief ging im Netz förmlich die „Post ab“, erinnerte sich der Rheinländer. Diese Resonanz brachte ihm sogar einen Auftritt in der Talkshow von Günther Jauch ein.

    Es gebe zwei Gruppen von Menschen, erklärte der Agrarwissenschaftler – Bürger und Verbraucher. Diese seien aber die Gleichen. Die, die billiges Fleisch kaufen, sich aber zugleich über Massentierhaltung aufregen. Die Zusammenhänge wüssten die wenigsten. Auch das Grundwissen der Verbraucher fehle oft, betonte der Referent, wie in seinen Beispielen, als jemand nach Kartoffelsamen fragte oder der Vegetarier, der statt Kuhmilch jetzt nur noch Heumilch trinke.

    „Wir müssen unsere Grundhaltung ändern und aufhören zu jammern und etwas unternehmen“, machte Kremer-Schillings deutlich. Wie zum Beispiel mit Aktionen, Nachbarn, Kindergärten und Schulen einzuladen, damit sie sich ein Bild vom Hof machen können. Auch die Wichtigkeit, in den Sozialen Netzwerken präsent zu sein, hob er hervor. Denn die Kommunikation mit dem Bürger sei enorm wichtig, eine neue Ehrlichkeit müsse entstehen, so der 63-jährige.

    In der anschließenden Diskussionsrunde bestätigten die Landwirte, dass Bauer Willi ihnen aus der Seele gesprochen habe, aber ihnen fehle auch die Lobby für die Landwirtschaft. „Warum haben wir keine? Es will keiner mehr machen, im Jammern sind wir großartig“, stellte der Rheinländer am Ende fest. „Deshalb müssen wir unsere Grundhaltung ändern.“

    Anschließend fügte sich die Vorstellung des Werbeportals „Unsere Bayerischen Bauern e.V.“, der von Eva Maria Haas vom Bauernverband München vorgestellt wurde, bestens zum Vortrag von Willi Bauer ein.

    Der Verein möchte helfen, der regionalen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei ein Gesicht zu geben. Die Non-Profit-Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Wertschätzung und Akzeptanz der Verbraucher für die bayerische Erzeugnisse zu verbessern. Haas stellte den Zuhörern die Imagekampagne, die mit Radiospots und mit kleinen Erklär-Filmen im Internet beworben wird, vor. „Wir wollen die Basis vermitteln und wollen in die Wohnzimmer der Verbraucher“, betonte Haas.

    Bezirksbäuerin Maria Hoßmann, stellvertretende Landrätin Sabine Sitter, BBV-Präsident Unterfranken Stefan Köhler, der neue Amtschef des Landwirtschaftsamtes Ludwig Angerer sowie Landtagsabgeordneter Thorsten Schwab sprachen abschließende Grußworte. Zum Thema Image der Landwirtschaft, gab Bezirksbäuerin Maria Hoßmann zum Schluss der gelungenen Veranstaltung den Landwirten mit auf den Weg: „Die Lobby sind wir selber“.

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