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    Karlstadt

    Kreistag MSP: Erdgas statt Pellets für die Klinikheizung

    Für eine Heizung mit Pellets (Symbolbild) setzte sich die SPD ein. Der Kreistag entschied nach Abwägung der Kosten anders. Foto: djd/Deutsches Pelletinstitut

    Basierend auf seiner Entscheidung vom Februar 2019, das Klinikum Marktheidenfeld künftig über ein Blockheizkraftwerk und zwei Gasbrennwertkessel mit Erdgas zu beheizen, vergab der Kreistag nun die Aufträge dafür. Vergeblich versuchte Kreisrätin Heidi Wright für die SPD-Fraktion, den Beschluss mit Hinweis auf die Klimaschutzdiskussion zu vertagen.

    "Es braucht eine Erneuerung", begann die Politikerin ihren Antrag. Im Februar sei von 770 000 Euro die Rede gewesen, jetzt koste es über ein Million. Damit sei die im Februar genannte Summe für eine Heizzentrale mit Pelletkessel erreicht. Sie sei nicht bereit, eine Erhöhung von 30 Prozent hinzunehmen, zudem wäre es eine schlechte Entscheidung knapp zwei Stunden vor der Versammlung auf dem Karlstadter Marktplatz zum Ende der Klimaschutzwoche an den Karlstadter Schulen.

    Steigende Kosten für alle Varianten

    Kreisrat Gerhard Kraft unterstützte das Klimaschutz-Ziel, auch er sei damals für eine andere Variante gewesen. Zudem gebe es noch das Ziel des energieautarken Landkreises (ohne Verkehrssektor) bis zum Jahr 2035.  Es sei bedauerlich, dass jetzt schon das Vergabeverfahren anstehe. Allerdings gebe es auch Aussagen des Ingenieurbüros, dass vermutlich alle Varianten mehr kosten als im Februar genannt. Seine Fraktion werde deshalb wohl differenziert abstimmen.

    Landrat Thomas Schiebel erinnerte daran, dass die Entscheidung im Februar auch fiel, weil die Grundlast für das Klinikum mit einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk abgedeckt wird (und zwar bei allen Varianten). Dass auch die anderen Varianten teurer kämen, sei keine Spekulation.

    "Wir berechnen und spekulieren nicht", betonte Markus Zinßer. Er erklärte, dass die Anlagentechnik für eine Holzheizung (Pellets oder Hackschnitzel) deutlich teurer sei; der Preisunterschied könnte inzwischen bei 350 000 Euro liegen. Die im Februar genannten 770 000 Euro basierten auf einer ein Jahr alten Berechnung. In der Berechnung sei sogar ein CO2-Preis berücksichtigt wurden, der mit 50 Euro je Tonne deutlich höher lag als jetzt von der Bundesregierung beschlossen, trotzdem wäre Heizen mit Holz noch teurer gekommen.

    Selbst Pellets-Pionier rät zu anderer Lösung

    Er erinnerte an die Aussage von Karlstadts Bürgermeister Paul Kruck im Kreistag: "Herr Zinßer ist keiner, der Holzheizungen schlecht rechnet." Sein Büro habe die erst Hackschnitzelheizung im Landkreis an der Realschule Karlstadt geplant und realisiert und inzwischen Holzheizungen mit 50 Megawatt Gesamtleistung installiert. Auf die Nachfrage von Kreisrat Gerhard Thumes zur Kostenentwicklung bei Pellets und Hackschnitzel erklärte der Ingenieur, deren Preis sei seit 2001 relativ konstant. Allerdings seien Gas und Öl seit 2008 merklich im Preis gefallen.

    Am Ende beschloss der Kreistag wie von der Verwaltung aufgrund des Submissionsergebnisses der Ausschreibung empfohlen. Den Auftrag zur Sanierung der Heizungsanlage und Warmwasserversorgung erhielt die Firma RGT aus Bad Neustadt zum Angebotspreis von 1,03 Millionen Euro inklusive eines Wartungsvertrages über vier Jahre für jährlich 1428 Euro. Hier gab es zwölf Gegenstimmen. Die Technischen Dämmarbeiten wurden für 44 662 Euro einstimmig an die Firma ITW Isoliertechnik Würzburg aus Uettingen vergaben.

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