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    Laudenbach

    Kriegsende 1945: Widerstand in Laudenbach provozierte Beschuss

    Hier ungefähr war der Standort eines amerikanischen Panzerspähwagens, der mit einer 

Panzerfaust der deutschen Wehrmacht getroffen wurde.
    Hier ungefähr war der Standort eines amerikanischen Panzerspähwagens, der mit einer Panzerfaust der deutschen Wehrmacht getroffen wurde. Foto: Armin Marschall

    Am 4. April 1945 wurde Laudenbach von der vorrückenden amerikanischen Artillerie beschossen und dabei schwer verwüstet. Vorangegangen war der Tod zweier amerikanischer Soldaten. Um an die dramatischen Ereignisse vor 75 Jahren zu erinnern, war ein Gedenkgottesdienst mit anschließender Ausstellung in der Kirche St. Ägidius geplant. Doch aufgrund der Coronakrise wurde die Veranstaltung abgesagt. Nur ein zehnminütiges Läuten der Kirchenglocken der Pfarrkirche St. Ägidius am 4. April um 15 Uhr soll an die Verwüstung von Laudenbach erinnern.

    Folgendes ist in verschiedenen Laudenbacher Aufzeichnungen aus jeder Zeit zu finden: Als die Amerikaner gegen Kriegsende von Westen her vorrückten, kam es am Abend des Ostermontags – es war der 3. April – es um 17.30 Uhr zu einer wilden Schießerei. Ein erster amerikanischer Panzerspähwagen erschien in Laudenbach, von Himmelstadt kommend. Dieser wurde von der deutschen Wehrmacht mit einer Panzerfaust von der Kirche aus beschossen. Ein Volltreffer erforderte zwei Tote und einen Verletzten. Darauf zogen sich die Amerikaner über den Main nach Karlstadt zurück. Doch die Vergeltung ließ nicht lange auf sich warten.

    In der Nacht vom 3. auf den 4. April wurde Laudenbach mit Brandgranaten beschossen. Während der Löscharbeiten zogen die Amerikaner in Laudenbach ein. Die Verhandlung zwischen einem amerikanischen Hauptmann und dem damaligen Pfarrer Schaub, dem Bürgermeister Raudenkolb und Burkard Held ermöglichten es, das Dorf räumen zu dürfen.

    So kam am Mittwoch, 4. April 1945, früh um 3 Uhr der Räumungsbefehl. Die Bürger von Laudenbach mussten ihre Häuser bis sechs Uhr verlassen. Große Unsicherheit kam auf und das Notwendigste wurde in Bündeln verpackt. Auf Handwagen, Schubkarren und Gespannen wurden Kleidern, Betten und Nahrungsmitteln verladen. In einem langen Zug wurde der Marsch angetreten. Über einen nicht befestigten Weg flohen die Bürger nach Stadelhofen. Kurz vor 8 Uhr wurden die Laudenbacher freundlich in Stadelhofen aufgenommen und auf die einzelnen Gehöfte verteilt. Da die Unterkünfte begrenzt waren, kamen 70 bis 100 Menschen auf einem Hof unter.

    Im Laufe des 4. Aprils fuhr die amerikanische Artillerie auf die Duttenbrunner Höhe und begann um 19 Uhr mit der Beschießung von Laudenbach. Durch das Feuer wurde das Mitteldorf fast vollständig zerstört. Insgesamt 47 Wohnhäuser mit Stallungen und Scheunen brannten nieder, darunter auch das Gasthaus "Zum Stern". Die Kirche, das Rathaus, die Schule, das Ober- und Unterdorf wurden nur leicht beschädigt.

    Nach acht kummervollen Tagen durfte die Bevölkerung Laudenbachs wieder in ihr Dorf zurückkehren. Viele Familien standen vor dem Nichts, denn ein Drittel des Dorfes lag in Schutt und Asche. Doch der Ort hielt und half zusammen, um die Wunden dieses schrecklichen Krieges zu heilen.

    Das ehemalige Gasthaus zum Stern wurde am 4. April 1945 von den Amerikanern zerstört.
    Das ehemalige Gasthaus zum Stern wurde am 4. April 1945 von den Amerikanern zerstört. Foto: Armin Marschall
    75 Jahre später, hier stand das "Gasthaus zum Stern". Jetzt parken Autos hier.
    75 Jahre später, hier stand das "Gasthaus zum Stern". Jetzt parken Autos hier. Foto: Armin Marschall
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