• aktualisiert:

    Lohr

    Kultur auferstanden aus Ruinen

    Sofort nach der Vorstellung ging das neue Buch des Arbeitskreises Heimat und Geschichte in den Verkauf. Zunächst sind 150 Exemplare gedruckt worden, Nachdruck ist bei Bedarf vorgesehen. Foto: Thomas Josef Möhler

    »So viel Aufbruch war noch nie« – unter diesem Motto hat der Arbeitskreis Heimat und Geschichte der Volkshochschule die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beleuchtet. Die Ergebnisse, zusammengefasst auf 320 Seiten als Buch »Aufbruch in Lohr nach 1945«, hat der Arbeitskreis am Donnerstag in der Alten Turnhalle vorgestellt.

    »Der Schwerpunkt ist die selbstständige Aktivität der Lohrer Bürger in kulturellen und anderen Bereichen«, antwortete Arbeitskreisleiter Karl-Heinz Schroll im Gespräch mit der Redaktion auf die Frage, was diese Veröffentlichung von den anderen Büchern des Arbeitskreises über die Nachkriegszeit unterscheidet. Daneben gehe es um strukturelle Veränderungen, etwa bei der Straßenführung und in der Landwirtschaft.

    130 Veranstaltungen organisiert

    Nach den Worten von Meinrad Amrhein ist es »erstaunlich, wie schnell nach 1945 das kulturelle Leben in Lohr wieder aufblühte«. Der frühere Kulturamtsleiter beleuchtet in dem Buch die Anfänge von Volkshochschule, Stadtbücherei, Sing- und Musikschule sowie der weitgehend in Vergessenheit geratenen Kulturgemeinschaft Lohr (KGL).

    Die KGL bestand nach Amrheins Worten von 1952 bis 1967 und hatte zu ihren besten Zeiten rund 500 Mitglieder. Diese hätten ihren Zusammenschluss aber nicht als einfachen Verein betrachtet, sondern sich vorgenommen, »ein neues Kulturbewusstsein in Lohr zu schaffen«. Im Laufe ihrer Existenz habe die KGL rund 130 Konzerte, Opern, Operetten und Theaterstücke organisiert – meistens in der neuen, im Dezember 1951 eingeweihten Stadthalle.

    Die übrigen Inhalte des Buches stellte Schroll vor, ergänzt durch Sabine Fiedler-Conradi, die aus Originalquellen wie etwa Zeitungsberichten vortrug. Das Spektrum der Veröffentlichung ist weit und reicht von der Stadtkapelle, den Kinos in Lohr, Stadthallen- und Schwimmbadbau bis zu Festwoche und Fasching.

    Im zweiten, nicht kulturell geprägten Teil werden die Verkehrsentwicklung, THW und Polizei, Bevölkerungswachstum und Baugenossenschaft sowie Veränderungen in der Landwirtschaft behandelt. Heute völlig unvorstellbar: Nach der Viehzählung 1954 wurden in Lohr, das seinerzeit nur aus Kernstadt, Lindig und Sendelbach bestand, 345 Rinder und 572 Schweine neben viel Kleinvieh gehalten. Das letzte Rind hat laut Schroll erst 1966 die Altstadt verlassen.

    Auch die Arbeitsbedingungen des 1953 gegründeten Ortsverbands des THW kann man sich heute kaum mehr vorstellen. »Die wichtigsten Werkzeuge waren Pickeln und Schaufeln«, so Schroll. Über ein Fahrzeug habe das Lohrer THW in der Anfangszeit, die mit dem Namen von Walter Senger verbunden ist, nicht verfügt.

    »Die aktive, tatkräftige und aufgeschlossene Bevölkerung von Lohr war zum Aufbruch bereit und hat ihn mitgestaltet«, fasste Schroll zusammen. Nach den Worten von Vhs-Leiterin Susanne Duckstein wurde der Lohrer Bevölkerung bereits in den 1950er Jahren kulturell viel geboten. Das Angebot sei gut angenommen worden.

    Zunächst 150 Exemplare

    Das Buch ist als Band 65 in der Schriftenreihe des Geschichts- und Museumsvereins Lohr erschienen und kostet 24,90 Euro. Erhältlich ist es ab sofort in der Bücherecke an der Hauptstraße. Gedruckt wurden zunächst 150 Exemplare, ein Nachdruck ist bei Bedarf vorgesehen.

    Bearbeitet von Thomas Josef Möhler

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!