• aktualisiert:

    Marktheidenfeld

    Kunden erinnern sich an Lermann: Von Spielzeug bis Eckbänke

    Das Udo-Lermann-Gelände beherrscht die Luftaufnahme. Werden die Marktheidenfelder das Kaufhaus vermissen? Und welche Erinnerungen haben sie daran? Foto: Luftaufnahmen Kremen

    Gerhard Jeßberger zieht etwas Kleines aus seiner Jackentasche: "Das Teil von meinem Staubsauger ist kaputt", erklärt er, "hier kann ich nachfragen, ob sie ein Ersatzteil haben oder wo ich eins bekommen könnte." Das ist es, was er am Kaufhaus Udo Lermann vermissen wird, wenn es demnächst schließt. Wenn er etwas brauche, gehe er gezielt einkaufen und freue sich, wenn er gut beraten wird. "Ich gehe eigentlich zu Lermann, seit das Kaufhaus existiert", erzählt er. Er habe Geschenke, Kinderspielzeuge und Sportartikel dort gekauft. "Wenn es wieder Sportsachen gäbe, fände ich das gut", sagt er. 

    Stadt hat sich selbst kaputt gemacht

    Elfriede Jankowski geht schon "ewig" hin und kauft Haushaltswaren, Spielsachen, Bücher. "Das war immer die erste Anlaufstelle", sagt sie. Sie würde sich wünschen, dass wieder ein Kaufhaus in das Gebäude zieht. Die Idee, im Erdgeschoss Wohnungen zu bauen, fände sie nicht gut: "Niemand möchte direkt an der Straße wohnen", erklärt die 67-Jährige. Im ersten Stock Wohnungen und im Erdgeschoss ein Geschäft halte sie aber für einen guten Kompromiss.

    "Ich bin seit 1936 hier", sagt Marianne Träger lachend. Sie habe "den Lermann" noch erlebt, als er in der Altstadt auf dem Marktplatz seine Waren verkauft hat. Auch sie wünscht sich wieder ein Kaufhaus in dem Gebäude, ansonsten müsste sie nach Würzburg fahren, um beispielsweise Haushaltswaren zu kaufen. "Wir hatten in Marktheidenfeld alles, sogar ein Gericht und ein Finanzamt", sagt Träger. "Dadurch, dass so viele Behörden und Geschäfte weggezogen sind, hat sich die Stadt selbst kaputt gemacht."

    "Ich werde den kurzen Weg zum Geschäft vermissen", sagt Rainer Karg. Er habe bei Udo Lermann vor allem Sport-Artikel und Schuhe gekauft. "Jetzt muss ich dafür nach Würzburg fahren", sagt er, "hier in der Region gibt es leider kein vergleichbares Geschäft".

    Erste Eckbank bei Udo Lermann gekauft

    "Wir haben früher ganz viel beim Lermann gekauft", erinnert sich Sieglinde Platz. An einen der ersten Käufe können sie und ihr Mann Norbert sich noch gut erinnern: Eine Eckbank. "Die haben wir uns gekauft, als wir geheiratet haben", sagt Platz. In den vergangenen Jahren hat das Homburger Ehepaar aber kaum noch bei Udo Lermann gekauft. "Es gab einfach immer weniger", so Sieglinde Platz. Immer öfter würden sie zum Einkaufen nach Würzburg oder Aschaffenburg fahren. Mit dem Angebot in Marktheidenfeld ist das Ehepaar nicht sehr zufrieden.

    Kaufhaus als Kind paradiesisch

    Den umgekehrten Weg hatten Sabine und Holger Steinmann auf sich genommen und sind von ihrem Wohnort Würzburg nach Marktheidenfeld gefahren, wo die Ehefrau aufgewachsen ist. Den Besuch bei ihren Eltern nutzen beide gerne, um in Marktheidenfeld einzukaufen. Auch im Kaufhaus seien sie an diesem Tag gewesen, sagt sie. Gekauft hätten sie nichts, nur mal geschaut, was noch da ist. "

    Von Lermann haben meine Eltern bestimmt 90 Prozent ihres Haushalts", sagt Sabine Steinmann und lacht. Sie könne sich noch erinnern, als das Udo-Lermann-Kaufhaus 1971 eröffnete. "Das kam mir als Kind riesengroß und paradiesisch vor", erzählt die "Mittfünfzigerin". Kaufhäuser halte sie aber für überholte Einrichtungen. "Die tun sich auch in großen Städten wie Würzburg schon lange sehr schwer." Sie kaufe seit Jahren lieber in kleineren Fachgeschäften und komme gerade deswegen  gern zu Shoppen nach Marktheidenfeld.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!