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    Marktheidenfeld

    Kunst, Inspiration, Steuererklärung: Das Leben eines Komponisten

    Beim Musikforum am BNG in Marktheidenfeld erläuterte Hubert Hoche "Wie Musik ensteht". Foto: Lukas Kutschera

    Wie bei vielen sind es Momente in der Kindheit, die das Leben prägen. So erzählt auch der Komponist Hubert Hoche von einer Erfahrung, die er im Alter von zwölf Jahren im Internat hatte. Er war neu an der Schule und besonders am Wochenende von Heimweh geplagt. An genau solch einem Tag hörte er damals, von tief unten im Keller des Internats, Musik. Er war gebannt.

    Hoche ging auf die Suche und fand einen Mitschüler, der E-Gitarre spielte. Ehrfürchtig setzte er sich zu ihm. "Ich war den ganzen Tag da und habe zugehört", sagt Hoche. Das Heimweh war vorbei. Autodidaktisch brachte er sich in der nächsten Zeit das Gitarre spielen bei und studierte nach einer Schreinerlehre Musik in Weimar.

    Musikforum Marktheidenfeld feiert Premiere

    Heute steht Hoche als gefeierter Komponist in der Bibliothek des Balthasar-Neumann-Gymnasiums. Seine zeitgenössische Musik ist deutschlandweit in den Konzerthäusern zu hören. Zum ersten Musikforum Marktheidenfeld kehrt er in eine seiner alten Wirkungsstätten zurück. Früher war der 53-Jährige einige Zeit als Dirigent im Gesangverein 1906 tätig.

    Das Musikforum beruht auf einer Kooperation der Stadt Marktheidenfeld mit dem BNG und soll künftig regelmäßig verschiedenen regionalen Künstlern eine Plattform bieten. Hubert Hoche, der mit seiner Familie in Helmstadt lebt, will zum Auftakt Einblicke in die Arbeit eines Komponisten geben. Die Veranstaltung ist gut besucht, im Publikum sitzen viele Schüler und einige interessierte Bürger. 

    Die Veranstaltung in der Bibliothek des BNG war hauptsächlich von Schülern besucht. Foto: Lukas Kutschera

    Komponieren: Die Suche nach einer musikalischen Sprache

    Immer wieder spielt er während der Veranstaltung verschiedene Zusammenschnitte seiner Werke vom Band ab. Sie stammen aus unterschiedlichen Abschnitten seiner Karriere. Manche klingen experimentell, andere konventionell-klassisch.

    Warum ist das so? Für Hoche ist Komponieren die Suche nach der eigenen musikalischen Sprache. "Diese Suche kann man sich vorstellen wie ein kleines Kind mit Spielzeug", erklärt der Komponist. Und wie ein Kind mit Spielzeug langweilen auch Hoche auf Dauer die selben Muster, also probiert er Neues aus. Kommen ihm dabei seine Ideen bekannt vor, verwirft er sie wieder. "Da kann ich auch in der Fabrik arbeiten, wenn ich immer das Gleiche mache."

    Aber auch als Komponist kommt Hoche nicht um lästigere Arbeit herum. Fortbildungen und Büroarbeiten würden etwa 40 Prozent seiner Tätigkeit ausmachen. "Das ist alles Zeit, in der man null künstlerisch gearbeitet hat", erklärt er. Auch wenn er in seiner Freizeit Konzerte besucht, ist das für ihn Arbeit. "Es fällt mir schwer, da einfach nur zuzuhören." 

    Was inspiriert einen Komponisten?

    Inspiration findet er nicht nur auf Konzerten. "Natur zum Beispiel – die ist für mich unglaublich inspirierend", sagt Hoche. Sein Stück "Natural Forces" etwa basiert auf einem japanischen Tsunami. In dem Lied wird die Thematik hörbar: Musikalisch beschreibt es die Geschehnissen vom Sonnenaufgang bis in die Nacht. Mit den Ereignissen wechselt das Stück phasenweise zwischen trügerisch ruhig und intensiv-laut.

    In der Diskussionsrunde zum Abschluss der Veranstaltung fragt ein Schüler, ob Hoche auch mathematisch ans Komponieren rangehen würde. Der Komponist verneint das deutlich: "Es gibt kein festes Schema, das ist jedes Mal anders." Wie ein Bildhauer habe er aber manchmal schon im Vornherein etwas bestimmtes im Kopf. "Wenn ich die Atmosphäre habe, dann muss ich das Stück oft nur noch aus dem Marmorblock rauskratzen."

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