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    Main-Spessart

    Kunst literarisch in allen Facetten betrachtet

    „Der Schreibtisch im Spessart“ gestaltete die unterhaltsame Lesung mit Detlev Stupperich, Rosemarie Knechtel, Barbara Wolf, Peter Gröbner, Inge Frankenberger und Jürgen Leimeister (von links). Foto: Schreibtisch im Spessart

     Ein explodierendes Feuerwerk an Farben, eine Menschenmenge, die einen zu ersticken droht – wie gut, wenn das schrille Klingeln des Weckers den Alptraum beendet. Mit ihrem Gedicht „Die Nacht vor der Ausstellung“ eröffnete Inge Frankenberger die Lesung zur Vernissage der Künstlergruppe „Kontraste“ in der Alten Turnhalle in Lohr mit Lyrik und Prosa aus der Feder von sieben Autoren vom „Schreibtisch im Spessart“.

    Humorvoll führte die Schriftstellerin Krystyna Kuhn durch das Programm, bezog die Kunstobjekte in ihre Moderation ein und stellte eine Verbindung zu den Texten her. „Nicht immer erschließt sich ein Kunstwerk auf den ersten Blick, entsprechend verwirrend sind die Aussagen darüber, weil Kunst ein Geheimnis ist, manchmal auch ein Missverständnis“, moderierte Kuhn den Sketch „Vernissage“ von Detlev Stupperich und Rosemarie Knechtel an, bei dem sich ein geheimnisvolles Objekt nach Enthüllung als Kaffeemaschine von einem Künstler namens „Rowenta“ entpuppte.

    Vom Erwachen und einem ersten Ausflug handelten Peter Gröbners Gedichte, gefolgt von der glücklichen Namensfindung für eine Taufe von Knechtel. „Musik ist die Sprache der Leidenschaft“, kündigte Kuhn Barbara Wolfs „Leidenschaftliche Töne“ an, die von einer Reise zu „Rhein in Flammen“ handelte. Wie die Musik eines Eiswagens hörig machen kann, beschrieb Knechtel, die anschließend in „Süßer Duft“ das Lachgas bei einem Zahnarztbesuch mit Sehnsucht und der Flucht aus dem Alltag verband.

    Parallelen zu Luis Trenker fand Kuhn für den Mundartdichter Jürgen Leimeister und dessen Erlebnisse bei der Besteigung eines Dreitausenders, einem Gedicht, das nicht nur wegen der Höhe des Berges einer der Höhepunkte im Programm war. Als Kurzdrama zeugte „Unerreichbar nah“ (Stupperich und Knechtel) von Erotik und Moral. „Ein Dialog, der ein bisschen an Loriot erinnerte“, so Kuhn, „wenn ein Gespräch zwischen Menschen Missverständnisse hervorruft und droht zu eskalieren.“

    Um Science-Fiction, vielleicht sogar um einen realistischen Blick in die Zukunft, ging es bei Henrietta Hartels „Fliege“ und dem 360-Grad-Rundumblick für Menschen, gelesen von Gröbner. „Gut lügen will gelernt sein“, wie Wolf amüsant schilderte, vor allem, wenn man mit seinem Alter flunkert. Die Bedeutung eines Stofftiers beschrieb Stupperich in seiner gleichnamigen Ballade. „Wenn Sie sich mit Mordgedanken tragen, betrachten Sie die Lage besser von allen Seiten“, ermahnte Kuhn die rund 50 Zuhörer vor Knechtels „Spaziergang am Hafen“. Das Für und Wider mörderischer Absichten und die Wahl des geeigneten Mordwerkzeugs sollten wohl bedacht werden.

    Mit einem Intensivkurs in japanischer Dichtkunst beendete Knechtel den Abend, den das gut unterhaltene Publikum mit viel Beifall bedachte. „Also dann – bis dann!“, verabschiedete sich die Gemündenerin, die damit neugierig machte auf ein nächstes Wiedersehen mit den Autoren vom Schreibtisch im Spessart.

    Bearbeitet von Rosemarie Knechtel

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