• aktualisiert:

    NEUENDORF

    Kunstfertige Steinmetze des 16. Jahrhunderts

    Bildstöcke und christliche Denkmäler gibt es einige im Landkreis – sie zeugen von Volksfrömmigkeit, erbaut aus Dankbarkeit oder als Bittgesuch. Oft werden sie im Vorbeigehen nebenbei zur Kenntnis genommen und hätten doch vielleicht mehr Beachtung verdient. Im Neuendorfer Pfarrgarten stehen gleich zwei davon: ein Bildnis des auferstandenen Heilands sowie ein aus einem einzigen Steinquader geschaffenes Kruzifix.

    Der auferstandene Heiland steht seit 1933 an dieser Stelle und wurde einst vom damaligen Neuendorfer Kuratus Rudolf Keith erworben – geschaffen vom Lohrer Künstler Ignatius Taschner. Taschner, 1871 in Kissingen geboren, war ein angesehener Bildhauer und Steinmetz. Mit dem bekannten Fischerbuberl-Brunnen am Wiener Platz in München und vielen weiteren Kunstwerken in Berlin, Breslau und Lübeck setzte sich Taschner deutschlandweit Denkmäler für sein Können. In Lohr wurden gar eine Straße und ein Platz nach dem berühmten Einwohner benannt.

    Das zweite Kunstwerk, ein aus rotem Sandstein gefertigtes Kruzifix, ist um Jahrhunderte älter: Es wird laut alten Unterlagen von Edmund Josef Rauch dem „Steynmetz“ Hans Hackh zugesprochen, der beim Neuendorfer Dorfgericht vom 12. Januar 1593 als neuer Ortsbürger aufgenommen wurde. Hackh soll ebenfalls im Jahre 1593 den schon 1585 begonnenen und steckengebliebenen Rathausbau der Stadt Gemünden als Baumeister übernommen und bis 1596 fertiggestellt haben.

    Am Lohrer Rathaus sind zahlreiche Steinmetzzeichen rund um das Gebäude eingemeißelt; die Zeichen der Steinmetzbrüder Hans, Valentin und Johannes Hackh sind darunter. Es sei demnach davon auszugehen, dass sie auch beim Bau des Lohrer Rathauses beteiligt waren.

    Aus Findling gearbeitet

    Das Kruzifix im Pfarrgarten gilt als ältestes Denkmal der Gemeinde Neuendorf. Kunstvoll aus einem harten Findling ausgearbeitet, der Schaft ist im Renaissancestil in Feinarbeit verziert. Darauf ist die Jahreszahl 1816 erkennbar. Und doch irreführend. In diesem Jahre wurde der Friedhof angelegt, der ursprünglich hinter der Kirche, auf dem heutigen Platz des Pfarrhauses und -gartens zu finden war. Das Kreuz stand im Mittelpunkt des Friedhofes, musste jedoch nach dessen Verlegung 1884 und dem Bau des Pfarrhauses im Jahre 1924 wiederholt weichen.

    An unterschiedlichsten Stellen sei es seitdem gestanden, so die Vermerke in den Aufzeichnungen, zuletzt am Schönrainweg am Trieb. Als die Gemeinde das dortige Obstbaumgelände als Bauplätze verkaufte, wurde das Kreuz von einem Bagger weggeschoben und dabei zerbrochen. Wiederhergestellt fand das Kunstwerk anschließend seinen Platz an der Stelle, wo es seit 1816 zu sehen war: hinter der Kirche im Pfarrgarten. Das Kunstwerk lädt zur Betrachtung und zum Innehalten ein – wie es Wunsch der Auftraggeber und der Schöpfer war.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!