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    Marktheidenfeld

    Landratskandidat Vogel: Ich kann vorne stehen, muss aber nicht

    Der Landratskandidat der Freien Wähler sieht sich als Konflikt-erprobten Kämpfer.  Auf der Oldtimer-Bustour durch den Landkreis gab er sich allerdings noch zurückhaltend.
    Gelassen bis kämpferisch: Christoph Vogel, Landratskandidat der Freien Wähler aus Karbach. Foto: Lucia Lenzen

    Eine Tagestour im Oldtimerbus für Christoph Vogel? Rein körperlich: eine heikle Sache. 1962, so alt ist der Bus der Firma Hock, waren die Leute anscheinend tatsächlich noch kleiner. Ziemlich eingeklemmt, die Knie gegen den Vordersitz gedrückt, sitzt der 1,90 Meter große Landratskandidat der Freien Wähler abfahrbereit an seinem Platz. Und gibt sich doch entspannt, trotz unbequemer Lage. Was vielleicht auch an dem vertrauten Umfeld liegen könnte: Schließlich startet die Tour in Steinfeld. Hier ist Vogel aufgewachsen. Seine Mutter war Steinfelderin, sein Vater stammt aus der Vogelsmühle bei Karbach. Das alte Gehöft hat der 49-Jährige vor einigen Jahren sanieren lassen. Mittlerweile wohnt er selbst mit seiner Frau und seinen zwei Kindern dort. 

    Steinfeld und das Buchental, durch das der Oldtimer mittlerweile tuckert, kennt er auch durch unzählige Radtouren. Insofern weiß er um die Problematik, die der Bau der B26n hier mit sich bringen würde. Und er kennt auch die Situation, wie es ist, an einer Staatsstraße zu wohnen. Die alte Mühle der Vogels bei Karbach liegt fast unmittelbar an der Staatsstraße 2299, der Verbindungsstrecke zwischen Marktheidenfeld und Birkenfeld. Die alte Straße führte früher sogar unmittelbar durch das Gehöft.  

    Kurz vor der Abfahrt mit dem Oldtimerbus: Die Landratskandidaten Christoph Vogel (FW), Pamela Nembach (SPD), Christian Baier (Grüne), Hubert Fröhlich (FDP) und Sabine Sitter (CSU) mit Main-Post-Journalisten sowie Herbert Hock (links), der den Bus steuerte. Foto: Wolfgang Dehm

    "Dass der erste Teil der B26n kommt, ist ja höchstwahrscheinlich", sagt Christoph Vogel unterwegs im Bus. Alles andere sei noch nicht in Stein gemeißelt. Das sei zumindest sein Eindruck, den er nach Gesprächen mit dem staatlichen Bauamt und mit der Bürgerinitiative gegen die B26n gewonnen habe. 

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    Generell sieht er die Notwendigkeit einer Straße. Vor allem die Wirtschaft brauche eine gute Infrastruktur. "Jeder fährt", sagt Vogel. Auch er selbst. Momentan führt ihn sein Arbeitsweg jeden Tag nach Würzburg. Seit 2000 ist er bei der Vogel Medien Gruppe. "Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Danach wollte ich eigentlich ins Ausland, habe vorher aber eine einzige Bewerbung geschrieben", erzählt er. Die Bewerbung hat geklappt.

    "Ich bin eher ein ruhiger und gelassener Typ."
    Christoph Vogel

    Mittlerweile ist Vogel Verkaufsleiter bei der Vogel Druck und Medienservice GmbH in Höchberg, zuständig für die Zeitschriften- und Katalogbranche. Was er aus seinem Beruf für den Landratsposten mitbringt?  Auf jeden Fall den Wille, nicht so schnell aufzugeben. "Ich komme aus der Buchbranche, wir kämpfen jeden Tag", sagt er. Zudem sieht er sich als Konflikt erprobt – auch wenn die Dinge zu eskalieren drohen. "Ich bin eher ein ruhiger und gelassener Typ", erklärt er, was ihm in solchen Momenten zugute kommt.   

    Gute Stimmung trotz strittiger Themen: In Karlstadt diskutierten die Landratskandidaten über die Notwendigkeit der B26n für die lokale Wirtschaft. Foto: Lucia Lenzen

    Seine Erfahrung aus der Wirtschaft bringt Vogel auch in die Diskussionsrunde in Karlstadt mit Frank Kampmann, Geschäftsführer bei Systec, mit ein. Sein Ansatz: Um neue Unternehmen in den Landkreis zu holen und Bestehende zu halten, sollte man auch die Genehmigungsverfahren beschleunigen. "Der Schnelle frisst den Langsamen", warnt er. Als Beispiel nennt er die Marktheidenfelder Firma Warema, die aktuell rund 37 Millionen Euro in ein Projekt in Bettingen investiert. Wie nötig der weitere digitale Ausbau in der Region ist, beschreibt er an seiner eigenen Situation:  Er wohne im Funkloch und besitze eine DSL 6000 Leitung, also einen eher langsamen Anschluss.  

    Kandidatur: Von Alt-Landrat Armin Grein angesprochen worden  

    Wieder zurück im Bus geht es um seine Kandidatur: Alt-Landrat Armin Grein war es, der ihn als erster gefragt hat, ob er sich auf das Amt bewerben will. "Ich war erstaunt", erzählt Vogel von seiner ersten Reaktion. "Ich kann vorne stehen, muss es aber nicht." Einer der ersten, mit dem er sich über den Posten beraten hat, war sein Freie-Wähler-Kollege und Noch-Landrat Thomas Schiebel. "Am meisten abschreckend ist sicherlich die 7-Tage-Woche", sagt er. Jederzeit verfügbar sein, viele  Termine, auch am Abend und am Wochenende wahrnehmen – da muss vor allem auch die Familie mitspielen.

    Was er selbst tut, um mal Abstand zu gewinnen und zu entspannen? "Wir haben drei Hunde", erzählt er. Die freuen sich immer, wenn jemand mit ihnen rausgeht. Am liebsten gehen sie dabei alle zusammen, die ganze Familie. Außerdem hätten sie ein großes Haus, da gibt es immer was zu werkeln oder zu reparieren. In seltenen Fällen stellt er sich auch mal in die Küche. So wie vor vielen Jahren, als er zu Weihnachten einen Sauerbraten zubereitet hat.

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    Der Oldtimerbus ist mittlerweile vor dem Huttenschloss in Gemünden vorgefahren. Das Thema hier: ÖPNV. "Es ist gut, dass der Landkreis jetzt selbst für die Buslinien in Main-Spessart verantwortlich ist", so Vogel. Der Verkehr sei der Schlüssel zum Landkreis. Was seiner Meinung nach noch gestärkt werden kann, sei der Werksverkehr. Da könne man noch besser zusammenarbeiten. Ganz wichtig ist ihm auch die Weiterentwicklung der Dörfer. Sei es durch ambulant betreute Pflegegemeinschaften oder durch Mehrgenerationenhäuser. 

    Wer wird die neue Landrätin? Der neue Landrat? Vier der bislang sechs Bewerber sind hier zu sehen. Foto: Roland Pleier

    Und auch bei der nächsten Station, dem Krankenhaus Lohr hat er eine klare Meinung: Der Neubau muss der Dreh- und Angelpunkt werden im Landkreis, betont er. Darüberhinaus müsse die Pflegeschule in Marktheidenfeld weiterwachsen, hier fehle Wohnraum. 

    Nach guten sechs Stunden unterwegs hat sich Christoph Vogel längst eine bequemere Position für seine Beine im Bus gesucht. Auf den letzten Metern zurück zum Busunternehmen Hock nach Hausen bei Steinfeld zieht er Bilanz. Was er mitnimmt aus dem Tag? Emotional betroffen haben ihn die Sorgen der Mütter im Landkreis rund um das Thema Geburtshilfe und Geburten auf der Straße, vorgetragen von der Lohrer Hebamme Yvonne Gunst. Aber auch die Problematik der abgehängten Dörfer treibt ihn um. Immer wieder am Tag hat er sich Notizen gemacht. Hat sich einen Kontakt geben lassen. Sich vernetzt. 

    Digital unterwegs: Facebook, Twitter und eine Homepage ist in Arbeit

    Wie er sich den Leuten bis zum Wahltermin im März bekannter machen will? "Unter anderem stelle  ich mich in den Ortsverbänden vor",  erklärt er. Digital hat Vogel seinen Facebook-Account wiederbelebt, auf Twitter ist er sowieso und auch eine Homepage ist in Arbeit. Und er bildet sich fort in Landkreis-Dingen, wie zuletzt in einem Demographie-Workshop.

    Für die heiße Phase des Wahlkampfs hat er sich extra Urlaub genommen. Bisher hat er seine Kandidatur nicht bereut. "Ich habe bereits viele neue Menschen kennengelernt", sagt er, als er sich zum letzten Mal aus dem Sitz schält und den Bus um kurz vor fünf Uhr verlässt. Feierabend. Zumindest als Landrats-Kandidat Christoph Vogel. Als Papa wartet zuhause noch eine Aufgabe: Der Kindergeburtstag der Tochter und die versprochene Schnitzeljagd. 

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