• aktualisiert:

    Gräfendorf

    Landratskandidatin Sabine Sitter: Nicht mehr nur die Tochter

    Vor sechs Jahren sei sie unbedarft ins Rennen um den Landratsposten gegangen, sagt sie. Das sei jetzt anders.
    Sabine Sitter (rechts) und ihre Wahlkampfberaterin Susi Keller bei ihrer ersten "Denkwerkstatt", die am 21. November in Partenstein stattfand. Foto: Walter Keller

    "Ich muss immer darauf achten, wie ich mich positioniere", sagt Sabine Sitter. Damit ist nicht die politische Position gemeint. Die ist klar, seit sie mit 16 in die Junge Union Gemünden eingetreten war. Nein, es geht eigentlich um etwas Profanes – die Position auf einer Bühne oder an einem Rednerpult. Die 1,59 große CSU-Landratskandidatin wird von den anderen körperlich überragt. "Der Unterschied ist schon krass, wenn ich neben Christoph Vogel stehe", sagte sie bei der Rundfahrt der Main-Post mit den fünf Landratskandidaten im Oldtimerbus. Der Freie Wähler misst genau 1,90. 

    Körperliche Größenunterschiede: die Landratskandidaten (von links) Christoph Vogel, Sabine Sitter, Christian Baier, Pamela Nembach, Hubert Fröhlich. Foto: Karlheinz Haase

    Aber auch solch scheinbar nebensächliche Dinge spielen eine Rolle dabei, wie eine Person beim (Wahl-)Volk wahrgenommen wird. Daher hat Sabine Sitter die Busfahrt schon mal zu einem "Antrag" genutzt: Bei der gemeinsamen Podiumsdiskussion von Main-Post und Main-Echo am 18. Februar zur Landratskandidatur sollen bitte Sitzgelegenheiten auf die Bühne kommen und die Bewerber nicht hinter Tischen sitzen.

    Video

    Um gerade in solchen Fragen nicht alleine zu sein, hat sie in Susi Keller eine Unterstützerin gefunden. "Susi und ich, wir verstehen uns." Sie schaut darauf, wie der Eindruck bei Auftritten ist, gibt Rückmeldung, wie Sabine Sitter "rüberkommt". Die Landratskandidatin ist sich sicher, dass sich da einiges getan hat. Sie werde nach fast sechs Jahren als stellvertretende Landrätin nicht mehr als "die Tochter vom Johannes Sitter" betrachtet, sondern als Politikerin, die fest auf eigenen Füßen steht.  Vor allem ältere Herren seien es gewesen, die sie noch als Mädchen kannten. "Die haben sich von diesem Bild aber jetzt gelöst." Und sie selbst habe sich in mancherlei Hinsicht von ihrem Vater Johannes gelöst. Auch deshalb lässt sie sich lieber von Susi Keller beraten.   

    Oft wird nicht nach Bedarf entschieden

    Bei der Jungen Union in Gemünden war es 1991 noch darum gegangen, sich für die Belange der Jugendlichen einzusetzen. Oder es wurden Zeltlager organisiert. Nach dem Abitur am Mädchenbildungswerk Gemünden und dem Studium der Sozialen Arbeit in Würzburg hatte sich der Blickwinkel geändert. Sabine Sitter: "Ich war neugierig geworden, beispielsweise weil in der Politik oft nicht nach dem wirklichen Bedarf entschieden wird, sondern nach dem Bedürfnis einer Region." Gemeint ist, dass oft nicht als Maßstab gilt, wo etwas am dringendsten benötigt wird, sondern dass alle gleichmäßig bedient werden.

    Sabine Sitter bei der Diskussion der fünf Landratskandidaten zum Thema Infrastruktur. Foto: Roland Pleier

    Im Jahr 2000 trat die Gräfendorferin ihre Stelle am Bezirkskrankenhaus in Lohr an, hatte dort viel mit dementen und depressiven Menschen zu tun. Unter anderem vermittelte sie Patienten nach Erfolgen im Bezirkskrankenhaus an andere Einrichtungen. Berufsbegleitend studierte Sabine Sitter an den Hochschulen in Berlin und Coburg und machte 2007 ihren Master in Klinischer Sozialarbeit. Noch vor diesem Studienabschluss wurde sie Abteilungsleiterin für 40 Sozialpädagogen und kann daher auf Erfahrung in der Führungstätigkeit verweisen.      

    Gründe für die CSU

    Für Hobbys blieb schon da nicht mehr viel Zeit. Bis zum Abi hatte sie noch Querflöte und Saxofon gespielt. Inzwischen kamen Ehrenämter hinzu: der stellvertretende Vorsitz beim Roten Kreuz Main-Spessart und der Vorsitz beim Leinreiter-Verein. Die Leinreiter sind ein Förderverein für seelische Gesundheit, der psychisch kranke Menschen auch gegen widrige gesellschaftliche Strömungen voranbringen will. Und 2007 heiratete Sabine Sitter ihren Mann Rolf Schwarz aus Gambach. Bald kamen Tochter Selma, die jetzt 9 ist, und Sohn Rufus (7).

    Rolf Schwarz und Sabine Sitter mit ihren Kindern Selma und Rufus. Foto: Kerstin Biemüller

    Doch noch vor der Geburt der Kinder trat die Gräfendorferin 2008 der CSU und der Frauen-Union bei. "Ich bin christlich sozialisiert. Und ein gutes Miteinander ist mir wichtig." Diese beiden Faktoren hätten ihre Wahl der politischen Richtung bestimmt.

    Erfahrungen als Bauherrin

    In der Dorfmitte von Gräfendorf haben sie und ihr Mann ein Haus umgebaut. Dabei machte sie so manche Erfahrung, auch wie es ist, als Bauherrin mit der Kreis- und Gemeindeverwaltung zu tun zu haben. Über ihren Mann wurde sie sozusagen auch zur Winzerin. Er ist zweiter Vorsitzender des Gambacher Winzer- und Bürgervereins und hat er einen Weinberg "mit ihn die Ehe gebracht". Überdies hat die Familie einen Weinberg unterhalb der Gemündener Scherenburg gepachtet. Zusammengerechnet hat sich die Familie um 0,6 Hektar Rebstöcke zu kümmern. Ihr Mann ist beruflich Weinsachverständiger beim Freistaat Bayern.

    Sabine Sitter und Rolf Schwarz im Gambacher Weinberg. Foto: Sabine Sitter

    Aufgrund der Entscheidung für die Landratskandidatur lässt Sabine Sitter seit Jahresanfang ihren Beruf ruhen, ist sie nicht mehr im Korsett fester Arbeitszeiten. Sie hat freiberuflich begonnen, sich im selben Metier zu betätigen: in der Alltagsbegleitung von psychisch kranken Menschen.

    Wenn sie auf Tour ist, beispielsweise mit der von ihr initiierten Denkwerkstatt, bei der sie im Landkreis die Wünsche der Bürger erkundet, können sich neben ihrem Mann ihre Eltern Elisabeth und Johannes um die Kinder kümmern oder auch mal der Schwiegervater in Gambach. Auf ihrer Homepage www.sabinesitter.de macht sie kräftig Werbung für diese Denkwerkstatt. Dort finden sich auch kleine private "Schnipsel" über Sabine Sitter, beispielsweise die Spaziergänge an der Saale. Dabei begleitet sie Hündin "Jackie", eine freche Labrador-Bordercollie-Mischung, wie sie sagt.

    Auf Anhieb 38,6 Prozent 

    Bereits vor knapp sechs Jahren kandidierte Sabine Sitter für den Landratsposten. "Ich war damals unbedarft ins Rennen gegangen", blickt sie zurück. Doch holte sie auf Anhieb gegen den amtierenden Landrat Thomas Schiebel 38,6 Prozent. Jetzt habe sie neue Erfahrungen gemacht als Mitglied des Kreistags und als stellvertretende Landrätin. "Es war ungewöhnlich für die Mitarbeiter, dass die amtierende Landrätin in ihre Zimmer kam und sie nicht ins Landratszimmer bestellte."

    Gegen Ende der Busfahrt teilten Sabine Sitter und Susi Keller Tassen mit Kaffee aus. Das Fazit der Kandidatin: "Es war ein schönes Format, nicht stressig, ich habe Leute kennengelernt und Einrichtungen gesehen." Besonders gefallen habe ihr die Diskussion im Lohrer Krankenhaus mit Hebamme Yvonne Gunst. Und von dort bleibt ein Satz im Gedächtnis, den Sabine Sitter sie bei der Diskussion um die medizinische Versorgung im Landkreis äußerte: "Wir hätten noch ein drittes Kind, wenn es in der Nähe eine Geburtshilfe gäbe..."    

    Main-Post-Tour mit den fünf Landratskandidaten im Oldtimerbus durch Main-Spessart. Start in Hausen: Die fünf Kandidaten (von links) Christoph Vogel, Pamela Nembach, Chistian Baier, Hubert Fröhlich und Sabine Sitter. Foto: Roland Pleier

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!