• aktualisiert:

    BERGROTHENFELS

    Landwirtschaft steht vor Herausforderungen

    Unterfranken ist um 16  Landwirtschaftsmeister reicher: 13 junge Männer und drei junge Frauen bekamen am Freitag auf Burg Rothenfels ihre Meisterbriefe überreicht. Prüfungsbester war Robert Klüpfel aus Steinfeld (Siebter von links).
    Unterfranken ist um 16 Landwirtschaftsmeister reicher: 13 junge Männer und drei junge Frauen bekamen am Freitag auf Burg Rothenfels ihre Meisterbriefe überreicht. Prüfungsbester war Robert Klüpfel aus Steinfeld (Siebter von links). Foto: Wolfgang Dehm

    Prüfungsbester war Robert Klüpfel aus Steinfeld im Landkreis Main-Spessart, wo seine Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau, Ökolandbau und Biogasanlage betreibt.

    „Sie sind gefragte Leute, wir haben zu wenige von Ihrer Art“, sagte Regierungspräsident Paul Beinhofer mit Blick auf die neuen Landwirtschaftsmeister. Seinen Worten nach gibt es in Unterfranken rund 9700 landwirtschaftliche Betriebe, davon etwa 2900 im Haupterwerb; der Bedarf an jungen Betriebsleitern liege bei rund 80 im Jahr.

    Die Landwirtschaft steht Beinhofer zufolge vor vielen Herausforderungen, unter anderem wegen des Klimawandels. Fertige Konzepte für die Landwirtschaft der Zukunft gebe es jedoch nicht - vielmehr seien gut ausgebildete Praktiker gefordert, intelligent auf die veränderten Bedingungen zu reagieren.

    Die Festrede zum Thema „Mit Mut in die Zukunft“ hielt Christine Lang, die vor zwei Jahren in sechster Generation in die Wernecker Bierbrauerei ihres Vaters eingestiegen ist.

    Ähnlich wie die Landwirtschaft sei die Bierbranche eine harte Branche. So führe ein leergefegter Arbeitsmarkt beispielsweise dazu, dass die Brauerei größte Schwierigkeiten habe, Lkw-Fahrer zu finden. Aber auch Gaststätten, Hotels und der Einzelhandel suchten händeringend Personal.

    Nach Langs Einschätzung ist dies eine Folge davon, dass Kinder mit Nachhilfe und Druck zum Abitur geboxt würden und zu viele Menschen studierten.

    „Warum eigentlich?“ - Eine nur aus Akademikern bestehende Gesellschaft könne nicht funktionieren, machte Lang deutlich; eine „gute Mischung“ hingegen sorge für Zufriedenheit auf allen Seiten. Handwerk und Landwirtschaft jedenfalls böten Berufe mit Zukunft - „hier werden dringend Fachkräfte gesucht“.

    Auch die besten drei Absolventen der Meisterprüfung hatten sich Gedanken zur Zukunft gemacht. Die Landwirtschaft sei einem immer größer werdenden Druck durch die Öffentlichkeit ausgesetzt, sagte Martin Konrad (Kürnach) und nannte als Beispiele Ferkelkastration, Düngung und Pflanzenschutzmitteleinsatz. Wichtig sei es, der Bevölkerung die Arbeit der Landwirte zu erklären.

    Kevin Balling (Hollstadt) setzte vor allem auf die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der Digitalisierung in der Landwirtschaft und Robert Klüpfel (Steinfeld) betonte, dass für das Funktionieren eines landwirtschaftlichen Betriebs auch der Rückhalt von Familie, Freunden und Bekannten eine große Rolle spiele.

    Barbara Kuhn, die Vorsitzende des Meisterprüfungsausschusses Unterfranken, blickte auf die drei Semester dauernde Vorbereitung zur Meisterprüfung zurück, zeigte dazu einige Fotos und lobte: „Das war'n anständige Mädels und Jungs.“

    Harald Schäfer, der Vorsitzende des Verbands landwirtschaftlicher Meister und Ausbilder in Bayern (VLM) sprach von einer „tollen Leistung“ der Absolventen und riet den jungen Leuten zu kontinuierlicher beruflicher Weiterbildung, „denn nichts bleibt wie es ist, alles ist in Entwicklung“.

    Regierungspräsident Beinhofer bekam für sein Engagement für die unterfränkische Landwirtschaft von Schäfer das goldene Meister-Ehrenabzeichen samt Urkunde und VLM-Krawatte überreicht. Das „Wasserschutzbrot“, das im Dialog von Wasser- und Landwirtschaft entstanden sei, sei Beinhofers „Meisterstück“, so Schäfer.

    Musikalisch umrahmt wurde die von Gabriele Sichler-Stadtler (Leiterin des Bereichs Landwirtschaft am Fortbildungszentrum Triesdorf) moderierte Veranstaltung von der Bläsergruppe Unterpleichfeld, Grußworte sprachen der Landtagsabgeordnete Thorsten Schwab, Bezirks- und Kreisbäuerin Maria Hoßmann sowie die zweite Bürgermeisterin der Stadt Rothenfels, Daria Schürmann.

    Stichwort: Landwirtschaftsmeister

    Landwirtschaftsmeister sind unternehmerisch denkende und handelnde Landwirte, die den eigenen Betrieb bewirtschaften oder als Führungskräfte in landwirtschaftlichen Betrieben tätig sind. Die erfolgreich abgelegte Meisterprüfung bescheinigt ihnen umfangreiches Fachwissen, die Fähigkeit zum Entscheiden und Handeln sowie die Befähigung zur Mitarbeiterführung und zur Berufsausbildung.

    Die neuen unterfränkischen Landwirtschaftsmeister sind:

    Main-Spessart: Robert Klüpfel (Steinfeld - Prüfungsbester, Note 1,57); Elias Breitenbach (Karlstadt); Andreas Fürsch (Karsbach-Heßdorf); Patrick Wolf (Arnstein-Sachserhof).

    Kreis Würzburg: Martin Konrad (Kürnach - zweitbester Absolvent, Note 1,91); Michael Keidel (Rimpar); Simon Oppmann (Unterpleichfeld-Burggrumbach).

    Rhön-Grabfeld: Kevin Balling (Hollstadt - drittbester Absolvent, Note 2,0); Xaver Bauer (Sulzfeld-Kleinbardorf); Marcus Recknagel (Ostheim); Christopher Then (Bastheim-Reyersbach).

    Kreis Bad Kissingen: Bianca Hochrein (Maßbach-Poppenlauer); Matthias Kohl (Geroda-Seifertshof); Larissa Sauer (Münnerstadt-Großwenkheim); Julian Thomas (Nüdlingen).

    Kreis Schweinfurt: Melissa Fischer (Werneck-Ettleben).

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Main-Spessart-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!