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    Karlstadt

    Lehrerpräsidentin: "Wir sagen, wie Schule wirklich aussieht"

    Die Präsidentin des bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann hofft, dass die neuen Entscheidungsträger in München verstehen, dass Schule mehr Personal braucht - und deutlich mehr Finanzmittel. "Wir sind die Experten, wir wissen alles von der Schule", betonte Fleischmann in der Karlstadter Konrad-von-Querfurt-Mittelschule vor 150 unterfränkischen Lehrkräften. "Die Lehrerschaft muss künftig geschlossen den neuen Entscheidungsträgern ganz klar sagen, wie es in der Schule derzeit wirklich aussieht", forderte die kämpferische Lehrerpräsidentin. Die Politiker könnten reden, was sie wollten: Es müssten endlich Fakten her. 

    So kämpferisch und vor allem so selbstbewusst hat man den BLLV in der Region wohl selten erlebt: Einen bunten Wechsel zwischen knallharten Forderungen, Zukunftsvisionen mit "vielen guten Ideen für die Schule der Zukunft" und lockererem, leutseligem Münchner Schmäh packte die Lehrerchefin in ihre programmatische Rede.

    Fleischmann sieht zusätzlichen Personalbedarf von 11 000 Stellen

    Ganz klare Vorstellungen hat Fleischmann zum Personalbedarf: "Wir haben genau nachgerechnet, was eine bedarfsorientierte Schule für alle Kinder kosten würde", sagte sie und rechnete vor. In den nächsten zehn Jahren habe man einenzusätzlichen Personalbedarfvon 11 000 Stellen mit einem Finanzvolumen von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Doch dann rechnete sie weiter: Klassenwiederholungen und Schulabbrecher kosteten die Gesellschaft jeweils rund 300 Millionen Euro, die Aufwendungen für vorzeitig ausfallende Lehrkräfte gar eine halbe Milliarde. Da müsse im reichsten deutschen Bundesland doch etwas zu machen sein, meinte sie.

    Bewusst sprach die Präsidentin den Glücksbegriff in der Schule an: "Wer glückliche Kinder will, die fit für die Zukunft sein sollen, muss jetzt darüber nachdenken, wie man diese fördern und heute die Rahmenbedingungen dafür setzen kann." Eine Schule für Herz, Kopf und Hand, ein Tiefgang im Lernen brauche Zeit für den Menschen. Schlecht findet Fleischmann die undifferenzierte Akzeptanz des digitalen Dauerstress' nach dem Motto "schneller, höher, weiter"! Es gehe darum, das Leben zu bewältigen, es geht nicht darum, immer die Gymnasial-Übertrittsnote von 2,33 im Blick zu haben.

    Fleischmann: Politische Entscheidungen gehen oft zu Lasten der Gesundheit der Lehrer

    Im Fokus der BLLV-Chefin stand auch die Lehrkraft selbst: "Nur ein starker Lehrer ist ein guter Lehrer", sagte die Münchnerin. Viel zu oft würden unzureichende Entscheidungen des Ministeriums geräuschlos perfekt und mit immensen Mehraufwand umgesetzt, so dass der Eindruck entstehe "alles bestens". Allzu oft aber gehe das zu Lasten der Lehrergesundheit. Künftig sollten die 65 000 Mitglieder des größten Lehrerverbandes ihre Fähigkeiten und ihre Bedeutung aktiver vertreten, denn:  "Wir sind die Experten aus der Praxis."

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