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    Karlstadt

    Leidensweg Jesu mit Passionsmusik nachgezeichnet

    Mit Passionsmusik zum Palmsonntag stimmten die Chöre der Kantorei St. Andreas unter der Leitung von Bernhard Seelbach auf der Empore der Stadtkirche Karlstadt auf die Karwoche ein. Foto: Josef Riedmann

    Mit Passionsmusik in der Kirche St. Andreas Karlstadt stimmte die Kantorei St. Andreas auf die Karwoche ein. Namensgebend für das Konzert war das aufgeführte "Stabat Mater" von Charles Gounod. Die Gesamtleitung hatte Regionalkontor Bernhard Seelbach.

    Den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem thematisierte das Werk von Wolfgang Carl Briegel "Siehe, dein König kommt", eine Motette für vier Stimmen und Basso continuo, dargeboten vom Collegium Vocale der Kantorei. Die jubelnden Hosianna-Rufe ließen die Begeisterung der Menschenmenge spüren. Dieses Ereignis feiern die Christen am Palmsonntag. Die Darbietung im Chor der Kirche begleitete Konstantin Kobel an der Truhenorgel. Die folgenden Konzertbeiträge kamen dann von der Orgelempore, so dass die zahlreichen Konzertbesucher mit Blick auf das Passionsbild zu der ergreifenden Musik meditieren konnten.

    Pfarrer Simon Mayer brachte in seinen Betrachtungen die Ereignisse und die Bedeutung des Leidensweges Jesu den Zuhörern näher und fasste dessen Erlöserwerk bildlich zusammen: "Jesus lebte wie er starb, mit ausgebreiteten Armen".

    Aus "Die Passion in sieben Bildern, Op. 16" des Priesters und Komponisten Heinrich Fidelis Müller interpretierte der Chor der Kantorei, an der Orgel begleitet von Konstantin Kobel, das Präludium mit Einleitungschor und den Schlusschor. Das "Stabat Mater", ein Werk für Chor und Orgel von Charles Gounod, zeichnet den Schmerz Marias unter dem Kreuz ihres Sohnes nach. "Stabat mater dolorosa" ist ein mittelalterliches lateinisches Gedicht, das übersetzt heißt ‚Es stand die Mutter schmerzerfüllt‘. Gounod griff dabei auf eine freie Nachdichtung von Abbé Castaing zurück. Die Komposition beschreibt zunächst in Moll in einem monotonen Klagegesang den Seelenzustand Mariens, in Dur wird dann die Bitte der Gottesmutter um Fürsprache in bezaubernden Melodiewendungen beschrieben. Dumpfe Akkorde und stammelnde Worte bringen die Todesstunde Jesu näher, um schließlich in dem ergreifenden Ruf "Schließ uns den Himmel auf" zu münden. Gounod rahmte seine Vertonung mit einer Einleitung und einem Nachspiel auf der Orgel ein, das Konstantin Kobel hervorragend interpretierte.

    Bernard Seelbach steuerte als Solist an der Orgel Franz Liszts gleichnamige Variation über den Basso continuo aus der Kantate "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen (BWV 12)", von Johann Sebastian Bach bei. Liszt, aufgewühlt vom Tod seiner Tochter, fasste hier mit den Klangfarben der Orgel Arten des Schmerzes von tiefer Trauer, Verzweiflung oder Fassungslosigkeit in Töne. Leise und Zarte Sequenzen von Sehnsucht steigerten sich in gewaltiges Tosen der Wut. Ein Hoffnungsschimmer keimte in der Hommage an Bach mit dem Choral "Was Gott tut, das ist wohlgetan" auf, der die Variation abschloß.

    Diesen tröstenden und versöhnlichen Gemeindechoral griff der Chor am Ende nochmals auf und sang die auch als Kirchenlied bekannte Bach-Komposition.

    Mit dem ausdrücklichen Wunsch, nach dem Konzert das Gotteshaus in Stille zu verlassen, verzichteten die Interpreten auf den verdienten Applaus, der ihnen für die ergreifende Aufführung gebührte.

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