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    Erlenbach

    Leserforum: Glyphosat und Blumenwiesen

    Zum Artikel "Flower Bauer" vom 9. August erreichte uns folgender Leserbrief:

    Es ist ja schön, dass sie darüber berichten, wie sich neuerdings unser Bayerischer Bauernverband engagiert, um die Bienen zu retten. Bis vor dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ging das dem selbigen sonst wo vorbei. Sobald es aber irgendwo Subventionen zu holen gibt, sind unsere konventionellen Bauern sofort dabei!

    Ihre oder vielmehr die Erklärungen des Bauernverbands durch den Kreisobmann Reinhard Wolz, wie viele Blühflächen die Bauern zur Verfügung stellen, liest sich ja sehr schön, aber gerade durch die konventionelle Landwirtschaft mit Ausnutzung des letzten Quadratzentimeters Landschaftsfläche mit permanenter Überdüngung der Böden sind diese Blühflächen, Bienenweiden oder einfach gesagt, Blumenwiesen, vor etlichen Jahren verschwunden.

    Subventionen für die konventionelle Landwirtschaft müssen abgeschafft werden, damit Bauern wie Herr Wolz nicht mehr auf die hirnrissige Idee kommen, eine mehrjährige Blumenwiese mit Glyphosat „behandeln“ zu müssen, damit man diese wieder nutzbar machen kann! O-Ton Herr Wolz „Wenn wir die mehrjährige Wiese wieder landwirtschaftlich verwenden wollen, dann müssen wir sie mit Glyphosat behandeln.“

    Ich weiß nicht, warum Sie, liebes Main-Post-Team, so einen Satz völlig unkommentiert lassen.

    Es liest sich gerade so, als ob ohne Glyphosat keine rentable Landwirtschaft möglich sei.

    Die Bayer Aktie ist gerade um elf Prozent gestiegen, weil die über 18 000 Glyphosat-Kläger in den USA sich eventuell auf einen Vergleich einlassen, bei dem Bayer „nur“ acht Milliarden US-Dollar (7,15 Milliarden Euro) Entschädigung zahlen muss. Zum Vergleich: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat einen Gesamtetat von gerade mal 6,24 Milliarden Euro!

    Herr Wolz sollte sich vielleicht mal bei all den Biobauern informieren, die sich seit Jahren und Jahrzenten abrackern, ohne chemische Keulen auf ihren Feldern!

    Bisher gibt es knapp zehn Prozent Ökolandbau in Deutschland, der dafür sorgt,  dass die Felder chemiefrei werden und auch bleiben. Seit 2010 hat sich diese Fläche fast verdoppelt, ganz ohne Glyphosat und großes Tamtam der Politik ! Man kann nur hoffen, dass die Bio-Bauern weiter auf dem Vormarsch bleiben und die Verbraucher bereit sind/werden, ein paar Euro mehr für ihre Ernährung und damit auch für ihre Gesundheit auszugeben.

    Dazu müssen Gesetze geschaffen werden, die eine artgerechte Nutztierhaltung vorschreiben sowie den Einsatz von Chemie auf den Feldern verbietet.

    Leider ist unsere Landwirtschaftsministerin nicht in der Lage, nur ein vernünftiges Gesetz auf den Weg zu bringen, um zum Beispiel das Schreddern von Küken oder das Kastrieren von Ferkeln zu verbieten.  Ihr Vorgänger, Herr Schmitt, hat auch noch dafür gesorgt, dass der Einsatz von Glyphosat nicht europaweit verboten wird!

    Es wäre wünschenswert, wenn sich Julia Klöckner, die Chef-Lobbyistin der Landwirtschaft- und Lebensmittelindustrie, dafür sorgen würde, dass die biologische Landwirtschaft weiter wachsen kann und die Bio-Betriebe finanziell unterstützt werden, anstatt sich von den Lebensmittelkonzernen vor deren  Interessens-Karren spannen zu lassen.

    Hubert Friedel
    97837 Erlenbach

    Bearbeitet von Andreas Köster

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