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    Marktheidenfeld

    Lieder, die etwas zu erzählen haben

    Stimmungsvoller Abend im Innenhof des Hotels "Anker", Stefan Eichner sang die Chansons von Reinhard Mey. Foto: Martin Harth

    Die Lieder von Reinhard Mey haben viele inzwischen schon über Jahrzehnte hin auf ihrem Lebensweg begleitet. Dies zeigte am Sonntagabend der Auftritt des Kulmbacher Lieder- und Spaßmachers Stefan Eichner im ausverkauften Innenhof des Marktheidenfelder Hotels "Anker".

    Wie kann man das Phänomen Reinhard Mey umschreiben? Das Werk des Berliners ist zunächst ein Kind der 68er Jahre, allerdings nie plump propagandistisch, sondern ganz in französischer Manier leicht und tiefgründig, heiter oder ernst, individualistisch, kritisch, satirisch, meist nachdenklich. Als Poeten des Alltags hat man Mey gepriesen und viele der charakteristischen Noten seines Vorbilds griff Eichner an diesem Abend auf.

    Er erzählte in seinen Moderationen, wie er Reinhard Mey für sich entdeckte und das munter dahinfließende Gitarrenspiel zur Begleitung der Songs machte deutlich, dass darin auch eine musikalische Inspiration gelegen haben musste. 55 Jahre sind seit Meys erstem veröffentlichtem Chanson vergangen und Eichner griff aus den seitdem über 600 geschaffenen Liedern bekannte Klassiker und weniger vertraute Werke aus der "zweiten bis fünften Reihe" auf. 

    Aber Meys Leider haben etwas zu sagen und Eichner konnte dies auf seine Weise, die sich nicht auf bloßes Nachspielen beschränkt, dem Publikum auch vermitteln. Stellenweise wurde es fast beängstigend leise im "Anker"-Hof, als die Zuhörer die Chansons lauschend miterlebten. An anderer Stelle stimmten sie harmonisch bei den Hits wie "Über den Wolken" mit ein.

    Eichner zeigte sich als Geschichtenerzähler

    "Ein Stück Musik von Hand gemacht" – das klang ganz programmatisch für diesen Abend. Mit "Der Mörder ist immer der Gärtner" oder der "Diplomatenjagd" hatte er seine heiteren, populären Seiten. Es gab aber auch Politisches und Aufklärerisches wie in "Vernunft breitet sich aus über die Bundesrepublik Deutschland" oder "Sei wachsam" als ganz aktuelle Warnung vor dem Aufstieg der Ewiggestrigen.

    Natürlich gab es einen Block zu den ganz persönlichen Themen Kinder und Familie, auch da mit humorigen und ernsthaften Gedanken. Eichner zeigte sich dabei wie Mey als ein Geschichtenerzähler, denn Lieder singen und Erzählen, das habe etwas gemeinsam. Und das Ganze hat eben auch etwas mit einer Botschaft zu tun, so kann man jedenfalls "Lilienthals Traum" verstehen – "Du kannst fliegen!"

    An das Ende setzte Stefan Eichner nach großem Applaus aus dem Rund ganz bewusst drei besonders besinnliche Zugaben. Mit "So viele Sommer" sang er von der Liebe und der Endlichkeit des Lebens und "Viertel vor Sieben" berichtet vom Lauf der Zeit und der Dinge. Der Schluss für einen Mey-Liederabend stand eigentlich fest – "Gute Nacht, Freunde". Das ist jene Hymne an die Freundschaft, die der Berliner unter dem Pseudonym Alfons Yondraschek veröffentlichte und mit dem das Duo "Inga und Wolf" 1972 am Eurovision Song Contest in Edinburgh teilnehmen wollte. Doch daraus wurde nichts.

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