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    Gemünden

    Lippert tritt wieder an: „Gemünden ist nicht schlecht“

    "Wenn man von Gemünden spricht, spricht man von Brücken", sagt Bürgermeister Jürgen Lippert. Ein Beleg: das Foto von der Einweihung der neuen Mainbrücke. Foto: Michael Mahr

    Jürgen Lippert ist seit 2014 Bürgermeister der Stadt Gemünden. Schon vorher hatte sich der 53-Jährige in der Lokalpolitik engagiert. Der Seifriedsburger war eine Wahlperiode lang im Stadtrat Vorsitzender der Fraktion "Bündnis für Bürgernähe". Lippert wurde nach dem Schulabschluss an der Gemündener Realschule Polizist und war elf Jahre beim Bundesgrenzschutz. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten und war danach nochmals knapp sieben Jahre beim Bundeesgrenzschutz. Am Landratsamt Main-Spessart war er vor der Wahl zum Bürgermeister stellvertretender Leiter des Sachgebiets Schulen, Sport und Kultur. Lippert ist verheiratet und hat mit seiner Frau drei Kinder.

    Macht Ihnen das Amt des Bürgermeisters Spaß? Soviel Spaß, dass Sie im Jahr 2020 erneut bei der Wahl antreten?

    Jürgen Lippert: Also rein aus Spaß am Amt trete ich nicht an. Einige Dinge machen Spaß, aber im Wesentlichen geht es darum, die Aufgaben weiterzuführen, die anstehen, und das möglichst erfolgreich. Der Hauptgrund ist: Es ist die letzten fünf Jahre ganz ordentlich gelaufen ist, und wenn die Aussicht besteht, das so weiterzuführen, ist es der richtige Schritt.

    Landrat Thomas Schiebel tritt bei der Wahl nicht mehr an. Noch hat sich kein prominenter Kandidat für seinen Posten aus der Deckung gewagt. Haben Sie mit dem Gedanken gespielt, sich um Schiebels Nachfolge zu bewerben? Er war schließlich auch Bürgermeister Gemündens, ehe er zum Landrat gewählt wurde.

    Lippert: Wenn man Bürgermeister von Gemünden war, ist man prädestiniert für das Amt des Landrates, habe ich spaßeshalber mal gesagt. Nein, ich habe nicht wirklich daran gedacht, dieses Amt anzustreben.

    In den sechs Jahren als Bürgermeister haben sie sich sicher intensiver als je zuvor mit der Stadt Gemünden auseinandergesetzt. Haben Sie an ihr neue Seiten entdeckt?

    Lippert: Es hat sich das bestätigt, was ich von Anfang an geglaubt habe. Gemünden ist nicht so schlecht, wie es sich die Gemündener selbst reden. Und auch nicht so schlecht, wie viele von außerhalb Gemünden geredet haben. In den letzten fünf Jahren hat sich gezeigt, dass die Gemündener durchaus wieder Gefallen an ihrer Stadt gefunden haben. Woran es auch immer liegt: Gemünden ist definitiv nicht schlecht.

    Jürgen Lippert, hier bei der Verkehrsfreigabe der Mainbrücke, bewirbt sich 2020 um eine weitere Amtszeit. Foto: Michael Mahr

    Mit dem Hallenbad und der neuen Mainbrücke haben Sie zwei wichtige Projekte zum Abschluss gebracht, die die Stadt jahrelang, ja sogar jahrzehntelang beschäftigten. Welche anderen Projekte verbuchen sie für sich auf der Habenseite?

    Lippert: Das waren die Hauptprojekte. Wenn man von Gemünden spricht, spricht man von Brücken. Nicht nur die Mainbrücke war Thema, sondern auch Schwimmbadbrücke, Mühltorbrücke, alte Saalebrücke. Wir haben die Keßlerbrücke saniert. Das Thema Brücken ist ein Thema, das man auf der Habenseite verbuchen kann. Und das Thema Breitband. Gemünden ist, zumindest was das zweite Förderprogramm betrifft, komplett versorgt. Das war eines der Ziele: Gemünden muss mit schnellem Internet versorgt sein. Man muss, das sage ich ganz offen, Glück haben, dass in der Amtszeit Dinge gut laufen, wie die Zuweisung von Fördermitteln, ohne die solche Maßnahmen nicht umzusetzen wären. Auch die Haushaltskonsolidierung verbuche ich auf der Habenseite. Wir haben es trotz all der Investitionen geschafft, Schulden abzubauen.

    Das Ziel bei ihrem Amtsantritt war, die Verschuldung Gemündens in sechs Jahren um 30 Prozent zu verringern? Wie weit sind Sie damit gekommen?

    Lippert: Ich habe es noch nicht genau ausgerechnet. Ich glaube, da habe ich den Mund etwas voll genommen. 30 Prozent sind es definitiv nicht, trotzdem aber eine Zahl die sich sehen lassen kann.

    Gibt es auch eine Sollseite? Dinge, die nicht so vorangegangen sind, wie Sie sich das vorgenommen haben?

    Lippert: Ich will jetzt nicht vermessen sein, aber eher wenige. Die Ziele die ich mir gesetzt habe, wurden im Wesentlichen erfüllt. Dass das eine oder andere vielleicht hätte schneller gehen können, oder das eine oder andere noch hätte dazukommen können, mag sein, aber 100 Prozent gibt es nicht, weder auf der Soll-, noch auf der Habenseite.

    Mit wie vielen Stimmen aus Massenbuch, das auf den Ausbau der Ortsverbindungsstraße weiter warten muss, rechnen Sie bei der Wahl, und wie nah an die 100 Prozent kommen Sie in Seifriedsburg?

    Lippert: (lacht) Ich wage keine Prognose, was Massenbuch betrifft. Ich entscheide nicht danach, wo ich möglichst viele Wählerstimmen bekomme. Ich entscheide so, wie es die Notwendigkeiten der Stadt verlangen. Und ob ich in Seifriedsburg das Wahlergebnis vom letzten Mal toppen kann, weiß ich auch nicht. Das wird sehr schwierig. Viel mehr als beim letzten Mal geht eigentlich nicht. Ich habe vorhin schon einmal gesagt: 100 Prozent gibt’s nicht.

    Das nächste Großprojekt dürfte die Sanierung der Scherenberghalle sein, dank der aus Berlin zugesagten Fördermillionen? Und dann? Die nächste Brücke?

    Lippert: Brücken werden in Gemünden immer Thema bleiben. Es ist immer nur die Frage, welche Brücke als nächste dran ist. Eine Brücke haben wir schon geplant, den Rest der alten Saalebrücke, die wollen wir heuer fertigstellen. Das Thema Scherenberghalle ist auch bereits Thema gewesen, schon vor der letzten Wahl. Da werden wir rangehen müssen. Trotz der zugesagten 2,7 Millionen Euro wird es unheimlich schwierig, dieses Projekt umzusetzen, nicht nur wegen der Kosten, sondern von der Problematik her, die mit der Scherenberghalle verbunden ist – unter anderem Stichwort Lärm.

    Wie viele Termine stehen bei Jürgen Lippert in einer durchschnittlichen Woche im Terminkalender?

    Lippert: Das habe ich noch nie so genau angeschaut. Zu viele. (grinst)

    Außer Akten, was haben sie zuletzt gelesen?

    Lippert: Ich gebe zu, dass ich nicht sehr oft Bücher lese. Ich habe mich in den letzten Monaten immer wieder mit der Strecke 46 beschäftigt, mit dem Buch Dieter Stockmanns. Je öfter ich’s lese, desto mehr neue Gedanken kommen mir dazu, desto mehr Informationen bekomme ich, die ich dann in eine meiner Führungen einbauen kann. Ich lese aber auch ab und zu ein Buch von meinem ehemaligen Schulkameraden Dieter Schneider, der leider im letzten Jahr verstorben ist, als Autor ziemlich erfolgreich war und dessen Bücher sehr interessant sind.

    Wann haben sie zuletzt zur Trompete gegriffen? Und welches Stück lag auf dem Notenständer?

    Lippert: Das letzte Mal hatte ich die Trompete am vergangenen Freitag in der Hand, da war Musikprobe, zu der ich etwas verspätet noch dazugekommen bin. Eines der Stücke, die auf dem Notenständer lagen, war das Stück „Wir leben Blasmusik“.

    Eines der Hobbies von Jürgen Lippert ist die Musik. Mit der Trompete war er unter anderem beim Heimatfest zu hören. Foto: Michael Mahr

    Wie wollen sie ihren Wahlkampf führen? Wird die Internetseite der letzten Wahl, www.juergen-lippert.de, überarbeitet oder gehen Sie neue Wege?

    Lippert: Sie wird natürlich aktualisiert, mit den Zielen, die ich auf die Agenda setze. Es ist aber ganz interessant, wenn man sich die Internetseite nochmal anschaut, ob ich die Ziele, die ich mir gesetzt habe, erreicht habe. Da muss ich sagen: Ich bin einigermaßen zufrieden. Ich habe damals nicht ins Blaue hinein geredet. Und so soll’s auch beim nächsten Mal sein. Ich würde mir wünschen, - aber das wünscht sich wahrscheinlich jeder, der wieder antritt,- dass die Kraft, die ich in den Wahlkampf setzen muss, gering ausfällt. Ich würde meine Kraft lieber ins Amt investieren, um auch im Jahr vor der Wahl nicht zu viele Nebenkriegsschauplätze bedienen zu müssen. Die Zeit und die Kraft wären in die Aufgaben, die wir tagtäglich haben, viel besser investiert als in einen Wahlkampf. Er wird vom Prinzip her ähnlich ablaufen wie beim letzten Mal. Damals war es natürlich schwieriger. Als Seifriedsburger, der nicht ganz so bekannt war, war es notwendig sich bekannt zu machen und überall aufzutreten. Dass das in der Intensität wieder erfolgen muss, glaube ich nicht. Ich muss mich bei keinem mehr vorstellen. Die Gemündener kennen mich mittlerweile und wissen was sie von mir zu erwarten haben. Insofern werde ich versuchen, den Ball so flach wie möglich zu halten.

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