• aktualisiert:

    Lohr

    Lohr: Warum Pflanzen auf der Straße den Staatsanwalt beschäftigen

    Joachim Hutzel stellte am Montag Teile seines Sortiments vor seine Blumenhalle in Lohr, so dass es Passanten mitnehmen konnten. Das brachte ihm Ärger ein.
    Die Blumenhalle Hutzel in der Lohrer Hauptstraße.
    Die Blumenhalle Hutzel in der Lohrer Hauptstraße. Foto: Roland Pleier

    Eigentlich, so betont Joachim Hutzel, habe er seinen Mitmenschen nur etwas Gutes tun wollen. Der Inhaber der Blumenhalle Hutzel in Lohr hatte am Montag Teile seines Sortiments, unter anderem Osterglocken, Primeln, Salatpflanzen oder Zwiebeln, vor sein Geschäft gestellt und es Passanten gegen eine Spende zur Mitnahme angeboten. Er fand einige dankbare Abnehmer.

    Die Konsequenz der Aktion war allerdings ein Besuch der Polizei in der Blumenhalle. Mittlerweile prüft die Staatsanwaltschaft, ob ein Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz vorliegt.

    Grund für das Einschreiten der Behörden war die Anordnung der Bayerischen Staatsregierung, aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus alle Geschäfte im Freistaat zu schließen, die nicht der Grundversorgung des Menschen dienen. Für den Blumenhandel gilt die genannte Ausnahme nicht.

    Blühen einsam vor sich hin: Pflanzen im Blumenhaus Hutzel
    Blühen einsam vor sich hin: Pflanzen im Blumenhaus Hutzel Foto: Roland Pleier

    "Ich war mir nicht bewusst, dass ich etwas tue, was nicht legal ist. Schließlich gab es dabei ja gar keinen Publikumsverkehr", versichert Joachim Hutzel. Auch sei es nicht es ihm nicht darum gegangen, in Zeiten von Corona den großen Reibach zu machen. Die eingegangenen Spenden für die auf die Straßen gestellten Waren hätten in der Summe nicht einmal 100 Euro betragen.

    "Ich wollte den Leuten Pflanzenzwiebeln zur Verfügung stellen, weil man viele von denen in vier Wochen gar nicht mehr einzupflanzen braucht. Da ist es dann zu spät", so Joachim Hutzel. Außerdem habe er schlicht verhindern wollen, dass schöne Blumen und Pflanzen wegen der Ladenschließung eingingen.

    Müssen warten, bis die Blumehalle wieder geöffnet ist - wenn sie bis dahin nicht eingegangen sind. 
    Müssen warten, bis die Blumehalle wieder geöffnet ist - wenn sie bis dahin nicht eingegangen sind.  Foto: Roland Pleier

    Vis a vis der Polizei

    Pech für den Unternehmer, dass die Lohrer Polizeiinspektion direkt gegenüber der Polizei in der Hauptstraße liegt. "Nach Rücksprache mit dem Landsratsamt Main-Spessart haben die Beamten den Fall dann aufgenommen", teilte Björn Schmitt von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Unterfranken in Würzburg mit. Die Angelegenheit sei nun an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Diese prüft nun, ob ein Verstoß gegen das Gesetz vorliegt.

    Joachim Hutzel hat gehört, dass es für Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetzbis zu zwei Jahren Freiheitsentzug und 25 000 Euro Strafe geben könne. Doch er hofft, dass die Sache für ihn glimpflich ausgeht. Schließlich habe er ohne das Wissen gehandelt, dass sein Tun ungesetzlich sein könne - zudem im Glauben, anderen etwas Gutes zu tun. "Hätte ich gewusst, dass es nicht erlaubt ist, dann hätte ich das bestimmt nicht getan", beteuert der Blumenhändler.

    Im Supermarkt erlaubt, im Fachgeschäft verboten

    Unbemerkt blieben die Vorgänge freilich nicht. Sie zeitigten Diskussionen in sozialen Medien. Dort wurde auch der Umstand kritisiert, dass Fachgeschäfte schließen müssten, während Supermärkte Blumen und Pflanzen weiter in ihrem Sortiment haben dürften. Dies ist allerdings durch die geltende Regelung gedeckt, weil die Märkte überwiegend Lebensmittel bereitstellen und somit zu den Geschäften zählen, die Güter zur Grundversorgung der Menschen anbieten.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Main-Spessart-Newsletter!

    Kommentare (22)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!