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    "Lohr ist nicht Klein-Chicago": Stadtrat gegen Sicherheitswacht

    Keine Sicherheitswacht: In Lohr wird es keine Patrouillen von mit Uniformen und diversen Befugnissen ausgestatteten Ehrenamtlichen geben. Foto: Daniel Karmann (DPA)

    Im Lohrer Stadtgebiet wird es keine Patrouillen von mit Uniformen und diversen Befugnissen ausgestatteten Ehrenamtlichen geben. Der Lohrer Stadtrat sprach sich in seiner Sitzung am Mittwochabend gegen eine solche Sicherheitswacht aus.

    Die Stadtverwaltung ebenso wie Vertreter der Polizei hatten eine Sicherheitswacht befürwortet. Doch die Mehrheit der Räte hielt sie für nicht erforderlich. »Lohr ist nicht Klein-Chicago«, sagte Uli Heck (Freie Wähler).

    Die Idee der Sicherheitswacht war aufgekommen, weil es in den vergangenen Jahren wiederholt größere Vandalismusprobleme in Lohr gab.

    Zwar könne eine Sicherheitswacht dieses Problem auch nicht lösen, so der städtische Jugendreferent Marcel Brunner. Aber zumindest könne man mit ihr Brennpunkte mehr in den Blick nehmen. Anderen Kommunen hätten mit der Sicherheitswacht positive Erfahrungen gemacht, so Brunner.

    »Auge und Ohr« der Polizei

    Die Vertreter der Lohrer Polizei sahen die Sicherheitswacht als »zusätzliches Auge und Ohr« für die Polizei. Laut Inspektionsleiter Wolfgang Remelka sollen Mitglieder der Sicherheitswacht vor allem Präsenz zeigen und der Polizei Informationen liefern – beispielsweise zum Aufenthaltsort von Gruppen, die als Verursacher von Vandalismus bekannt sind.

    Remelkas Stellvertreter Stefan Preisendörfer bezeichnete die Sicherheitswacht als »bewährten Teil der Sicherheitsarchitektur in Bayern« und als »Bindeglied zwischen Bürgern und Polizei«.

    Doch die Mehrheit der Räte blieb skeptisch. Richard Eyrich (SPD) bewertete die Sicherheitswacht als »schon ein bisschen anrüchig«. Er fürchtete, dass sich deren Mitglieder aufspielen könnten, sobald sie eine Uniform tragen, und forderte, dass die Polizei mehr Präsenz zeigen muss, auch mal mit einer Fußstreife«.

    Wie Eyrich war auch Bärbel Imhof (Grüne) der Ansicht, dass die Lohrer Polizei personell zu schwach besetzt sei, um dem Wunsch der Bevölkerung nach Präsenz gerecht werden zu können. Eine Sicherheitswacht sei nicht das richtige Mittel. Stattdessen solle die Stadt lieber eine zweite Kraft für den Ordnungsdienst einstellen, so Imhof.

    Wünsche auch aus dem Umland

    Uli Heck schilderte, dass am Nägelseezentrum immer wieder Vandalismus gemeldet werde, die Polizei jedoch gar nicht dazu komme, dem nachzugehen. »Wir können uns nicht zerreißen«, sagte Polizeichef Remelka. Auch von Bürgermeistern der Umlandgemeinden höre er immer wieder den Wunsch nach mehr polizeilicher Präsenz. »In der Regel« reiche der Personalstand der Inspektion jedoch aus, um Hinweisen nachzugehen.

    Remelka bekannte jedoch auch, dass er »sicher froh über den einen oder anderen Mitarbeiter mehr« wäre. Bayernweit werde die Polizei derzeit um rund 3000 Stellen aufgestockt. Die Ausbildungskapazität für den polizeilichen Nachwuchs sei ausgeschöpft.

    Auch Bürgermeister Mario Paul war der Ansicht, dass man »eigentlich mehr echte Polizisten bräuchte«. Aber das könne man nicht in Lohr entscheiden. Von Bürgern höre er beispielsweise nach Ruhestörungen oft den Wunsch nach mehr Präsenz von Sicherheitskräften im Stadtgebiet. Gerade die Vorfälle der vergangenen beiden Sommer böten »durchaus Anlass für einen zusätzlichen Baustein«, warb Paul für eine Sicherheitswacht.

    Brigitte Riedmann hingegen fürchtete, dass das Einrichten einer solchen nach außen den Eindruck erwecken könne, dass es in Lohr unsicher sei. Dabei sei Lohr »eine sichere Kleinstadt«.

    Ernst Herr (CSU) brachte statt einer Sicherheitswacht die Möglichkeit ins Spiel, neuralgische Punkte per Videokamera zu überwachen. Dem stünden hohe rechtliche Hürden entgegen, erwiderte Polizei-Vize Preisendörfer.

    Bei der abschließenden Abstimmung votierten 14 Räte gegen eine Sicherheitswacht, sechs Stimmen dafür gab es aus den Reihen der CSU-Fraktion.

    Ausschlaggebend für dieses Votum könnte auch ein Hinweis von Polizeichef Wolfgang Remelka gewesen sein. Er hatte kurz vor der Abstimmung daran erinnert, dass der Gedanke an eine Sicherheitswacht vor längerer Zeit unter dem Eindruck eines akuten Vandalismus-Problems aufgekommen sei. Damals hätte eine Sicherheitswacht vielleicht helfen können, das Problem schneller einzudämmen. Doch eigentlich gebe die Lohrer Polizeistatistik den Bedarf für eine solche Wacht »nicht unbedingt her«.

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