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    Lohr

    Lohr und Neustadt kooperieren beim Wasser

    Seit ewigen Zeiten schon verbindet der Main Lohr und Neustadt. Nun gibt es zwischen den beiden Kommunen auf der Ebene des Wassers eine weitere, ganz neue Verbindung: Die Gemeinde Neustadt und die Lohrer Stadtwerke kooperieren bei der Trinkwasserversorgung.

    Vorerst sind die Stadtwerke für ein Jahr auf Probe für die Behebung von Rohrbrüchen in Neustadt und Erlach zuständig. Mittelfristig sollen sie die Betriebsleitung für die gesamte Neustadter Trinkwasserversorgung übernehmen.

    Strenge gesetzliche Vorgaben

    »Wir konnten es nicht so weiterlaufen lassen«, beschreibt Neustadts Bürgermeister Stephan Morgenroth die Notwendigkeit, neue Wege zu beschreiten. Gesetzliche Auflagen machten für eine Gemeinde selbst in der Größenordnung Neustadts für die Trinkwasserversorgung eine üppige Personalausstattung nötig. »Wir bräuchten drei Mann, haben aber nur einen Mitarbeiter im Bauhof, der das nebenher macht«, sagt Morgenroth. Nicht selten sei es gerade außerhalb der üblichen Dienstzeiten so gewesen, dass er oder sein Stellvertreter im Bürgermeisteramt bei Rohrbrüchen ausgerückt seien, um die Schieber zuzudrehen.

    In dieser alles andere als idealen Situation entschied man sich in Neustadt, den Weg der interkommunalen Zusammenarbeit zu gehen - und klopfte bei den Stadtwerken in Lohr an. Diese halfen der Gemeinde schon in der Vergangenheit aus, etwa wenn kurzfristig ein Ersatzteil benötigt wurde, das eine kleine Gemeinde wie Neustadt nicht auf Lager hat, die für ein deutlich größeres Versorgungsgebiet zuständigen Stadtwerke aber schon.

    Otto Mergler, Leiter der Lohrer Stadtwerke, erklärt, weswegen das Neustadter Ansinnen bei ihm auf offene Ohren stieß: »Wir sind keine Konkurrenten, sondern Kollegen.« Es ehre die Stadtwerke auch, wenn benachbarte Kommunen deren Kompetenz würdigten. Man werbe jedoch nicht aktiv um solche Kooperationen, sagt Mergler. »Wir haben auch so genug zu tun.«

    Wegen der angespannten Personalsituation der Stadtwerke sei er bei der Anfrage aus Neustadt zunächst auch zögerlich gewesen. Doch Mergler sieht in der Kooperation und dem Aufgabenzuwachs auch die Chance, qualifiziertes Personal in ausreichender Zahl vorhalten zu können.

    Einjähriger Probebetrieb

    Er rechne damit, dass für Neustadt ein ähnlicher Aufwand zu betreiben sei wie beispielsweise für die Lohrer Stadtteile Halsbach und Steinbach, so Mergler. Wenn das zuletzt durch einige längere Krankheitsfälle ausgedünnte Stadtwerke-Personal komplett sei, müsse dieser Aufwand zu stemmen sein.

    Seit September läuft nun der einjährige Probebetrieb. In dieser Zeit, so erklärt Morgenroth, wolle man Erfahrungen sammeln. Bislang trat der Ernstfall einmal ein: Die Stadtwerke mussten zusammen mit der auch in Lohr auf diesem Gebiet tätigen Baufirma Siegler nach Erlach anrücken, um den Rohrbruch an einem Hausanschluss zu beheben.

    Früher, so erklärt Morgenroth, wäre in einem solchen Fall in Neustadt einfach aufgegraben worden. Die mit großer Erfahrung ausgestatteten Stadtwerke hätten das Problem hingegen mit einem so genannten Inliner gelöst. Dabei wird das Rohr mit einem innenliegenden Schlauch abgedichtet. Woher der größere Erfahrungsschatz kommt, liegt auf der Hand: In Neustadt gab es im vergangenen Jahr laut Morgenroth zwei oder drei Rohrbrüche. In Lohr sind es in diesem Jahr bereits 77. Den Stundenaufwand ihrer Mitarbeiter stellen die Stadtwerke nach einem solchen Einsatz der Gemeinde Neustadt in Rechnung. Die Rechnung der Baufirma wird einfach weitergereicht. Die Kosten dafür, dass die Lohrer die Rufbereitschaft für Neustadt und Erlach übernehmen, sind mit 200 Euro pro Monat überschaubar.

    Umfangreiche Sanierung

    Die Kooperation im Bereich der Rohrbrüche soll nach Morgenroths Vorstellung irgendwann um weitere Aufgaben ausgedehnt werden. Die Gemeinde werde ihre Trinkwasserversorgung in den kommenden Jahren für rund vier Millionen Euro sanieren lassen. Bis spätestens 2022 wolle man damit fertig sein.

    Ziel der Gemeinde sei es, dass die Stadtwerke ab dann die komplette Betriebsführung der neuen Neustadter Trinkwasserversorgung übernehmen. Im Gegensatz zum nun gestarteten Probebetrieb in Sachen Rohrbrüche müsste diese weitreichendere Kooperation freilich noch von Gemeinde- und Stadtrat abgesegnet werden.

    »Kosten ändern sich nicht«

    Morgenroth geht davon aus, dass sich durch die »Fremdbetreuung« an den Kosten für die Gemeinde nichts ändert. Schließlich müsse man jetzt schon die Dienste einer Firma in Anspruch nehmen, um die Trinkwasseranlage am Laufen zu halten. Ziel sei es, durch die Kooperation mit den Stadtwerken »alle Arbeiten in eine Hand zu geben.« Mergler betont indes, dass für seine Stadtwerke trotz der Kooperation auch künftig gilt: »Lohr hat Vorrang.« Schließlich hingen am Lohrer Trinkwassernetz deutlich mehr Bürger, Betriebe und öffentliche Einrichtungen.

    Interkommunale Zusammenarbeit
    Die nun im Bereich der Trinkwasserversorgung gestartete Kooperation mit der Gemeinde Neustadt ist für die Stadtwerke nicht das erste Projekt interkommunaler Zusammenarbeit. Wie deren Leiter Otto Mergler erklärt, könne man auch die Verbünde der Energieversorgung Lohr-Karlstadt oder die Fernwasserversorgung Mittelmain als Kooperation zwischen Kommunen sehen. Mit der Stadt Karlstadt arbeitet Lohr seit 1991 auch bei der Trinkwasserversorgung zusammen: Über den nahegelegenen Stadtteil Rettersbach versorgt Karlstadt den zu Lohr gehörenden Wallfahrtsort Mariabuchen mit Wasser. Seit 2007 haben die Stadtwerke daneben die Rufbereitschaft für den Abwasserverband Lohrtal übernommen, in dem die Gemeinden Partenstein und Frammersbach vereint sind. Die nächste interkommunale Zusammenarbeit ist bereits in Planung: Derzeit läuft das wasserrechtliche Verfahren für den Anschluss der Gemeinde Rechtenbach an die Lohrer Kläranlage. Mergler geht davon aus, dass der Bau der Leitung durch das Rechtenbachtal nach Lohr im Jahr 2020 beginnen könnte. Generell, so der Stadtwerke-Chef, habe es bei der Zusammenarbeit der Kommunen in den vergangenen 15 Jahren einen Bewusstseinswandel in den Verwaltungen gegeben. Früher sei es »das Bestreben der Gemeinden gewesen, alles selber zu machen und niemanden reinschauen zu lassen«. Zwar sei der Handlungsdruck früher eigentlich auch schon da gewesen, jedoch habe man halt oft »so weitergewurstelt«, sagt Otto Mergler. Mittlerweile sei jedoch eine andere Generation in den Verwaltungen tätig. Es herrsche eine ganz andere Denkweise, wonach zusammengearbeitet werde, wenn es beiden Seiten nutze. Das gelte beispielsweise auch auf dem Feld von Fortbildungen oder der Ausbildung.

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