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    Lohr

    Lohrer Gaukler: Seit 25 Jahren klappt es ohne Souffleuse

    Zwei, die dieselbe Leidenschaft seit 25 Jahren verbindet: Ditte Remmel (links) und Inge Schwab sind Gründungsmitglieder der "Gaukler" und noch heute aktiv. Foto: Rita Gress

    Der Theaterverein "Gaukler" steht in den Startlöchern zu seinem 25. Jubiläum. Wenn das Ensemble am 25. Oktober Premiere seiner Boulevardperle "Oh, diese Männer!" feiert, stehen zwei Urgesteine mit auf den Brettern im Kulturkeller Mehling: Die Gründungsmitglieder Ditte Remmel und Inge Schwab. Beide hat die Schauspielleidenschaft während der zweieinhalb Jahrzehnte nicht mehr losgelassen. Nicht nur ihre lebhafte Mimik und Gestik zeugen von Langzeitliebe zur Bühne; sie beherrschen den Wortwitz ebenso wie die klare Sprache.

    FRAGE: Was braucht es, um der Bühne ein Vierteljahrhundert treu zu bleiben?

    Ditte Remmel und Inge Schwab (übereinstimmend): Herzblut! Auch die Bereitschaft, das Privatleben vom Probenbeginn im August bis zum Ende der Aufführungen im März des Folgejahres hinten anzustellen. Neben Beruf und Familie ist das nicht immer einfach.

    Haben Sie im Privatleben von der Schauspielerei profitiert?

    Schwab: Sehr sogar! Für die Prüfung zur Pharmareferentin zum Beispiel musste ich viel auswendig lernen und oft Vorträge halten. Lange Texte zu verinnerlichen war ich vom Lernen der Rollen gewöhnt und öffentlich frei zu sprechen kam mir als einst total stilles Mädchen sehr zur Hilfe.
    Remmel (lacht): Wir Bühnenakteure da oben möchten ganz viel Liebe. Im Ernst, die Schauspielerei hat mein Selbstwertgefühl enorm gestärkt. Auch genieße ich das verlässliche Miteinander im Ensemble; das ist wie der Anker einer Familie.

    Wie kamen Sie zur Schauspielerei?

    Remmel: Als Jugendliche hatte ich im Sauerland im Schultheater gespielt. 1986, nach meinem Umzug nach Partenstein, kam auch ich über Susanne Balzer-Endres zum VHS-Theater.
    Schwab: Ich kam 1984 in die Theatergruppe des VHS-Leiters Rolf Sultan. Dort war Susanne Balzer-Endres (ebenso Gründungsmitglied der Gaukler, in der diesjährigen Produktion jedoch nicht dabei; Anm. der Red.) aktiv. Sie fragte mich, ob ich mitspielen würde.

    Auch "Dracula" wurde schon im Mehlingskeller gespielt. Foto: Rita Greß

    Nach Auftritten im mit Kosten verbundenen Pfarrheim St. Michael spielen Sie seit 2001 mietfrei im Mehlingskeller. Wie kam es dazu?

    Schwab: Nach Proben und Aufführungen kehrten wir regelmäßig in unserem "Wohnzimmer" im Weinhaus Mehling ein. Juniorchef Matthias Mehling, selbst sehr kulturinteressiert, sagte, er könne uns auch ein Theater und eine Bühne bauen. Der Vorschlag stieß auf offene Ohren. Daraus ist eine win-win-Situation geworden. Unsere Gäste kehren in der Weinstube ein und wir investieren Einiges im Keller.

    Warum spielen Sie ausschließlich mit professionellen Regisseuren?

    Remmel: Wir wollten weiterkommen. Bisher hat das ganz gut geklappt – mit einer Ausnahme.

    Wie und wo finden Sie die Regisseure?

    Schwab: Bei der Suche wird es allmählich eng. Manchmal läuft das über Mundpropaganda. Beispiel Mathias Hahn aus Würzburg. Unseren ersten Regisseur Joe Henselewski aus München lernten wir vor 19 Jahren bei einem privaten Besuch in der Spessartgrotte kennen. Er sagte sofort zu. Mittlerweile spielen wir zum sechsten Mal unter seiner Leitung. In der Grotte trafen wir  auch auf Andreas Walther-Schroth, Regisseur und Urgestein der Frankfurter Theaterszene.

    Die Gaukler haben keine Souffleuse. Was, wenn ein Schauspieler einen Texthänger hat?

    Schwab (schmunzelt): Mir ist einmal ein Missgeschick passiert. Ich war zu früh auf der Bühne, mein Satz hätte eine Viertelstunde später kommen sollen. Ditte bemerkte es und rettete die Situation so: "Draußen wartet der Kutscher, er will etwas von dir wissen." Um punktgenau in den eigenen Part einsteigen zu können, muss jeder von uns den letzten Satz des Vorredners mitlernen.

    Ihre Lieblingsrollen bisher?

    Remmel: In Dracula zum Beispiel gab ich Professor Van Helsing. Das war reizvoll.
    Schwab: Die Loriot-Sketche. Ich musste ständig in eine andere Rolle schlüpfen.

    Was erwarten die Zuschauer von den Gauklern?

    Schwab: Bloß keine schwere Kost! Sie wollen Boulevard, etwas zum Lachen.

    Ein Foto von 1999, aus den Anfangsjahren der "Gaukler" mit Inge Schwab (links) und Ditte Remmel (rechts). Foto: Greß Rita

    Nach 25 Jahren noch Lampenfieber?

    Schwab (nickt): Oh ja. Direkt vor einer Aufführung muss ich meinen Text nochmals durchlesen.
    Remmel: Nach dem ersten Satz ist die Anspannung weg.

    Bekommen die Gaukler Unterstützung von der Stadt Lohr?

    Remmel und Schwab: Nein. Früher haben wir um etwas Unterstützung betteln müssen, heute würden wir uns schon über Wertschätzung freuen.

    Gibt's eine Überraschung zum Jubiläumsjahr?

    Schwab: Vom 18. Oktober bis 30. November veranstalten wir ein Gewinnspiel, bei dem drei mal zwei Karten verlost werden. Zu beantworten ist eine Frage: Welches Symbol ist im Gaukler-Logo zu sehen? Für die Antworten stehen Boxen bereit bei der Firma Born & Balzer in Partenstein und bei 4U Boy und Girl in der Ludwigspassage. Die Teilnahme erfolgt nach den Richtlinien der neuen Datenschutzverordnung.

    Der Theaterverein "Gaukler" in Lohr
    Der Theaterverein "Gaukler" formierte sich 1995 unter Schauspieler Helmut Jaekel aus Frankfurt. Gründungsmitglieder waren neben ihm Hans-Jürgen Remmel, Georgia Viola, Rolf Sultan, Inge Schwab, Susanne Balzer-Endres, Ditte Remmel, Margit Fröba, Mirta Dantlgraber, Antonio Coco, Cornelia Pfaff, Alexander Schleisinger und Eva Balzer. Im Juli 1995 führte Jaekel Regie bei der Erstproduktion "Kleinbürgerhochzeit", im Folgejahr stand er selbst mit auf der Bühne.
    In den 25 Jahren der "Gaukler" haben insgesamt 45 Schauspieler 24 Stücke auf die Bühne gebracht. Ein Jahr musste spielfrei bleiben wegen Besetzungsproblemen. Es wurden neun Regisseure verpflichtet, rund 50 000 Zuschauer, hauptsächlich aus Lohr und Main-Spessart, doch zum Teil sogar bis aus Nordrhein-Westfalen angereist, sahen die Aufführungen.
    Die Kosten pro Produktion (einschließlich Regisseur, Kostüme oder GEMA) lagen bei zirka 10 000 Euro. Die Schauspieler treten ohne Gage auf. Bislang haben die "Gaukler" an Spenden für karitative Zwecke in Main-Spessart und Umkreis gut 30 000 Euro gesammelt und verteilt.

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