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    Lohr / Marktheidenfeld

    Lohrer Notaufnahme entlasten: proMAR fordert Medizin-Stützpunkt

    Ludwig Keller (links) schrieb eine Stellungnahme zum Fall in der Lohrer Notaufnahme.  Foto: ProMAR

    Viel diskutiert wurde der Artikel "80-Jährige wartete über acht Stunden in der Notaufnahme in Lohr". Zu diesem Thema erreichte die Redaktion eine Stellungnahme der Bürgerinitiative proMAR. Für deren Sprecher, dem Marktheidenfelder Stadtrat Ludwig Keller, ist das schon lange kein Einzelfall mehr:

    So nimmt proMAR zu dem Vorfall Stellung

    "'Über acht Stunden in der Notaufnahme' – bei dieser Nachricht denkt man an Zustände in einem Entwicklungsland. Noch vor einigen Jahren war so etwas unvorstellbar. An drei Krankenhäusern in Main-Spessart waren Notaufnahmen angesiedelt, die Patienten aus den verschiedenen Bereichen des Landkreises verteilten sich darauf einigermaßen gleichmäßig.

    'Wir brauchen exzellente Medizin', so das Credo des damaligen Klinikreferenten im Jahr 2017. Die Kreisräte folgten ihm nur allzu bereitwillig, als sie beschlossen, entgegen früherer Ankündigungen, die Notaufnahmen in Marktheidenfeld und Karlstadt noch vor der Eröffnung des Zentralklinikums zu schließen. Ist das Ergebnis dieser 'Exzellenz' der oben beschriebene Fall?

    Den Menschen im Markheidenfelder Raum will bis heute nicht einleuchten, dass in einem personell, organisatorisch und räumlich hervorragend aufgestelltem Haus die Notaufnahme geschlossen und in einen Altbau verlegt wurde, dessen Brandschutzertüchtigung alleine vier Millionen Euro gekostet hat, von den weiteren Umbaukosten ganz zu schweigen.

    proMAR: Entwicklung war "vorhersehbar"

    Schon damals war die Entwicklung vorhersehbar, deren Auswüchse heute beklagt werden. 'Aus drei mach eins' – so leicht und ohne massive Aufstockung geht diese Rechnung nicht auf. Die einzige in Main-Spessart verbliebene Notaufnahme in Lohr ist mit dem Andrang von Notfallpatienten aus dem ganzen Landkreis personell und offensichtlich auch organisatorisch überfordert.

    Dass einer 80-jährige Patientin ein Aufenthalt von acht Stunden in der Notaufnahme zugemutet wurde, ist unfassbar. Ein krasser Fall, jedoch leider nicht die absolute Ausnahme. Bei unserer Bürgerinitiative proMAR, die sich aus Protest gegen den Krankenhauszentralismus formierte, laufen regelmäßig Meldungen über ähnliche Fälle ein. Der Patient zahlt die Zeche für eine verfehlte Gesundheitspolitik, die sich von ihrem Versorgungsauftrag immer weiter entfernt und besonders ältere Menschen im ländlichen Raum vor früher nicht gekannte Probleme stellt.

    Sind es nicht ein paar 'Einzelfälle' zu viel? Ein System, das die Menschen und den gesunden Menschenverstand vergisst, kann nicht funktionieren.

    Bürgerinitiative fordert ambulanten medizinischen Stützpunkt in Marktheidenfeld

    Daher fordern wir, endlich den Teil des Nachnutzungskonzeptes umzusetzen, der auf Initiative von proMAR darin festgeschrieben wurde. 'Die Errichtung eines ambulanten medizinischen Stützpunktes', so heißt es, soll dabei so erfolgen, dass 'durch bedarfsgerechte Öffnungszeiten zudem die ambulante Versorgung gestärkt werden kann.' Das könnte dadurch geschehen, dass die teils ungenutzten Kapazitäten des Krankenhauses in Marktheidenfeld reaktiviert werden, um damit die Notaufnahme in Lohr zu entlasten.

    Dort ist dem Artikel zufolge die Belastung besonders groß, wenn die Arztpraxen geschlossen sind. Genau für diese Zeitspanne fordert proMAR seit langem eine ärztliche Anlaufstelle in Marktheidenfeld. Diese kann den Druck von der überlasteten Zentrale nehmen. Der Fall der hochbetagten Patientin, die am frühen Nachmittag die Notaufnahme aufsucht und erst kurz vor Mitternacht wieder nach Hause kommt, ist Signal dafür, dass es so nicht weitergehen kann.

    Bearbeitet von Martin Hogger

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