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    Lohr

    Lohrer Polizeichef erbost: Kritik geht entschieden zu weit

    Wolfgang Remelka, Leiter der Polizeiinspektion Lohr. Foto: Roland Pleier

    Nachdem er die Berichte über die Bürgerversammlung in Lohr gelesen hatte, habe er erst einmal eine Nacht darüber geschlafen. Doch beruhigt habe er sich dadurch immer noch nicht, zeigt sich der Lohrer Polizeichef Wolfgang Remelka in einem Schreiben an die Redaktion ungewöhnlich emotional.  Aufgeregt haben ihn die vielen Klagen Lohrer Bürger über Verkehrsverhältnisse in der Stadt. In seiner Stellungnahme stellt sich Remelka nunmehr schützend vor seine Mannschaft und hebt deren erfolgreiche Arbeit hervor.

    Gewurmt haben ihn zum Beispiel Bürger, die der Polizei Untätigkeit vorwerfen, ja sogar unterstellen, dass Täter der Polizei bekannt seien, doch nichts gemacht werde. Indirekt werfe man seinen Mitarbeitern dadurch das Begehen einer Straftat vor, führt Remelka aus: Strafvereitelung im Amt. "Das geht aus meiner Sicht entschieden zu weit", schreibt er. "Ein solcher Vorwurf entbehrt jeglicher Grundlage."

    Hohe Aufklärungsquote

    Remelka listet auf: Demnach haben die Lohrer Beamten im vergangenen Jahr 1048 Straftaten aufgenommen und bearbeitet. Bei 744 Straftaten wurde mindestens ein Tatverdächtiger ermittelt. "Dies entspricht einer Aufklärungsquote von 70,1 Prozent. Wir liegen damit eng am sehr guten Wert von 71,3 Prozent für den gesamten Regierungsbezirk Unterfranken (Bayern 64,5 Prozent, Bundesrepublik Deutschland 57,7 Prozent)", so Remelka. Mehr als zwei von drei Straftaten wurden durch die Lohrer Polizei im vergangenen Jahr aufgeklärt. Täter wurden ermittelt und Geschädigte konnten hierdurch zum Beispiel ihren Anspruch auf Wiedergutmachung des entstandenen Schadens oder Schmerzensgeld geltend machen.

    "Diese sehr gute Aufklärungsquote ist bei der Polizeiinspektion Lohr keine Eintagsfliege", betont der Polizeichef. Im Jahr 2017 lag der Wert bei 70,6 Prozent. Der Durchschnittswert der letzten acht Jahre liegt bei 70,7 Prozent und belegt "die dauerhaft gute, erfolgreiche und professionelle Arbeit aller Mitarbeiter". 

    Weiterhin nahmen die Beamten im vergangenen Jahr 715 (2017: 799) Verkehrsunfälle auf. Darunter auch zwei Verkehrsunfälle, bei denen jeweils ein Verkehrsteilnehmer ums Leben kam.

    Jede dritte Unfallflucht wird geklärt

    Bei 163 Verkehrsunfällen entfernte sich einer der Unfallbeteiligten unerlaubt vom Unfallort. Aber auch hier konnten mit 57 Personen annähernd 35 Prozent der „Unfallflüchtigen“ durch die Lohrer Polizei ermittelt werden. "35 Prozent stellt für diesen Deliktsbereich einen sehr guten Wert dar", führt Remelka aus. "Auch hier liegen wir im unterfränkischen Trend, der bei 36 Prozent liegt."

    Die Polizisten seien generell an 365 Tagen im Jahr und für 24 Stunden am Tag für ihre Bürger im Dienst. "Sie kennen keinen Brückentag und verrichten ihren Dienst auch am Wochenende und an Feiertagen", ruft Remelka in Erinnerung. Dabei seien sie immer häufiger Anfeindungen bis hin zu tätlichen Angriffen ausgesetzt. Vor zwei Jahren seien es 20 solcher Vorkommnisse gewesen, die zu Strafverfahren führten, im vergangenen Jahr sogar 29. Dabei habe es sich gehandelt um Beleidigungen und Bedrohungen bis hin zum Widerstand gegen oder tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte. Darüber hinaus stoßen die Beamten laut Remelka "tagtäglich auf sonstigen verbalen Widerstand und Aggressionen". Etwa durch das Kommunikationsvermögen der Einsatzkräfte oder das Zutun Dritter sei es "glücklicherweise" zu keiner Eskalation gekommen.

    Erfolgreicher Einsatz beim Skatepark

    Schließlich sei die Lohrer Polizei nicht nur für Lohr, sondern für insgesamt 30 000 Einwohner in neun Gemeinden zuständig. "Hier gilt es Kräfte zu bündeln und an Brennpunkten Schwerpunkte zu bilden", führt Remelka aus. "Ein solcher Brennpunkt war im Jahr 2018 sicherlich der Lohrer Skatepark und Personen, die sich dort oder andernorts im Stadtgebiet regelmäßig trafen. In den Fällen, in denen bei einzelnen Personen ein strafrechtlich vorwerfbares Fehlverhalten festgestellt werden konnte, wurde dies durch die Polizei konsequent zur Anzeige gebracht." Solche Anzeigen hätten unter anderem zu Jugendstrafen bis hin zur Verurteilung der Täter zu mehrmonatigen Haftstrafen geführt.

    Abschließend appelliert Remelka an alle Kritiker: Jeder könne sich mit seinem Anliegen an ihn persönlich wenden. "Er muss mit einem speziellen Anliegen nicht bis zu einer Bürgerversammlung warten", stellt er klar. "Der persönliche Kontakt und der direkte Austausch mit Ihnen sind mir lieber als die schriftliche Erwiderung unwahrer Behauptungen."

    Bearbeitet von Roland Pleier

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