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    Marktheidenfeld

    Lokje aus Windheim führt mit Engelsgeduld drei Laternenumzüge an

    Sonja Schumacher und ihre Friesenstute Lokje mimen in diesem Jahr für mehrere Marktheidenfelder Kindergärten St. Martin auf seinem Pferd. Foto: Dorothea Fischer

     "Ich geh' mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir." An den Martinsumzügen rund um den 11. November spazieren vor allem Kinder mit ihren selbst gebastelten und beleuchteten Laternen durch dunkle Straßen. Sie besingen die Legende von St. Martin. In manchen Orten stellt Jahr für Jahr ein Reiter mit prachtvollem purpurrotem Mantel auf seinem Pferd den Heiligen dar. Die Stute Lokje (16 Jahre) von Sonja Schumacher aus Windheim übernimmt diese Rolle schon zum dritten Mal.

    Lokje führt die Umzüge der Marktheidenfelder Kindertagesstätten Edith-Stein-Straße und Baumhofstraße sowie der Lebenshilfe an. Den Soldaten Martin von Tours mimt eine befreundete Reiterin, die mit dem Pferd vertraut ist. "Ich selbst kann momentan wegen einer Verletzung leider nicht reiten", bedauert Schumacher.

    Ein paar Tage vor ihren großen Auftritten grast Lokje mit ihrer Familie auf einer Koppel zwischen Hafenlohr und Windheim. Die Sommermonate verbringen die Tiere draußen. Demnächst werden sie für die Dauer der kalten Jahreszeit in den Offenstall gebracht. Auch dort haben sie Gelegenheit zu weiden. Der 53-Jährigen ist eine artgerechte Tierhaltung wichtig, sagt sie. Doch verwöhnen will sie ihre Pferde nicht.

    Sonja Schumacher kam in ihrem Leben schon viel herum. Sie wurde in Oldenburg geboren und wuchs in Hessen auf. Bereits in der Kindheit saß sie regelmäßig auf einem Pferd. Auch wenn Zahnarzthelferin ihr Beruf ist, gilt ihre Leidenschaft doch den Vierbeinern. Als junge Frau lebte sie eine Zeit lang beim Zirkus und kümmerte sich um die Pferde. "Dort habe ich die Friesen lieben gelernt", erzählt sie.

    Sonja Schumacher und Lokje, die für den Martinszug im vergangenen Jahr mit Lichterkette geschmückt war. Foto: Dorothea Fischer

    "Lokjes Familie, das sind Bruder Aaron und der fünfjährige Sohn Torben," erklärt die Pferdenärrin. Sie züchtet die Tiere zusammen mit ihrem Ehemann. Im Frühjahr wird noch ein Fohlen hinzukommen, denn Lokje ist trächtig. Nur Nora steht etwas abseits auf der Weide. Sie ist mit den anderen Pferden nicht direkt verwandt, gehört aber ebenfalls der Rasse der Friesen an. Sie alle haben ein schwarz glänzendes Fell und eine dunkle Mähne. Wie der Name sagt, stammt die Rasse aus dem Friesland (Niederlande) und ist eine der ältesten in Europa.

    Trotz ihrer majestätischen Anmutung sind Friesen keine schwierigen Pferde. Im Gegenteil, sie gelten als sehr geduldig, nervenstark und sanftmütig – die idealen Begleiter eines St.-Martin-Umzugs. Wie in den beiden vergangenen Jahren hat Schumacher Anfang November einige Kinder für eine Probe einhzeladen. Lokje soll sich an Kinderstimmen und die besondere "Dekoraktion" gewöhnen. Denn die Stute wird beim Martinszug ein Netz aus Lichtern, Knickleuchten und einen roten Sattel tragen.

    Wenn die Kinder des Integrativen Kindergartens der Lebenshilfe und die der Schulvorbereitenden Einrichtung der St.-Nikolaus-Schule am Abend des 12. November singen: "Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind…", führt Sonja Schumacher ihre Lokje im Kreis herum. Wie es die Legende beschreibt, wird die Reiterin einem am Boden sitzenden Bettler ein Stück ihres roten Mantels zum Schutz gegen die Kälte abgeben. Dann führt das stolze Pferd den Laternenumzug durch das Marktheidenfelder Wohngebiet an. Als Belohnung gibt es danach Möhren und einen Sack Müsli für Lokje.

    Die Legende von St. Martin
    Martin von Tours wurde um das Jahr 316 im heutigen Ungarn geboren. Gegen seinen Willen musste Martin schon in jungen Jahren zum Militär des römischen Reichs. Als 17-Jähriger war er als Soldat in einer Gegend beschäftigt, die heute zu Frankreich gehört. An einem Tag im Winter ritt er an einem Bettler vorbei, der ihn ansprach und um Hilfe bat. Außer seinem Schwert und einem Mantel hatte er nichts bei sich. Also teilte er den Mantel und gab eine Hälfte dem Bettler.
    Für diese gute Tat wird Martin von den Katholiken heute noch als Schutzpatron der Armen verehrt. Er gilt als Vorbild der Nächstenliebe. Vielen Heiligen wird an ihrem Todestag gedacht. Das wäre für St. Martin der 8. November 397. Drei Tage später wurde er beigesetzt.
    Am 11. November erinnern die Protestanten an die Taufe ihres geistigen Vaters, Martin Luther, der im Jahr 1483 einen Tag zuvor zur Welt kam. (dfi)

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