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    Lohr

    Luchs und Wanderfalke im Lohrer Stadtwald nachgewiesen

    In die Fotofalle getappt: der Luchs im Lohrer Stadtwald. Foto: Michael Metz

    Der Lohrer Stadtwald gilt in Fachkreisen schon lange als naturnah und artenreich. Nun tauchten zwei Arten auf, deren Erscheinen selbst Fachleute aufhorchen lässt: Zum einen hat eine Fotofalle unweit des Waldhauses Rexroth einen Luchs abgelichtet. Zum anderen zog in diesem Jahr erstmals ein Wanderfalkenpaar im Stadtwald Nachwuchs auf.

    Während es vom Luchs schon sehr vereinzelte Nachweise im Spessart gab, ist die Brut des Wanderfalken eine Neuheit. In ganz Bayern ist nur ein weiteres baumbrütendes Wanderfalkenpaar bekannt.

    Doch auch der Luchs-Nachweis ist laut Bernhard Rückert, Leiter der städtischen Forstverwaltung, eine Premiere im Stadtwald. Zwar hätten ihm Jäger zweimal eine Luchssichtung im Stadtwald gemeldet. »Aber ich habe das immer ein bisschen angezweifelt«, sagt Rückert, weil die Sichtungen in der Dämmerung erfolgten, weswegen sich die Jäger auch getäuscht haben könnten.

    Keine Zweifel mehr

    Doch nun gibt es keine Zweifel mehr: Bereits vor einigen Wochen schnappte unweit des Waldhauses Rexroth eine Fotofalle zu. Sie lichtete kurz vor 22 Uhr einen Luchs ab. Zwar ist die Aufnahme etwas verwaschen. Doch es handelt sich eindeutig um einen Luchs.

    Rückert leitete das Foto sogleich an das Bayerische Landesamt für Umwelt weiter. Die Experten werteten die Aufnahme aus und äußerten aufgrund der Fellzeichnung des Luchses die Vermutung, dass es sich um ein aus dem Harz stammendes Tier handeln könnte.

    Der Luchs aus dem Lohrer Stadtwald ist nicht der erste Nachweis im Spessart. Im Oktober 2017 hatte eine Fotofalle einen Luchs im Staatswald des Forstbetriebs Rothenbuch abgelichtet. Im Februar 2016 war ein Luchs zwischen Neuendorf und Sackenbach in eine Fotofalle getappt.

    Spurlos verschwunden

    Seit der Aufnahme am Waldhaus Rexroth ist der Luchs laut Rückert jedoch wieder spurlos verschwunden. Auch Risse, also vom Luchs getötete Tiere, seien nirgendwo aufgetaucht.

    Nach Rückerts Ansicht wäre der Spessart mit seinen ausgedehnten Wäldern und seinem Wildbestand als Lebensraum für den Luchs ideal geeignet. Dennoch geht der Stadtförster nicht davon aus, sich die Art zeitnah im Spessart etablieren wird: »Dazu müsste der Luchs einen Partner finden.« Doch das hält Rückert für unwahrscheinlich. Er geht davon aus, dass es sich um ein auf Wanderschaft befindliches Einzeltier handelt.

    Um die Wiederansiedlung des für den Menschen ungefährlichen, Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland ausgerotteten Luchses zu befördern, wäre aus Rückerts Sicht »Unterstützung« nötig, also das Aussetzen von Tieren. Doch das, so Rückert, sei bisher von der Politik nicht gewollt.

    Auch Teile der Jägerschaft stünden dem Luchs ablehnend gegenüber, weil er sich hauptsächlich von Rehen ernährt und als Konkurrent gesehen werde. Im Bayerischen Wald beispielsweise, wo der Luchs wieder heimisch ist, seien schon mehrfach vergiftete oder erschossene Luchse aufgetaucht, so Rückert.

    Drei Junge aufgezogen

    Noch mehr als über das womöglich nur vorübergehende Auftauchen des Luchses haben die städtischen Förster darüber gestaunt, dass sich ein Wanderfalke im Stadtwald niedergelassen hat. Rückert spricht von einer »Sensation«, dass die ohnehin sehr seltene Art auf einem Baum brütet. Diese Einschätzung bestätigt Hartwig Brönner, der Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz. Denn der Wanderfalke sei eigentlich ein Felsbrüter. Das Brutpaar, das im Stadtwald drei Junge aufgezogen hat, sei in ganz Bayern erst der zweite Nachweis eines Wanderfalken in Baumbrut.

    Geheimhaltung zum Wanderfalken
     
    In diesem Jahr hat erstmals ein baumbrütendes Wanderfalken-Paar im Lohrer Stadtwald Nachwuchs aufgezogen. Die städtische Forstverwaltung hat mit dieser Information längere Zeit hinter dem Berg gehalten, weil Wanderfalken sehr empfindlich auf Störungen reagieren. Das Bekanntwerden ihrer Brut hätte Vogelbeobachter anlocken können. Das wollten die Förster vermeiden, um den Bruterfolg nicht zu gefährden.
     
    Doch es gibt noch einen anderen Grund dafür, dass die Forstverwaltung weiterhin keine Angaben zum Ort des Horstes macht: Der Wanderfalke ist nicht überall gut gelitten. Denn der schnellste heimische Greifvogel ernährt sich ausschließlich von im Flug erbeuteten Vögeln und verschmäht auch Brieftauben nicht. Deswegen, so sagt Hartwig Brönner, der Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), sei der Wanderfalke »bei Taubenzüchtern nicht sehr beliebt«.
     
    Sollte man Hinweise auf irgendeine Nachstellung erhalten, werde man diese »in jedem Fall anzeigen«.
    Ob das Wanderfalken-Paar im kommenden Jahr wieder an der gleichen Stelle im Stadtwald brütet, ist völlig offen. Denn die Art baut kein eigenes Nest, bezieht vielmehr Horste, die andere Arten wie Bussarde, Habichte oder auch Kolkraben gebaut haben.

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