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    LENGFURT

    Luftunterstützung für die Feuerwehr

    Fabian Wolf in seiner Werkstatt in Lengfurt, wo er eine Drohnen für den Feuerwehreinsatz konstruiert hat und weiterentwickelt.
    Fabian Wolf in seiner Werkstatt in Lengfurt, wo er eine Drohnen für den Feuerwehreinsatz konstruiert hat und weiterentwickelt. Foto: Ralf Thees

    Im Regel in der kleinen Werkstatt in Lengfurt steht eine Drohne, an der Wand hängt auch ein solches Fluggerät, in einer Schachtel an der Seite ist eine eingepackt und auf dem Tisch – noch unfertig – befindet sich ebenfalls eines. Ringsherum verteilt – aber durchaus ordentlich – neben einigen Werkzeugen diverse Kunststoffrotoren, Motoren, Akkus und Kabel.

    Vom Hobbyflieger zum Drohnenentwickler

    Hier ist aktuell das Reich von Fabian Wolf. Der Veitshöchheimer arbeitet in einem Nebenraum in der Wohnung seiner Freundin in Lengfurt an seinen Drohnen. Mit Modellflug kennt der 28-Jährige sich schon lange aus. „So in der zweiten Klasse habe ich mein erstes Modellflugzeug geschenkt bekommen“, sagt Wolf. Nun hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Anfang Dezember gründete er mit seinem Partner Jens Richter die Firma SoSi Drones. Das Unternehmen bietet Dienstleistungen mit und rund um Drohnen an. Das ist schon an sich ein nicht alltägliches Geschäftsfeld, doch noch ungewöhnlicher wird es bei einem speziellen Arbeitsbereich.

    Wolf baut Drohnen für den Feuerwehreinsatz. Das erste Modell ist schon im Einsatz, der 28-Jährige schenkte es der Lengfurter Feuerwehr, bei der er seit diesem Jahr auch Mitglied ist. Damit soll sich die Feuerwehr im Ernstfall aus der Luft einen Überblick über die Situation machen können. Mit einer Kamera überträgt der Quadrocopter mit vier Rotoren Live-Bilder beispielsweise vom Brand und die Feuerwehrkameraden können gezielter Brandherde erkennen und löschen. „So ein Gerät gibt es nicht von der Stange“, sagt Wolf.

    Langwierige Entwicklung

    Der 28-Jährige ist Autodidakt. Das ganze technische Wissen hat er sich über viele Jahre selbst angeeignet. Elektronik löten, Bauteile anpassen, Programmierung der Software – all das macht Wolf selbst. Insgesamt eineinhalb Jahre arbeitete er neben seinem 400-Euro-Job bei einem Discounter an der ersten Feuerwehrdrohne. Die hat er nach der langen Entwicklungszeit auch patentieren lassen, das Geld dafür haben seine Eltern gegeben.

    Zahlreiche Bauteile hat er durchgetestet und das Fluggerät immer wieder optimiert. Welche Rotoren sind stabil genug? „Ich hatte Propeller aus Karbon ausprobiert, aber die sind zu schnell gerissen“, sagt der 28-Jährige. Auch bei den Motoren musste Wolf für den Feuerwehreinsatz geeignete Komponenten auswählen und testen. „Die jetzigen sind wasserdicht“, erklärt er – nicht unwichtig für eine Feuerwehrdrohne. Denn das Gerät muss robust sein. Die Flüge werden oft nicht bei Idealbedingungen stattfinden.

    Fabian Wolf in seiner Werkstatt in Lengfurt, wo er eine Drohne für den Feuerwehreinsatz konstruiert hat und weiterentwickelt.
    Fabian Wolf in seiner Werkstatt in Lengfurt, wo er eine Drohne für den Feuerwehreinsatz konstruiert hat und weiterentwickelt. Foto: Ralf Thees

    Es klingt leichter als es ist, so eine Drohne einsatzreif zu entwickeln. Einfach beliebige Teile zusammenmontieren geht nicht. „Ausschlaggebend ist das Gewicht“, erklärt Wolf. Alle Bauteile müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass die Drohne viel Leistung bringt, gleichzeitig aber nicht zu schwer wird, dass diese Leistung dann doch nicht mehr ausreicht.

    „Auch wenn bei der Drohne alles funktioniert, kann man immer noch mehr machen“
    Fabian Wolf, Entwickler der Feuerwehrdrohne

    Gesteuert wird die Feuerwehrdrohne über eine Funkfernsteuerung, ähnlich wie man sie aus dem Modellflug kennt. „Ein guter Kilometer ist die Reichweite in der Praxis“, sagt der 28-Jährige, „sie muss aber immer in Sichtweite bleiben.“

    Komponenten für jeden Einsatzzweck

    Beim Ferienprogramm in Lengfurt demonstrierte Fabian Wolf seine Feuerwehrdrohne.
    Beim Ferienprogramm in Lengfurt demonstrierte Fabian Wolf seine Feuerwehrdrohne. Foto: Fabian Wolf

    Dass die Feuerwehrdrohne fliegt, ist nur die eine Seite. Ihren Zweck erfüllt sie erst, wenn sie auch Bilder vom Einsatzort liefert. Dafür ist an der Drohne eine Kamera angebracht. Die muss klein und leicht sein, und die Livebilder per Funk an den „Piloten“ am Boden senden können. „Das ist heutzutage aber kein Problem mehr“, sagt Wolf, „da gibt es genug Kameras auf dem Markt.“ Die normaloptische Kamera kann auch je nach Einsatzzweck gegen eine Wärmebildkamera ausgetauscht werden – beispielsweise für die Suche nach vermissten Personen in der Nacht.

    Auch für den Empfang der Bilder musste sich Wolf ein robustes System überlegen. In einem Metallkoffer ist nun ein großer Bildschirm eingebaut, auf dem man die Übertragung der Drohne sehen kann. Der Feuerwehrmann, der das Fluggerät steuert, hat auch die Möglichkeit, den Flug durch eine sogenannte VR-Brille zu beobachten. Da hat er ein besseres „Gefühl“ für den Flug, es ist, als würde er mit der Drohne mitfliegen.

    Funktionalität vor Schönheit

    „Schön ist was anderes“, sagt Wolf zum Aussehen der Drohne. „Die Modelle, die man ein Laden kaufen kann, sehen natürlich schicker aus.“ Aber bei der Feuerwehrdrohne kommt es nicht auf Schönheit an. Wichtig war Wolf bei der Entwicklung, dass es auch im Einsatzfall gut bedient und Teile wie Akkus oder Kameras bei Bedarf schnell und einfach ausgetauscht werden können – auch mit Handschuhen.

    In den wenigen Wochen, seit Wolf die erste Feuerwehrdrohne der Wehr in Lengfurt gespendet hat, musste das Gerät noch nicht eingesetzt werden. Doch eine Feuertaufe gab es schon in der Entwicklungsphase. Die große Suche nach einem vermissten jungen Mann im März dieses Jahres unterstütze Wolf auch mit der Drohne, indem er Teile des Karbacher Walds aus der Luft beobachtete. „Leider erfolglos“, sagt Wolf – der Vermisste wurde kurz danach tot im Main aufgefunden. So traurig die Suche auch ausging: die Drohne hatte ihre Arbeit trotzdem zufriedenstellend geleistet, wie Wolf sagt.

    Interessant für den Feuerwehrnachwuchs

    Ein paar Feuerwehren hätten schon Interesse an der Drohen gezeigt, sagt Wolf. Etwa 4500 Euro kostet ein Exemplar. Der 28-Jährige bietet auch Schulung für den Umgang mit dem ganzen System an. Bei der Lengfurter Wehr können sechs Feuerwehrmänner die Drohne im Einsatzfall bedienen. „Das könnte auch interessant sein, um Nachwuchs für die Feuerwehr zu bekommen“, sagt Wolf. Die Möglichkeit, mal mit einer professionellen Drohne zu fliegen, könnte reizvoll für junge Leute sein.

    Schon tüftelt er an Verbesserungen des aktuellen Modells. Bereits auf einem guten Weg ist eine zusätzliche Möglichkeit, die Drohen über GPS zu steuern. Der Feuerwehrmann muss dann auf dem Bildschirm nur noch Wegpunkte auf einer Karte markieren und die Drohen fliegt diesen Weg selbstständig ab. Zufrieden ist Wolf mit der Feuerwehrdrohen im Grunde nie, wie er sagt. „Auch wenn alles funktioniert, kann man immer noch mehr machen“, lacht der leidenschaftliche Tüftler.

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