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    Adelsberg

    MSP: Warum das Landratsamt einen eigenen Fledermaus-Experten hat

    Wer tagsüber eine Fledermaus entdeckt, sollte ihn rufen: Uwe Scheurich ist der Feldermaus-Experte für den Landkreis Main-Spessart. Seine Geschichten sind spektakulär.
    Großes Mausohr im Nistkasten
    Großes Mausohr im Nistkasten Foto: Uwe Scheurich

    Streng geschützt und nützlich sind sie, die kleinen Flugakrobaten. Bis zu 1000 Insekten frisst eine Fledermaus pro Nacht. Zur ihrer Beute gehören zum Beispiel Nachtfalter und Stechmücken. Ein guter Grund die fliegenden Säugetiere zu schützen und unterstützen.

    Jedes Jahr im April beziehen Fledermäuse ihre Sommerquartiere. Den Winter haben sie in Kellern oder Höhlen verbracht. Die Weibchen schließen sich nun zu so genannten Wochenstuben zusammen um ihre Jungen zu gebären und aufzuziehen. Was man bei Sanierungsmaßnahmen am Haus beachten sollte und sonst noch für die fliegenden Säugetiere tun kann erklärt ein Fledermausexperte.

    Uwe Scheurich aus Wertheim ist ehrenamtlich beim Landratsamt in Karlstadt angestellt. Warum ausgerechnet Fledermäuse? "Erst war es Zufall, dann Leidenschaft. Ich habe Blut geleckt", lacht er. Eine gängige Witzelei unter Fledermausfans. Der gelernte Kaufmann ließ sich 2012 zum geprüften Feldermausfachberater ausbilden. Seitdem ist er in Main-Spessart unterwegs, kümmert sich um aufgefundene Tiere, berät bei Bauvorhaben und dokumentiert Quartiere. Leider gäbe es noch zu viel Irrglaube über die ungefährlichen und nützlichen Flugkünstler.

    Was zu tun ist, wenn man eine Fledermau sieht

    "Das allerwichtigste", erklärt er, "wenn Sie tagsüber irgendwo eine Fledermaus sehen: Rufen Sie mich bitte an! Unbedingt!" Viele Menschen meinten immer noch, eine Fledermaus, die tagsüber irgendwo hänge, fliege nachts wieder weg. Die ruhe sich nur aus. Das stimme auf keinen Fall, so der Endfünfziger. "Eine Fledermaus, die sie tagsüber hängen sehen, hat immer ein Problem und braucht Hilfe". Entweder sei das Tier verletzt, zum Beispiel durch seinen größten Feind, die Hauskatze. Oder, wie zunehmend in den heißen, trockenen Sommern, dehydriert. Wenn das Tier von seinem Platz entfernt werden muss, solle man es mit Handschuhen vorsichtig abnehmen und in einen gut verschließbaren Karton mit etwas Wasser setzen. "Und dann rufen sie mich bitte an."

    Auch bei Baumaßnahmen komme es immer wieder vor, dass Tiere gestört oder verletzt werden.  Hier sei vor allem das Bewusstsein der Handwerker und Bauherren gefragt. Leider sei dies noch immer die Ausnahme.

    Uwe Scheurich, Fledermausfachberater in MSP.
    Uwe Scheurich, Fledermausfachberater in MSP. Foto: Jennifer Weidle

    Seltene Fledermaus wurde gerettet und in Hannover operiert

    Im Jahr 2017 gab es einen solchen Handwerker. Der Dachdecker hatte bei Arbeiten versehentlich den Flügel einer Breitflügelfledermaus zertrümmert – einer der seltensten Arten bei uns. Er reagierte richtig, kontaktierte Uwe Scheurich sofort. Das Tier konnte geborgen, in Hannover von einem Spezialisten operiert und gerettet werden.

    Ein großes, öffentliches Projekt ist die derzeit laufende Sanierung des Lohrer Schlosses. Hier logiert seit 30 Jahren jeden Sommer eine Kolonie des großen Mausohres. Die Beteiligten wie Bauherr, Architekt, Naturschutzbehörden, Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern arbeiten eng zusammen um die Tiere nicht zu stören.

    Wichtig sei, die Naturschutzbehörde möglichst frühzeitig vor einem Bauvorhaben zu kontaktieren, so Jürgen Schneemann von der Unteren Naturschutzbehörde in Karlstadt. Dann könne man gemeinsam die beste Lösung finden.

    "Wir können auch Fledermausbabies retten, aufziehen und auswildern. Wenn wir schnell zur Stelle sind", sagt Scheurich. In Wertheim und Umgebung kenne man ihn. Er bekäme auch schon mal eine Fledermaus von der Polizei im Streifenwagen gebracht. Die Tiere werden dann zu einem so genannten "Päppler" gebracht. Das sind Menschen, die sich im Tierschutz engagieren und einzelne Tiere betreuen und pflegen.

    Fledermäuse pflegen ist anstrengend

    Eine von ihnen ist Miriam Götz aus Altfeld. Die Friseurmeisterin hat eine Leidenschaft für die kleinen Flugsäuger entwickelt. Pflegt verletzte Tiere und päppelt Babies auf. Eine anstrengende Aufgabe. "Die brauchen alle halbe Stunde Milch mit der Pipette. 24 Stunden am Tag. Wenn sie mit dem letzten Baby fertig sind, kommt das erste wieder dran."

    Wichtig sei auch den Tieren geeignete Herbergen zu bieten. Es kann Jahre dauern, bis Fledermäuse ein Quartier annehmen, dann kommen sie jedoch immer wieder.

    Großes Mausohr im Winterschlaf
    Großes Mausohr im Winterschlaf Foto: Uwe Scheurich

    Nach ihrem Winterschlaf suchen sie warme Plätze an Dächern und Fassaden auf. Dabei sind sie nicht wählerisch. Hauptsache es ist ein schmaler, windgeschützter Hohlraum: unter Ziegeln, in zugänglichen Dachböden, hinter Holzfensterläden, in Rollladenkästen. Wer ein Quartier bauen will, kann einen Fledermauskasten selber bauen oder – noch besser - ein Spaltenquartier. Dies ist eine kostengünstige und einfache Bretterverkleidung des Giebels. Hinter den Brettern ist ein schmaler Spalt, den die Fledermäuse nutzen. Wichtig ist hierbei, dass keine Zugluft entsteht und das Holz unbehandelt ist.

    Auch naturnahe Gärten sind eine wichtige Unterstützung. Ein fledermausgerechter Garten beherbergt eine Vielfalt heimischer Pflanzen – vor allem Nachtblüher. Denn Pflanzen, die nachts ihre Blüten öffnen, ziehen Nachtfalter an. Auch Lichtverschmutzung stört die fragilen Tiere. Auf dauerhafte Beleuchtung, wie zum Beispiel durch Solarlampen, sollte man verzichten. Besser sind Lampen, die nach Bedarf angeschaltet werden, oder über einen Bewegungsmelder verfügen.

    Für Sanierungsmaßnahmen, die den Fledermäusen helfen, kann man eine Förderung beantragen und darf bei erfolgreichen Maßnahmen die Plakette "Fledermäuse willkommen" an sein Haus anbringen.

    Bei Fledermausnotfällen oder Beratungswünschen in Main-Spessart bitte wenden an: Uwe Scheurich unter der Tel: (0176) 47229388

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