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    KARLSTADT

    Macht die Vogelgrippe nur Pause?

    Vor einem Jahr war die Vogelgrippe ein heißes Thema. Im Landkreis Main-Spessart wurden mehr als drei Dutzend tote Tiere gefunden, ein Teil von ihnen untersucht. Bei drei Höckerschwänen, gefunden in der Nähe des Gemündener Stadtteils Schönau, war der Virentyp H5N8, der als hoch pathogen eingestuft wird, die Todesursache. Weitere infizierte Vögel waren in Sackenbach, Lohr und Karlburg gefunden worden.

    Die Folge: Hühner mussten im Stall bleiben; Vogelschauen, sogar die traditionelle Hühnerversteigerung im Gemündener Stadtteil Seifriedsburg, wurden abgesagt. Hie und da protestierten die Züchter gegen Stallpflicht und Ausstellungsverbot, im Landkreis Haßberge zog ein Verein gar vor Gericht – vergeblich. Erst im Mai wurde die Stallpflicht aufgehoben.

    In diesem Winter bislang keine Befunde im Landkreis

    Heuer indes scheint es ruhig, auffallend ruhig. „Gottseidank keine Befunde“ in diesem Winter, bestätigt Dr. Martin Korneli, Leiter des Staatlichen Veterinäramts am Landratsamt Main-Spessart, auf Anfrage der Redaktion. Das mag unter anderem daran liegen, dass der Januar heuer ganz und gar nicht winterlich kalt war, speziell die Wasservögel sich also nicht so stark auf nicht zugefrorene Flächen konzentrierten wie im Vorjahr. Möglicherweise haben auch Schutzmaßnahmen der Hühnerhalter und Vogelzüchter dazu beigetragen.

    Korneli weist darüber hinaus aber auch auf eine gewisse natürliche Entwicklung hin: „Das ist wie bei vielen solchen Erkrankungen so“, spricht er aus Erfahrung. Nachdem die Krankheit „zum Tragen gekommen“ sei, seien die überlebenden Tiere einige Jahre danach „relativ geschützt“. Was jedoch kein Grund zur Entwarnung ist. „Mit zeitlicher Verzögerung kommt dann wieder eine neue Welle.“

    Laut Homepage des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, meldete Bayern Anfang Januar 2018 einen Fall von HPAI H5N6 bei einem Wildvogel. „Dieser Fall ändert nichts an der Risikolage bezüglich der Geflügelpest“, warnt das Institut. In den vergangenen Wochen und Monaten sei durchaus das hoch krankheitserregende Vogelgrippevirus H5Nx bei Wildvögeln festgestellt worden – wenn auch nicht das derzeit in Südostasien auftretende H5N6-Virus, das zu Infektionen bei Menschen geführt hat.

    In nördlichen Bundesländern teilweise schon Stallpflicht

    Für den Landkreis Main-Spessart bestehe bei der derzeitigen Seuchenlage derzeit noch keine Stallpflicht für Geflügel, heißt es auf der Internetseite des Landkreises. Jedoch habe das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Eilverordnung erlassen für Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, wo die Krankheit in Hausgeflügelbeständen ausgebrochen sei.

    Auch wenn es in der Region derzeit recht ruhig ist: Andernorts grassiert der Virus – mit drastischen Folgen. Mitte Januar wurden in Japan 92 000 Hühner wegen eines Vogelgrippe-Ausbruchs getötet. Kurz danach schlossen dort mehrere Zoos ihre Vogelgehege. Betroffen ist auch eine Geflügelfarm in den Niederlanden, wo 36 000 Tier vorsorglich getötet wurden.

    Selbst vor königlichen Schwänen schreckt der Virus nicht zurück: Im Februar meldete die Nachrichtenagentur dpa, dass 40 der rund 200 Schwäne der britischen Königin Elisabeth II. infiziert, die Hälfte von diesen bereits gestorben sei.

    Wichtigste Maßnahmen: Dach über den Auslauf, Hasengitter an den Seiten

    Ein Auslauf mit einer Folie als Dach (damit Kot von überfliegenden Vögeln aufgefangen wird, ohne das Geflügel zu gefährden) und ein Hasengitter an den Seiten (damit nicht einmal ein Spatz mehr ins Gehege kommen und den Virus unter Umständen mitbringen kann) beschreibt Veterinär Korneli als wichtigste Maßnahmen. Die Entscheidung, wie lange im Falle der Fälle eine Stallpflicht für Geflügel im Landkreis aufrechterhalten wird, „liegt nicht in unserer Hand“, macht der Leiter des Veterinäramts deutlich. Die Risikobewertung nehme das Friedrich-Löffler-Institut vor, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

    „Wenn die positiven Fälle zurückgehen, werden die Maßnahmen gelockert oder gar aufgehoben.“ Doch derzeit sieht es keineswegs danach aus. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es schnell geht“, sagt Korneli. Der jüngste positive Befund ist gerade mal zwei Wochen alt. . .

    So schützen Hühnerhalter ihre Tiere

    Um ihre Tiere zu schützen, müssen Hühner-, Gänse- und Entenhalter keinen allzu großen Aufwand betrieben. Dr. Martin Korneli vom Veterinäramt empfiehlt einen Auslauf mit einer Folie als Dach, damit Kot von überfliegenden Vögeln aufgefangen wird, ohne das Geflügel zu gefährden. Als zweite wichtige Maßnahme rät er zu einem Hasengitter an den Seiten, damit nicht einmal mehr ein Spatz ins Gehege kommen und den Virus unter Umständen mitbringen kann. Wobei Experten festgestellt haben, dass die Vogelgrippe offenbar generell nicht auf Singvögel übergreift.

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