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    Lohr

    Marktplatz statt Wohnstube

    Ein Kran und Mitarbeiter des städtischen Bauhofs brachten den Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz in Position. Die Nordmanntanne ist gut 25 Jahre alt, rund zwölf Meter hoch und etwa eine Tonne schwer.  Foto: Johannes Ungemach

    Eigentlich war die Sache anders geplant. Als Ferdinand Schneider vor 25 Jahren oberhalb seines Wohnhauses am Hasslerberg in Ruppertshütten eine einzelne Nordmanntanne pflanzte, sollte die zu einem Christbaum für die Wohnstube heranwachsen. Doch dann wuchs der Baum den Schneiders im wahrsten Wortsinn über den Kopf.

    Am Montagmorgen nun rückte der städtische Bauhof mit schwerem Gerät an, um den mittlerweile rund zwölf Meter hohen, prächtig gewachsenen Baum abzuholen. Rund zwei Stunden später brachte der Kran die Nordmanntanne auf dem Lohrer Marktplatz in Position. Kaum stand die Tanne, erfreute sie schon den ersten Passanten: "Was für en schüene Weihnachtsbaam."

    Dass der Baum ausgesprochen schön ist, hatten auch die Schneiders früh erkannt: "Wir haben ihn immer weiter stehenlassen, weil er so schön gleichmäßig gewachsen ist. Und irgendwann war es dann zu spät", sagt Ferdinand Schneider. Wehmut kam bei ihm allerdings nicht auf, als am Montag die Motorsäge der Tanne zu Leibe rückte: "Schön, dass er so ein Ende findet", freute sich der 58-Jährige darüber, dass die Tanne aus seinem Garten Karriere als Lohrer Weihnachtsbaum macht.

    Nutzen für Stadt und Besitzer

    Seit vielen Jahren holt der Bauhof den Baum für den Marktplatz aus privaten Gärten. Bauhofleiter Peter Bechold spricht von einer Win-Win-Situation, also einem Gewinn für beide Seiten: "Wir haben einen Baum, und die Gartenbesitzer haben ihn los." Häufig sei es so wie bei den Schneiders: Die Nadelbäume wurden einst gepflanzt und sind heute zu groß.

    Der diesjährige Weihnachtsbaum auf dem Lohrer Marktplatz stammt aus Ruppertshütten. Am Montag "verpflanzten" Mitarbeiter des Bauhofs die rund zwölf Meter hohe, gut 25 Jahre alte und rund eine Tonne schwere Nordmanntanne mit schwerem Gerät aus einem Privatgarten in Ruppertshütten vor das Alte Rathaus.  Foto: Johannes Ungemach

    Die Größe war in diesem Jahr allerdings nicht das Problem. Mit rund zwölf Metern bewegte sich die Nordmanntanne im langjährigen Rahmen.

    Das Knifflige diesmal: Sie stand in Ruppertshütten unter einer Stromleitung. Der vom Bauhof eigens für diesen Zweck angemietet Kran nahm die Tanne daher zunächst an den Haken und legte ihn nach dem Absägen um. Danach wurde quasi umgegriffen, der Baum unter der Leitung hindurchbefördert und auf den in enger Gasse herbeirangierten Tieflader gelegt.

    Eine aufwendige Aktion, die für Bauhofmitarbeiter allerdings schon Routine ist. Vom Anspitzen noch im Stehen, damit der Baum auf dem Marktplatz ins 30 Zentimeter breite Loch passt, über das Hinaufklettern in den Giebel zum Befestigen des Kranhakens, bis zum Verzurren auf dem Tieflader – alles läuft ab wie am Schnürchen. Auf dem Marktplatz dauert das Aufstellen kaum eine Viertelstunde.

    Am Freitag wird angeschaltet

    Der Baum auf dem Marktplatz ist einer der letzten, den der Bauhof alljährlich aufstellt. Am Montagnachmittag verpflanzte er noch einen weiteren von Sendelbach nach Steinbach. Am Dienstag sollen noch die Lichterketten mit dem Hubsteiger drapiert und die acht kleineren Bäume in der Fußgängerzone aufgestellt werden, die alljährlich die Lohrer Kindergärten schmücken.

    Laut Bechold sind jedes Jahr drei bis vier der insgesamt 30 Mitarbeiter des Bauhofs eine Woche lang damit beschäftigt, die Weihnachtsbäume aufzustellen. Das Anbringen der gesamten Weihnachtsbeleuchtung dauere gar drei bis vier Wochen. An diesem Freitag nun, dem letzten vor dem ersten Advent, muss alles fertig sein. Dann wird angeschaltet und weihnachtlicher Lichterglanz erhellt die Stadt.

    Weihnachtliche Stimmung am Lohrer Marktplatz in den 1950er Jahren. Dort, wo heute die Sparkasse steht, stand damals noch das Gasthaus Schwarzer Adler.  Foto: Archiv Fam. Zeitz

    Für die Schneiders aus Ruppertshütten steht schon fest: Sie werden sich, so sagt Ferdinand Schneider, demnächst auf den Weg nach Lohr machen, ihrer Nordmanntanne auf dem Marktplatz einen Besuch abstatten "und dabei vielleicht einen Glühwein trinken".

    Angebot an Bäumen schwindet
    Seit rund 30 Jahren holt die Stadt einen Teil der alljährlich aufgestellten Weihnachtsbäume aus privaten Gärten. Meist handelt es sich um Exemplare, die den Besitzern zu groß geworden sind. Doch das Angebot schwindet.
    Als Grund nennt Bauhofleiter Peter Bechold, dass Nadelbäume in Gärten schon länger außer Mode gekommen sind, weswegen auch weniger Exemplare in die für die Stadt interessante Größe wachsen.
    In diesem Jahr seien nur vier Bäume gegen Abholung spendiert worden, so Bechold. Früher hingegen habe es zum Teil eine Warteliste gegeben. Den Baum für den Marktplatz habe man jedoch noch nie kaufen müssen.
    Insgesamt stellt die Stadt alljährlich elf größere Weihnachtsbäume im Stadtgebiet auf, in jedem Stadtteil und einen am Oberen Tor. Einen Teil der Bäume müsse man mangels ausreichendem Angebot aus Privatgärten mittlerweile zukaufen, so Bechold. Bäume aus dem Stadtwald seien keine Alternative. Diese seien eng beieinander aufgewachsen und daher vom Wuchs her nicht ausladend genug.
    Für das nächste Jahr habe man bislang noch keinen Baum, so Bechold. Gartenbesitzer, die ein Exemplar loswerden wollen, können sich beim Bauhof melden: Tel.: (09352) 848490. (joun)

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