• aktualisiert:

    Gemünden

    Michael Mittermeier auf der Gemündener Scherenburgbühne

    Das "Sprachrohr seiner Generation" fühlte sich wohl beim "härtesten Open Air in Deutschland". Die Sympathien des Publikums hatte er gleich. Aber kämpfen musste er auch.
    Michael Mittermeier glänzte als Comedian auf der Scherenburgbühne in Gemünden. Foto: Frank Zagel

    "Herzlich Willkommen beim härtesten Open Air in Deutschland", begrüßte Michael Mittermeier am Montagabend auf der Gemündener Scherenburg seine Besucher. "Scheiß auf den Künstler, wenn es regnet, Hauptsache Ihr seid überdacht", stellte der Münchner mit Blick über die auch nach oben offene Bühne und den geschützten Zuschauerbereich fest.

    Regen-Sorgen musste sich an diesem trockenen und kühlen Sommerabend der 53-Jährige aber nicht machen. Dafür kämpfte Mittermeier, dem es egal ist, ob er als Comedian oder Kabarettist durchgehe, solange seine Zuschauer lachen können, während seines über 90-minütigen Programms mit einer angriffslustigen Wespe. Besorgt und irriert zeigte er sich wegen einer scheinbar durch den Fels geführten U-Bahn, als das Geräusch eines vorbeifahrenden Zuges vom Tal herauf die Burg erreichte. Die Stimmung und Sympathien bei der mit 585 Besuchern ausverkauften Veranstaltung hatte Mittermeier jedenfalls von Beginn an auf seiner Seite.

    Mit Rosenblättern bestreute Schulwege

    Als das Sprachrohr seiner Generation arbeitete sich der Künstler an den Unterschieden seiner Kindheit zur heutigen Zeit ab, als er seinen damaligen drei Kilometer langen Schulweg mit der Reise des Schauspielers Di Caprio im Film "The Revenent" verglich. Heute dagegen würden die Schulkinder direkt in den Bus steigen und an der Schule angekommen von den in ihren Autos folgenden Eltern die letzten zehn Meter des Weges in die Schule mit Rosenblätter bestreut bekommen.

    Immer wieder spannte der Künstler auch den Bogen in die Gegenwart am Beispiel seiner elfjährigen Tochter, die immerhin wisse, dass der Vorname von Goethe nicht "Fuck Ju" sei. "Hier bin ich der Comedian, zu Hause ein Humoraussätziger", bemerkte er auf das gefühlte täglich 40-malige ironische "Ha,ha, wie witzig, Papa", seiner Tochter. Dadurch sei sein Selbstvertrauen mittlerweile vollkommen zerstört. Seine Halloween-Intoleranz erklärte Mittermeier damit, dass er seine Tochter bei der Klingeltour begleiten musste. Als sich dann das erste Mal die Tür öffnete, schallte es Vater und Tochter entgegen: "Guck mal, da ist einer als der Mittermeier verkleidet."

    Natürlich durfte auch das legendäre "Arschloch-Kind" nicht fehlen, das er im kleinen, dicken, unsympathischen und bockigen englischen Kind erkannte, das mit der Hand auf die glühende Herdplatte des Brexits fasste und erst nach einiger Zeit den Schmerz im Hirnzentrum wahrnimmt.

    Wie die Rienecker die Gemündener hereinlegten

    Gerade im Stand Up Comedy zeigte Mittermeier an diesem Abend sein Alleinstellungsmerkmal unter den Kabarettisten. Immer wieder ließ er sich vom vor Lachen schüttelnden Publikum zu Witzen mit Lokalkolorit inspirieren. Zur Scherenburg, der "1A- Burg Deutschlands", auf der nicht Gemündener, sondern Rienecker lebten, hatte der Komiker seine eigene Sichtweise: "Schlau in Zeiten des Krieges, da wurdet Ihr gestürmt und Rieneck war fein raus."

    Mittermeier streifte parodistisch auch ausgiebig durch die politische Landschaft, als er beispielsweise Trump im Vergleich mit sich als den besseren Komiker bezeichnete, dem es gelang, die UN- Vollversammlung zum Lachen zu bringen. Merkel sei für ihn dagegen die Siri Europas. Als künstliche Intelligenz, wie das Spracherkennungsprogramm, antworte sie stets: "Ich weiß das nicht." Weiter ging es mit Ursula von der Leyen, die aufgrund ihrer Erfahrungen vom Krieg in der Familie von der Familienministerin zur Verteidigungsministerin befördert wurde und im Vorfeld ein ganzes Bataillon aus ihrem Becken presste.

    Hubert Aiwanger: ein Kerl wie Käptn Iglo

    Der bayerische Minister Markus Söder bestehe zu 110 Prozent aus Hoden. "Der tritt nicht zurück, der schwillt ab." Respekt habe er aber vor Hubert Aiwanger, den er als eine Mischung aus Käptn Iglo und Fips Asmussen bezeichnete und bei dem sowieso niemand verstünde, was er eigentlich wolle. Außerdem sollte bei Wahlen, wie in der Serie "Bachelor", bei der 25 "Entertainment- Bitches" um die Gunst eines Junggesellen buhlen, Politiker aus dem Parlament hinaus und nicht hinein gewählt werden.

    Nach lange anhaltendem Applaus richtete der Comedian in der Zugabe zufrieden seinen Blick auf die Scherenburg: "Die letzte Bahn fährt gerade durch den Felsen, die Killerwespe ist verschwunden und wenn jetzt noch ein langer blonder Zopf von der Burgmauer fällt", so Mittermeier, "dann würde mich das an diesem wunderbaren Abend auch nicht mehr wundern."

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!