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    Gemünden

    Mit viel Alkohol im Gepäck und im Blut zum Entzug nach Lohr gefahren

    Aussage: Flasche Ouzo noch schnell vor Eintreffen der Polizei getrunken. Richterin lehnt in Gemünden Widerspruch gegen den Strafbefehl ab.
    Symbolbild Alkoholtest.
    Symbolbild Alkoholtest. Foto: Uli Deck

    Diese Hauptverhandlung hätte sich ein 59-Jähriger aus Oberfranken sparen können. Wegen einer Trunkenheitsfahrt war ihm ein Strafbefehl zugestellt worden, gegen den er Widerspruch eingelegt hatte. Das Gerichtsurteil - eine Geldstrafe von 1375 Euro - entspricht genau dem Strafbefehl. Hinzu kommen für ihn jetzt noch seine Anwalts- sowie die Gerichtskosten.

    „Auf meinen Rat hin wird der Angeklagte keine Angaben zur Sache machen“, erklärte der Verteidiger des 59-Jährigen gleich zu Beginn der Verhandlung vor dem Amtsgericht Gemünden. Kein kluger Ratschlag, wie sich im Laufe des Prozesses noch herausstellen sollte. So blieb Strafrichterin Katrin Heiduck eine umfangreiche Beweisaufnahme nicht erspart.

    Am 19. März 2019 war der Mann mit seinem Auto nach Lohr gefahren, um sich wegen seines Alkoholproblems im dortigen Bezirkskrankenhaus behandeln zu lassen. Als Reiseproviant hatte er ein paar Flaschen Bier, zwei Flaschen Kräuterlikör und eine Flasche Ouzo an Bord.

    Dubiose Verteidigungsstrategie von Expertin widerlegt

    Kurz nach 22 Uhr wurde der angehende BKH-Patient in Lohr von einem Zeugen gesehen, wie er in Schlangenlinien fuhr und versuchte, auf einen Parkplatz einzubiegen. Dies gelang nicht gleich, so dass er einen zweiten Versuch benötigte. Der 35-jährige Zeuge hielt an und verständigte telefonisch die Polizei. Die Streife traf etwa zehn Minuten später dort ein. In der Zwischenzeit war der Autofahrer mit Kopf und Händen am Lenkrad eingeschlafen.

    Von der Streifenbeamtin geweckt, unterzog sich der Mann einem freiwilligen Atemalkoholtest. Der Wert: 2,75 Promille. Zwei später im Krankenhaus genommene Blutproben ergaben Werte von 2,75 und 2,71 Promille. Diese Werte zweifelte der Verteidiger des Angeklagten an. Er bemängelte, dass diese innerhalb von 16 bis 17 Minuten genommen wurden. Korrekt hätte aber ein Zeitraum von 30 Minuten abgewartet werden müssen, um die Wirkung eines „Nachtrunkes“ feststellen zu können. Denn das war die Behauptung des Angeklagten. Er will in den zehn Minuten bis zum Eintreffen der Polizei die Flasche Ouzo getrunken haben, gefahren sei er vorher ohne Alkoholeinfluss.

    Eine Ärztin sagte als Gutachterin des Rechtsmedizinischen Instituts aus. Sie erklärte, dass der Mann, wenn er „so schnell so viel getrunken hätte“ (Sturztrunk), zum Zeitpunkt der Blutentnahme einen Blutalkoholwert von etwa 4,2 Promille gehabt haben müsste. Ihren Berechnungen legte sie Körpergröße, Körpergewicht und die körperliche Verfassung des hageren Mannes zugrunde. Zum Einwand des Verteidigers erklärte sie, dass eine Zeit von 30 Minuten zwischen zwei Blutentnahmen ideal sei, etwa 20 Minuten aber der Regelfall wären.

    Richterin glaubt dem Angeklagten nicht

    Dennoch hielt der Anwalt die Berechnungen für falsch und forderte einen Freispruch für seinen Mandanten während die Staatsanwältin eine Geldstrafe von 1750 Euro (70 Tagessätze zu 25 Euro) beantragte. Mit ihrem noch nicht rechtskräftigen Urteil folgte Richterin Heiduck dem Strafbefehl. Sie war überzeugt davon, dass „der Nachtrunk nicht wie geschildert stattgefunden hat“.

    Neben den 1375 Euro (55 Tagessätze zu 25 Euro) muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen. Erst nach Ablauf von weiteren drei Monaten darf die Behörde ihm eine neue Fahrerlaubnis ausstellen.

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    Bearbeitet von Herbert Hausmann

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