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    Aschaffenburg

    Mord an Christiane: Wie ein ungewolltes Alibi den Verdächtigen entlastete

    Mühsame Zeugenbefragungen am Landgericht Aschaffenburg im Prozess um den Mord an der 15-jährigen Christiane im Jahr 1979. Jetzt sagten die damaligen Ermittler aus.
    Viele Zeugen erinnern sich nach 40 Jahren kaum noch, was nach dem Mord an Christiane J. in Aschaffenburg in den Akten notiert wurde. Ein fehlerhafter Vermerk hatte die Ermittler von ihrer ersten Spur weggeführt.
    Viele Zeugen erinnern sich nach 40 Jahren kaum noch, was nach dem Mord an Christiane J. in Aschaffenburg in den Akten notiert wurde. Ein fehlerhafter Vermerk hatte die Ermittler von ihrer ersten Spur weggeführt. Foto: David Inderlied, dpa

    Am achten Prozesstag vor dem Landgericht Aschaffenburg kamen die Polizeibeamten von damals zu Wort. Am 18. Dezember 1979 war die 15-jährige Christiane auf dem Heimweg von einem Stenokurs im Schlosspark in Aschaffenburg ermordet worden. 40 Jahre später steht ein damals 17-jähriger Nachbarjunge wegen Mordverdachts vor Gericht.

    An ihre Zeugenaussage aus dem Jahr 1979 konnten sich mehrere Zeugen in dem nichtöffentlichen Prozess nur sehr vage erinnern. Zweifel hinterließen zwei Aktenvermerke eines Polizisten zu dem Fall. Aufgrund der Notizen waren drei Wochen nach dem Mord die Ermittlungen gegen den heutigen Angeklagten beendet worden, der bis dahin als Hauptverdächtiger gegolten hatte. Die Ermittler wandten sich anderen Verdächtigen zu.

    Polizist im Zeugenstand: "Unabsichtlich Alibi gegeben"

    "Ich habe ihm unabsichtlich ein Alibi gegeben", so der Polizist nun im Zeugenstand. Erst vor zwei Jahren, als die Kripo den Fall erneut anging und ihn kontaktierte, sei ihm dieser Fehler bewusst geworden. Laut Justizsprecher Ingo Krist, der aus den nichtöffentlichen Sitzungen berichtet, nahm das Gericht den Aktenvermerk von 11. Januar 1980 unter die Lupe: Eine Zivilstreife sei in die Ohmbachsgasse beordert worden, wo in einer Bar eine Scheibe eingeschlagen worden war. Dort sei der Angeklagte zwei mal zur Tatzeit gesehen worden.

    Auf Nachfrage gab der Polizist jetzt zu: Es sei nicht üblich, dass erst drei Wochen später ein solcher Einsatzvermerk gemacht werde. Es sei aber wohl so gewesen, dass ein Beamter der Mordkommission darum gebeten hatte, diesen Vermerk zu erstellen. Ob die Grundlage dafür seine Notizen waren, daran konnte sich der Zeuge nach 40 Jahren nicht mehr erinnern. Er habe damals nicht gewusst, dass der Nachbarsjunge damals als Hauptverdächtiger galt.

    Auch sein damaliger Zivilstreifen-Kollege hatte laut Gerichtssprecher weder an die Aktenvermerke, noch an den Vorfall in der Ohmbachsgasse Erinnerungen. Ein dritter pensionierter Polizeibeamter konnte ebenfalls keine Angaben mehr dazu machen, welche Hinweise er im Rahmen der Ermittlungen damals abgearbeitet habe.

    Warum wurde das Biss-Gutachten nicht erstellt?

    Der Beamte, der 1979 die Ermittlungen federführend betrieben hatte, konnte sich nur noch vage erinnern. Das Gericht hielt ihm vor, der 17-jährige Hauptverdächtige habe damals sein Einverständnis zum Einholen seiner zahnärztlichen Unterlagen erteilt. 40 Jahre später fand es der damalige Ermittler laut Gerichtssprecher Krist selbst "erstaunlich", dass daraufhin kein Gebiss-Gutachten gemacht wurde. 

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