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    Karlstadt

    Mülldeponie noch einmal für rund 50 Jahre erweitern?

    Die Mülldeponie in Karlstadt in einer Luftaufnahme aus dem Jahr 2011. Foto: Adolf Spreng/Film-Photo-Ton-Museumsverein

    In knapp vier Jahren muss die Kreismülldeponie in Karlstadt nach der derzeitigen Beschlusslage des Kreistages schließen. Dann wird der letzte derzeitig Bauabschnitt aufgefüllt sein. Im Umweltausschuss des Kreistages hieß es nun, mit einer Erweiterung könnte zusätzliches Volumen für rund 50 Jahre geschaffen werden, was rund zehn Millionen Euro kosten würde. Ob das in Angriff genommen wird, dürfte neben der noch der immer unveröffentlichten Deponiebedarfsprognose von der Haltung der Stadt Karlstadt abhängen.

    Die Details zur Kreismülldeponie erklärte den Kreisräten Martin Oppmann. Der 38-jährige Angestellte trat im Landratsamt die Nachfolge von Otto Brätz als Leiter der Abfallwirtschaft an. Er beendete vor fünf Jahren eine Fernbeziehung und zog mit Frau und Kindern nach Karlstadt. Im Landratsamt war er seit 2014 für den Bereich Immissionsschutz tätig.

    Nur noch Platz für 7700 Kubikmeter

    Für die Zeit nach 2022 sollte auf der Deponie eine Müllumladestation gebaut werden, doch das Projekt ist derzeit gestoppt. Konkret sind auf der Kreismülldeponie aktuell noch 7700 Kubikmeter Restvolumen vorhanden. Bei einer Oberfläche von rund 16 000 Quadratmetern entspricht das einer Müllschicht von nur 48 Zentimetern. Damit die Deponie überhaupt noch bis 2022 genutzt werden kann, werden ab dem Jahresende nur noch Schüttgüter kleinerer Fraktionen angenommen.

    Insbesondere wird es einen Aufnahmestopp für großvolumige Abfälle wie künstliche Mineralfasern und Asbestabfälle geben. Für dieses wird der Kreis Verträge mit anderen Mülldeponien, zum Beispiel der Landkreise Bad Kissingen und Miltenberg schließen. Die großen Fraktionen müssten dann von den Abfallerzeugern selbst angeliefert werden. Das ist zum Beispiel auch zwischen den Landkreisen Kitzingen und Schweinfurt für dessen Deponie Rothmühle so geregelt.

    "Davon hatten wir uns mehr erwartet", bemerkte Landrat Thomas Schiebel zu einem Gespräch an der Regierung von Unterfranken zur Kreismülldeponie vor rund einem Monat. Es habe keine näheren Aussagen zur immer noch unveröffentlichten Deponiebedarfsprognose gegeben. Allerdings sei ein bayernweiter Bedarf an weiteren Deponievolumen absehbar, was auch bei den Bayerischen Abfall- und Deponietagen im März in Augsburg vorab angekündigt worden sei. Für Unterfranken würden von der Prognose Aussagen zur Deponie des Landkreises Bad Kissingen in Wirmsthal erwartet, die noch über ausreichende Kapazitäten verfüge.

    Ausbau frühestens in zwei Jahren möglich

    In welche Richtung die Kreismülldeponie in Karlstadt erweitert werden könnte, blieb im Umweltausschuss offen. Sicher ist dass es frühestens in zwei Jahren mit dem Bau losgehen könnte, so lange dauert ein (einfaches) Plangenehmigungsverfahren. Sollte ein Planfeststellungsverfahren nötig sein, müsste mit einem Zeitraum von fünf Jahren gerechnet werden.

    In der Diskussion wurde schnell deutlich, dass alle Fraktionen eine Erweiterung der Kreismülldeponie bevorzugen. Das Thema sei ein kommunalpolitisches Schwergewicht, fand Walter Höfling (CSU). Doch müsse mit der Stadt Karlstadt geredet werden. Dazu bemerkte Landrat Thomas Schiebel, er habe natürlich schon mit Karlstadts Bürgermeister Paul Kruck darüber gesprochen,  aber noch nicht offiziell mit der Stadt.

    "Grundsätzlich sollten wir selbst für Entsorgungssicherheit sorgen", stelle Bärbel Imhof (Grüne) fest. Sie sehe keine Alternative anders zurecht zu kommen. Und zehn Millionen Euro seien auf 50 Jahre gerechnet eine überschaubare Summe.

    Kreisräte wollen sich beim Müll nicht abhängig machen

    "Unsere Fraktion sieht absoluten Handlungsbedarf" sagte Werner Herrbach (Freie Wähler), Er fragte, ob der Kreis bei einer Erweiterung Müll von außen "aufoktroyiert" bekommen könnte. Dazu sagte der Landrat, grundsätzlich hätte der Kreis die Hand auf der Deponie. Bei einem Müllnotstand (etwa wenn andere Deponien voll sind) bliebe der Regierung von Unterfranken aber kaum etwas anderes übrig um die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrecht zu erhalten. Da würde es aber um eine begrenzte Zeit oder eine Zwischenlagerung der Abfälle gehen.

    "Wir machen uns lieber nicht abhängig von anderen, wie sollten versuchen auf dem schnellsten Weg zu einem Ergebnis für den Landkreis zu kommen", fand Ruth Steger (SPD).

    Letztlich wurde der Beschlussvorschlag, die Verwaltung solle Verhandlungen mit den Betreibern anderer unterfränkischer Deponien aufnehmen um den Aspekt erweitert, die Rahmenbedingungen für eine Erweiterung der Kreismülldeponie sowie die Haltung der Stadt Karlstadt dazu abzuklären. Das wurde einstimmig beschlossen.

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