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    ARNSTEIN

    Musikalische Facetten der Diven

    Einfühlsam mit großer gesanglicher Wandlungsfähigkeit stellte die Sopranistin Anja Gutgesell Lieder von Barbra Streisand, Edith Piaf und Marlene Dietricht in der Alten Synagoge von Arnstein vor. Foto: Günter Roth

    Ein wirklich außerordentliches Konzert erlebten rund 80 Gäste in der voll besetzten „Alten Synagoge“ von Arnstein mit der großartigen Sopranistin Anja Gutgesell und dem Pianisten Klaus Felder mit ihrem Programm „Streisand - Dietrich - Piaf“.

    Es war natürlich die herausragende Stimme von Gutgesell, mit der sie die drei so unterschiedlichen großen Sängerinnen des 20. Jahrhunderts gesanglich feierte, die sie exzellent interpretierte, aber nie imitierte, sondern denen sie vielmehr immer ihre eigene Seele mitgab.

    Diese eigene, stets spürbare Anteilnahme und die persönliche Ausstrahlung der Sängerin war es, die das gewagte Unternehmen erfolgreich werden ließ, den diffizilen Bogen zu spannen zwischen den drei Diven Edith Piaf, Marlene Dietrich und Barbra Streisand. Der hautnahe Kontakt zum Publikum war nicht nur aufgrund der räumlichen Beschränktheit in der Alten Synagoge allgegenwärtig. Gutgesell ließ ihre drei Sängerinnen in den zahlreichen Facetten ihrer meist sehr bewegten Biografien und den besonderen Hits lebendig werden. Dabei zeigte sie ihre eigene brillante stimmliche und darstellerische Wandlungsfähigkeit.

    Da war das überschäumende Temperament bei Marlene Dietrichs Gassenhauer vom „Leierkastenmann“, hinreißend pfiffig und kess mit „Berliner Schnauze vorgetragen“ und natürlich der „Feschen Lola“ im Kontrast zur verruchten männermordenden Marlene, die genau weiß: „Männer umschwirren mich wie Motten das Licht“. Und dann war noch die ganz andere Seite der Dietrich mit ihren nachdenklich, kritischen Liedern „Lili Marleen“, die wunderschöne Hommage an die Heimatstadt „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ oder die emotionale Schattenseite des Lebens als Star: „Heimweh nach dem Traurigsein“

    Die gleiche Vielseitigkeit stellte Anja Gutgesell auch bei der französischen Ikone Edith Piaf vor. Ein eigenwilliges, provozierendes „Padam Padam“, das zarte verliebte „La vie en rose“ und das verzweifelte gesungene Vermächtnis „Non, je ne regrette rien“. Von Barbra Streisand, der dritten im Bunde, die als einzige noch am Leben ist bleibt wohl ganz besonders das einfühlsam und voll wunderschöner Poesie interpretierte „Papa can you hear me“ aus dem Film „Yentl“ in Erinnerung.

    Durch die charmant vorgetragenen Anekdoten und Hintergrundinformationen ließ Gutgesell ihre Zuhörer „hinter die Kulissen“ und in die Seelen ihrer Protagonistinnen blicken. Perfekt begleitet wurde die Sängerin am E-Piano von Klaus Felder.

    Ein prächtiger Liederabend, der den melancholischen Lebensrückblick von Edith Piaf „Echtes Glück muss man mit Tränen bezahlen“ zumindest deutlich relativierte.

    Das Konzert wurde vom Förderkreis „Alte Synagoge Arnstein“ organisiert.

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