• aktualisiert:

    Gemünden / Karlstadt

    Muss ins Gefängnis: Rebellischer Angeklagter schimpfte über das Urteil

    Der Angeklagte muss für acht Wochen ins Gefängnis, entschied die Richterin am Amtsgericht Gemünden. Foto: liveostockimages

    "Egal was man bei Ihnen macht, es wird nie dazu führen, dass Sie sich in Zukunft straffrei verhalten." Deutliche Worte hatte Strafrichterin Kristina Heiduck für den 65-jährigen Angeklagten aus dem Raum Karlstadt. Der gelernte Maler und Verputzer stand wegen Beleidigung, Bedrohung und versuchter Nötigung vor dem Amtsgericht Gemünden, wo er zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt wurde.

    Ziemlich "rebellisch" gab sich der Angeklagte gleich zu Beginn seiner Verhandlung. "Ist der von der Presse? Dann muss der raus", forderte er die Verhandlung ohne die Anwesenheit von Pressevertretern. Auf die Frage der Richterin, ob es sich zu den Tatvorwürfen äußern wird, meinte er zunächst: "Ich sag nix". Erst als ihn sein Verteidiger daran erinnerte, was im Vorfeld abgesprochen war, meinte er: "Ich gebe zu, dass es so war und es tut mir leid". Weiter verwies er darauf, dass er herzkrank sei und auch schon in der Psychiatrie zur Behandlung war. "Ich hab mich um 150 Grad gedreht", ließ er das Gericht wissen. Zu verdanken habe er das seiner neuen Lebensgefährtin, die er demnächst heiraten will.

    Insgesamt fünf Mal hatte der Angeklagte in den Jahren 2017 und 2018 seine 60-jährige Halbschwester sowie seine Mutter am Telefon beleidigt und bedroht. Beide wären sie Huren und Schlampen. Er werde sich ein Messer besorgen, sie abstechen und auch in die Fresse hauen. Schläge drohte er, ebenfalls über das Telefon, einem Beamten der Polizeiinspektion Karlstadt an, wenn er ihn noch einmal belästigen würde.

    Schwierige Kindheit

    "Es war eh und je ein schwieriges Verhältnis", schilderte die beleidigte und bedrohte Halbschwester des Mannes die Familienverhältnisse schon von frühester Kindheit an. "Das geht schon ein ganzes Leben lang so." Harmonisch sei das familiäre Zusammenleben nie gewesen. Als Grund dafür nannte der Angeklagte die gemeinsame Mutter. Ihre Kinder sollen nach seinen Angaben von verschiedenen Männern stammen. Richtig ausgeartet ist das Verhältnis der beiden Halbgeschwister jedoch dann ab 2017. Die Anrufe des Mannes hat seine Schwester nicht persönlich entgegengenommen, sondern auf ihrem Anrufbeantworter gespeichert. Die Daten hat sie dann der Polizei zur Auswertung übergeben. Richterin Heiduck ließ die Aufzeichnungen im Rahmen der Beweisaufnahme abspielen.

    "Es war einfach widerlich, was er gesagt hat", kommentierte die Halbschwester die Anrufe. Sie hatte durch die Drohungen nicht nur um sich sondern auch um ihre Familie Angst. Deshalb war schon einmal von ihr beim Amtsgericht Gemünden ein Beschluss nach dem Gewaltschutzgesetz beantragt worden.

    "Mehrmals in der Woche", berichtete ein Polizeibeamter, erscheint der Angeklagte auf der Dienststelle und "macht Mitteilungen". Unter Alkoholeinfluss wird er dann auch mal "aufbrausend". "Eine niedrige Intelligenz" und "psychiatrische Störungen" bescheinigte die psychiatrische Gutachterin dem Angeklagten. Bedingt durch langjährigen Alkoholkonsum, der bei ihm zu einer Persönlichkeitsveränderung geführt hat.

    Viele Einträge im Bundeszentralregister

    Für die Gerichte war der Angeklagte kein Unbekannter. Acht Einträge weist das Bundeszentralregister für ihn aus. Neben Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Nötigung und Sachbeschädigung hatte er auch schon einmal eine Bombendrohung gegen das Landratsamt geäußert.

    So kannte der Staatsanwalt auch kein Pardon und beantragte eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung. Der Verteidiger hielt das "für maßlos übertrieben". Die Taten seien "krankheitsbedingt und vom Angeklagten nicht steuerbar" begangen worden. Er legte sich nicht auf ein Strafmaß fest, hielt eine Bewährungsstrafe für vollkommen ausreichend.

    Mit den verhängten acht Monaten Freiheitsstrafe sei sie noch am "unteren Rand des vorgesehenen Strafmaßes" geblieben, so Richterin Heiduck.  Dabei habe sie eine verminderte Schuldfähigkeit bereits berücksichtigt. Für den Angeklagten war das dennoch zu viel. Während der Urteilsverkündung schlug er auf den Tisch und verließ schimpfend den Gerichtssaal. Seine Lebensgefährtin brachte ihn wieder zurück in den Saal. Die Verteidigung kündigte Berufung gegen das Urteil an.

    Bearbeitet von Herbert Hausmann

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!