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    Marktheidenfeld

    Nach Thomas Cook-Pleite in MSP: Paar verlor Flitterwochen

    Der Konkurs von Thomas Cook hat vielen Menschen die Reise vermiest, auch die Flitterwochen eines Paares aus Main-Spessart (Symbolfoto). Foto: dpa

    Die Ausmaße der Pleite von Thomas Cook kann man sich schwer vorstellen. Deshalb zieht Andreas Johansen gerne einen Vergleich. Johansen ist Vertriebsbezirksleiter des Reisebüros Panter Derpart in Lohr, Gemünden und Marktheidenfeld. Er sagt: "In der Tourismusbranche ist Thomas Cook mit das größte Unternehmen. Das ist so, wie wenn VW in der Autoindustrie wegfällt." Der Unterschied ist nur: Geht VW pleite, bleibt den Kunden immerhin das Auto. Mehrere Geschichten aus dem Landkreis zeigen: Bei Reisen ist das etwas ganz anderes. 

    Drei Geschichten verdeutlichen die Misere nach dem Konkurs

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    Im gesamten Landkreis gibt es kein reines Thomas Cook-Reisebüro. Trotzdem waren viele Landkreis-Einwohner vom Konkurs betroffen. Einer von Andreas Johansens Kunden bei Derpart sollte zum Beispiel in der Türkei das Hotel nochmal zahlen. "Wir haben geraten, das nicht zu tun und sich zur Not mit der Polizei und der Deutschen Botschaft in Verbindung zu setzen." Letztendlich habe sich das Problem geklärt und Johansens Kunden mussten doch nicht mehr zahlen.

    Nicht so glimpflich ging der Bankrott von Thomas Cook für ein Pärchen aus, das vergangene Woche in das TUI Reisecenter von Ralf Heller in Marktheidenfeld kam. Die beiden hatten ihre Hochzeitsreise woanders über Thomas Cook gebucht. Tausende Euro waren in der Schwebe, beide seien verständlicherweise aufgelöst gewesen, sagt Heller. "Ich habe den beiden leider nur bei einer neuen Reise helfen können."

    Andreas Johansen vom Reisebüro Derpart Panter hat alles versucht, damit die Urlaube seiner Kunden doch noch erfolgreich werden. Foto: Frank Zagel

    Wer nicht über ein Reisebüro gebucht hat, hatte es da schwieriger. Das zeigt die Geschichte von fünf Fußballbegeisterten, die unsere Redaktion erreicht hat. Sie hatten über "Thomas Cook Sports" das Hotel und fünf Karten für das Champions League-Spiel des FC Liverpool gegen KRC Genk Ende Oktober gebucht. Die Reise nach Liverpool hätte diverse Extras beinhaltet: VIP-Plätze, Essen, Getränke und sogar ein Meet and Greet mit einer Liverpool-Legende.

    Noch immer hängt ihre Reise in der Schwebe. Nach der Konkursmeldung sei es schwer gewesen, herauszufinden, wie es weitergeht. Erst über Anrufe bei den Hotels hätten Sie herausgefunden, dass ihre Zimmer storniert wurden. Ob sie wenigstens die Karten für das Spiel bekommen, wird der FC Liverpool noch entscheiden. Sie hoffen es sehr. Das Geld für die Hotels haben sie über Mastercard zumindest schon zurückgefordert. Dann müssten sie nur noch ein Hotel buchen. 

    Wie gingen Reisebüros mit der Thomas Cook-Pleite um?

    Diese drei Geschichten sind jedoch bei weitem nicht die einzigen aus dem Landkreis. Derpart-Vertriebsbezirkleiter Andreas Johansen erzählt, dass zahlreiche seiner Kunden von der Thomas Cook-Pleite betroffen gewesen. "Einige Urlauber standen vergangenen Montagmorgen am Flughafen und konnten dann nicht abreisen." Man sei den Betroffenen zur Seite gestanden, wo es ging. Die ersten Tage war die Situation unklar und man musste von Fall zu Fall sehen. Schon Mitte vergangener Woche sei jedoch soweit alles geregelt gewesen.

    Auch deshalb sei niemand, der in den Reisebüros von Derpart gebucht habe, im Ausland gestrandet, sagt Johansen. Eine andere Sache ist, dass es noch immer ungewiss ist, ob Kunden ihr Geld wieder sehen. Viele hätten schon bezahlt. Obwohl manche sich das Geld noch über die Bank zurückholen konnten, ging das bei anderen nicht. Sie müssen nun darauf hoffen, über die Versicherung ihr Geld zurückzubekommen.

    Das Logo des britischen Reisekonzerns Thomas Cook vor der Zentrale des deutschen Ablegers. Foto: Silas Stein

    Thomas Cook-Versicherer macht wenig Hoffnung auf komplette Rückerstattung

    Eine Pressemitteilung des Versicherers "Zurich Deutschland" verbreitet hingegen wenig Hoffnung. Die Versicherung hatte die Reisen mit der deutschen Thomas Cook bis zu 110 Millionen Euro versichert. "Sie können davon ausgehen, dass dies bei weitem nicht reicht", sagte Zurich-Sprecher Bernd Engelien am Dienstag. Andreas Johansen sagt dazu: "Die Pleite wird uns noch weiter beschäftigen."

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    TUI Reisecenter im Landkreis profitieren von Thomas Cook

    Vom Thomas Cook-Konkurs profitieren zwangsläufig die TUI Reisecenter im Landkreis. "Thomas Cook war mit TUI der größte Reiseveranstalter. TUI ist jetzt allein", sagt Ralf Heller. Zum einen sei der Strom von Problemen an ihnen vorbeigegangen. Zum anderen nehme man jetzt die ganzen Gestrandeten auf. "Bei denen versuchen wir natürlich, den Urlaub noch zu ermöglichen", sagt Heller. Ähnliches berichtet das TUI Reisecenter in Karlstadt, wo lediglich vier Buchungen betroffen seien. 

    Über einen vermeintlichen Vorteil kann sich Ralf Heller jedoch nicht freuen. Er denkt dabei an die Urlauber, die viel Geld verlieren werden und auch an die ganzen Kollegen, die jetzt keinen Job mehr haben. "Deshalb sage ich ungern, dass das gut für uns ist, weil die ganzen guten Kollegen einfach nichts dafür konnten."

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