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    PARTENSTEIN / GEMÜNDEN

    Nach Wodkaklau ausgerastet

    Der Sachverhalt ist schnell erzählt: Im Oktober vergangenen Jahres hat ein heute 39-jähriger Alkoholkranker, der in Partenstein in Therapie war, morgens im Tegut eine Flasche Wodka gestohlen und knapp drei Stunden später stark betrunken einen älteren Herrn am Bahnhof ohne Grund als „deutsches Schwein“ und „Arschloch“ beschimpft, geschlagen und angespuckt. Der Angeklagte konnte sich zwar an nichts erinnern, aber bis auf die Frage, warum ein Deutscher einen anderen als „deutsches Schwein“ beschimpft, war bei der Gerichtsverhandlung am Donnerstag in Gemünden zum Tathergang eigentlich alles klar.

    Doch so einfach ist es nicht. Weil der Geschädigte nicht kommen konnte, der junge Staatsanwalt aber von ihm unbedingt hören will, ob die Faustschläge gegen Brust und Oberarm wehtaten, muss der Angeklagte ein zweites Mal von zwei Polizisten aus seiner neuen Therapieeinrichtung in Münnerstadt vorgeführt werden. Der Fall muss dann komplett neu aufgerollt werden, obwohl der Verteidiger seinem kranken Mandanten, der deutlich unter dem Einfluss von Psychopharmaka stand, die Prozedur nicht noch einmal zumuten wollte.

    Der 39-Jährige sprach stark verwaschen und hastig. Irgendwann erklärter er Richterin Ilka Matthes, dass die Medikamente daran schuld seien. Sieben Jahre lang habe er als Obdachloser gelebt, berichtete er, habe zeitweise vier, fünf Flaschen Wodka am Tag sowie Bier getrunken. Dann kam er zum Entzug nach Partenstein.

    Im verlesenen Bericht seines jetzigen Betreuers hieß es, dass der 39-Jährige früher oft ins Bezirkskrankenhaus Lohr eingewiesen wurde und sich gleich nach der Entlassung wieder betrunken habe. In der Therapieeinrichtung in Münnerstadt sei er nur einmal verschwunden und habe Alkohol getrunken.

    Die Frage stand im Raum, ob der Angeklagte überhaupt schuldfähig war. Der Verteidiger sagte: „Er ist geschlossen untergebracht und ist auf einem guten Weg.“ Er plädierte, wenn, dann auf eine Freiheitsstrafe auf Bewährung, weil er in Münnerstadt gut aufgehoben sei.

    Nun war das Problem, dass der geschädigte ältere Mann wegen eines Auslandsaufenthalts nicht zur Verhandlung kommen konnte, in seiner Vernehmung bei der Polizei aber nichts von Schmerzen gesagt hatte. Die Richterin hätte das Verfahren einfach eingestellt. Aber der junge Staatsanwalt möchte den Geschädigten unbedingt noch fragen, ob er Schmerzen und welchen Eindruck er von dem Angeklagten hatte.

    Der neue Verhandlungstermin steht allerdings bislang noch nicht fest.

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