• aktualisiert:

    Gemünden

    Nebeneinkünfte geheim gehalten: Lohrer wegen Betrugs verurteilt

    Zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe, zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt, wurde ein 64-Jähriger wegen Betrugs verurteilt. An den Tierschutzverein muss er 500 Euro zahlen.

    Wegen Betrugs in zwei Fällen in Tateinheit mit einem Betrugsversuch und einer falschen eidesstattlichen Versicherung wurde ein 64-jähriger Lohrer am Mittwoch am Amtsgericht Gemünden zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt wurde. Zudem muss er 500 Euro an den Tierschutzverein Main-Spessart zahlen und eine Schuldnerberatung aufsuchen. Da alle Beteiligten auf weitere Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

    In der gut dreistündigen Verhandlung, in der insgesamt sechs Zeugen gehört wurden, ging es um mehrere Sachverhalte. So hatte der Angeklagte im Namen der Firma Dexcar im März 2017 in einem hiesigen Anzeigenblatt Inserate geschaltet, in denen er Autofahren zum Nulltarif versprach.

    Nach einem Treffen mit dem Angeklagten überwies eine Frau aus Karlstadt 547 Euro an Dexcar, wofür sie nach einer längeren Wartezeit für zwei Jahre einen neuen Opel Adam zur Verfügung gestellt bekommen sollte. Steuer und Versicherung übernehme Dexcar, hieß es und Tankgutscheine bekomme sie obendrein.

    Zugesagte Fahrzeuge nicht ausgeliefert

    Weil der Opel nicht kam, erstattete sie im vergangenen Jahr  Anzeige. Ähnlich erging es einem Frammersbacher, der für sich und weitere Familienmitglieder gleich drei Verträge für zusammen 3627 Euro abschloss.

    Gegen Dexcar ermittelt mittlerweile die Staatsanwaltschaft Bochum. Der Vorwurf: Das Unternehmen, das auf seiner Homepage Essen als Firmensitz angibt, soll mit einem illegalen Schneeballsystem Zehntausende Menschen in mehreren europäischen Ländern betrogen haben.

    Der Angeklagte hingegen ging nicht davon aus, dass Dexcar mit betrügerischen Mitteln arbeitet und er habe seine Vertragspartner auch darauf hingewiesen, dass eine längere Zeit bis zur Auslieferung der Autos vergehen könne. Er selbst habe zwei Jahre lang einen Opel Adam von Dexcar gefahren, sagte er, wobei er dafür 139 Euro pro Monat bezahlt habe. Pro Vertrag, den er mit Kunden abgeschlossen habe, habe er rund 50 Euro bekommen.

    Auch Angeklagter hatte der Firma vertraut

    Immerhin vermuteten auch die in der Verhandlung als Zeugen anwesenden Vertragspartner des Angeklagten, dass dieser daran geglaubt habe, dass die Autos tatsächlich ausgeliefert würden, was vom Gericht zu seinen Gunsten ausgelegt wurde.

    Vor diesem Hintergrund sprach Strafrichterin Katrin Heiduck den Angeklagten in Sachen Autovermittlung frei. Anders sah es hingegen bei den weiteren Anklagepunkten aus. So hatte der Angeklagte, der zur damaligen Zeit Arbeitslosengeld II bezog, weder seine Nebeneinnahmen bei Dexcar noch jene aus einer geringfügigen Beschäftigung in einem Seniorendomizil angegeben, was er schließlich auch einräumte. Den Schaden, der dem Job-Center entstanden sei, habe er bereits vollständig ausgeglichen, versicherte er.

    Gedächtnisverlust aufgrund von Medikamenteneinnahme?

    Dass er gegenüber einer Gerichtsvollzieherin, bei der er eine Vermögensauskunft abgeben sollte, seine sämtlichen Konten verschwiegen hat, begründete er wenig glaubhaft mit Gedächtnisverlust aufgrund krankheitsbedingter Medikamenteneinnahme; die Richterin wies ihn darauf hin, dass er eines seiner Konten gerade mal einen Monat vor dem Gerichtsvollziehertermin eröffnet habe.

    Dass von dem Angeklagten eine Vermögensauskunft verlangt wurde, hing mit einem Strafbefehl aus dem vergangenen Jahr zusammen. Die Strafzahlung über 2250 Euro (150 Tagessätze à 15 Euro) wegen Betrugs in zwei Fällen sei teilweise noch offen, so die Richterin. Zugrunde liegen dem Strafbefehl zwei Darlehen über insgesamt 4350 Euro, die der Angeklagte 2016 von einem seiner Dexcar-Kunden bekommen, bislang aber noch nicht zurückgezahlt hat. Dabei soll ihm nun eine Schuldnerberatung helfen.

    Ein weiterer Anklagepunkt war, dass der Mann versucht haben soll, eine  75-jährige Bekannte dazu zu bewegen, ihm 6000 Euro zu leihen; das Geld benötige er, um eine 20-Millionen-Erbschaft in Amerika antreten zu können, habe er ihr erzählt und versprochen, ihr statt 6000 Euro 100 000 Euro zurückzuzahlen. Da ihr dies seltsam vorkam, gab sie der Polizei einen Hinweis.

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!