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    Lohr

    Neun Kandidaten und Helmut Markwort als Stargast in Lohr

    Mit Helmut Markwort in der Mitte stellten sich die neun Stadtratskandidaten der FDP im Keller des Weinhauses Mehling zum Foto (von links): Heike Kruthoffer, Dunja Reitz, Peter Sander, Hemut Markwort, Christoph von Hutten, Monika Bosky, Lukas König, Horst Neuf, Ramin Shafiai und Sebastian Inderwies. Foto: Johannes Ungemach

    Erstmals seit 1996 tritt die FDP im März bei der Stadtratswahl in Lohr wieder mit einer eigenen Liste an. Am Dienstagabend stellte der vor zwei Jahren gegründete Ortsverband im Keller des Weinhauses Mehling seine Kandidaten vor, neun an der Zahl. Listenführer ist der Ortsvorsitzende Peter Sander.

    Auf den nachfolgenden Plätzen folgen Bewerberinnen und Bewerber, die Helmut Markwort, Alterspräsident des Bayerischen Landtags, seit 51 Jahren FDP-Mitglied und Stargast des Abends, als eine "tolle Mischung aus Temperamenten und Berufen" bezeichnete. Der 83-Jährige, der vor allem als Journalist und Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Focus Bekanntheit erlangt hat, führte in launiger Moderation durch den Abend.

    Es war vor allem Markworts Redseligkeit, seinem Charme und seinem Schatz an Anekdoten zu verdanken, dass die rund 20 Besucher eine recht unterhaltsame Kandidatenpräsentation erlebten. Das konnte freilich nicht durchgängig darüber hinwegtragen, dass es den Aussagen mancher Kandidaten zur Lohrer Stadtpolitik mitunter an fundierter Tiefenschärfe fehlte.

    Klar für B26n

    Eine klare Position der FDP markierte Christoph von Hutten, Zweitplatzierter auf der Liste: Die FDP sei für den Bau der Bundesstraße B26n. Diese stärke den Wirtschaftsstandort. Die Industrie benötige eine gute Straßenanbindung. Listenführer Sander erklärte im Gegenzug, dass man den Autoverkehr partiell auch zurückdrängen müsse. Die Lohrer FDP sei beispielsweise dafür, dass die Jahnstraße eine Fahrradstraße werde, in der Radler generell Vorrang vor Autofahrern hätten.

    Hutten regt Spessart-Express an

    Hutten regte mit Blick auf öffentlichen Personenverkehr einen "Spessart-Express" an, einen Zug, der von Würzburg nonstop auf der ICE-Strecke bis Lohr und nach einem Halt hier weiter nach Aschaffenburg fahre, ebenso in Gegenrichtung. Dies, so sein Argument, wäre für Pendler insbesondere der Bosch Rexroth AG und bei entsprechender Nutzung sicher auch für die Bahn interessant. Von einer Reaktivierung des Lohrer Stadtbahnhofes hingegen halte er wenig, so von Hutten.

    Sander bezeichnete die Wirtschaftspolitik als klaren Schwerpunkt der FDP. Zuletzt sei es diesbezüglich in Lohr "nicht optimal gelaufen", so der 44-Jährige mit Verweis auf die Vergabe der letzten größeren freien Fläche im Industriegebiet Süd. Das Rathaus müsse einen engeren Kontakt zu den Betrieben pflegen, so Sander.

    Zentralklinik mit Geburtshilfe?

    Dunja Reitz, in Lohr niedergelassene Frauenärztin und Stadtratskandidatin, forderte ein Überdenken der Planung für die in Planung befindliche neue Zentralklinik des Landkreises in Lohr. Für diese seien nur medizinische Fachbereiche vorgesehen, "die auf das Alter abzielen".

    Was fehle, seien Frauenheilkunde, Kinderklinik und eine Geburtshilfe, so Reitz. Sie wusste freilich auch, dass eine Geburtshilfe "1200 Geburten pro Jahr braucht", ein Wert, der für das neue Haus in Lohr wohl als utopisch gelten kann.

    Ein Mann im Publikum, ein früherer Oberarzt, sprach sich zu diesem Thema mit großem Eifer dafür aus, dass im Gesundheitswesen die Kosten und die Wirtschaftlichkeit nicht das ausschlaggebende Argument sein dürften. Der Kreis müsse schlicht mehr Geld bereitstellen. Sander sprach davon, dass im Klinikwesen des Kreises "die Fehler in der Vergangenheit gemacht" worden seien. Wenn man sich nun jedoch dagegen auflehne, sei man "auf dem richtigen Weg".

    Auch manch andere Wortbeiträge von Kandidaten ließen erkennen, dass das von der FDP traditionell propagierte Ziel einer ihre Schulden reduzierenden öffentlichen Hand an der Basis nicht durchgängig verbreitet ist. So sprach sich Ramin Shafiai dafür aus, dass der Lohrer Stadtbus für die Bürger kostenfrei rollen sollte, am besten auch noch später am Abend. Horst Neuf forderte, dass die Hallenmieten für Vereine reduziert werden müssten, um speziell deren Jugendarbeit zu unterstützen.

    Einige andere Aussagen zur Lohrer Jugendarbeit ließen das Publikum aufhorchen: Als Shafiai davon sprach, dass am Lohrer Jugendzentrum für die Jugend nichts geboten werde und der Stadtjugendpfleger nicht ausgelastet sei, erntete er deutlichen Widerspruch. Es gebe in Lohr "Angebote ohne Ende" für die Jugend, sagte Katja Bundschuh. Das bestätigte auch Kandidat Inderwies. Aus welchen Gründen auch immer werde das umfangreiche Programm jedoch oft zu wenig genutzt.

    Die FDP will den Lohrer Wählern laut Sander in den kommenden Wochen durch Infostände und Flyer ihr Programm vorstellen. Helmut Markwort versprach den Lohrer Liberalen schließlich, noch in der Wahlnacht anzurufen, um zu erfahren, wie viele Stadtratsmandate die FDP erobern konnte.

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