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    Wernfeld

    Nur Hände, Tasten und Musik: Krumpschmid und Weis gemeinsam am Klavier

    Als Zugabe spielten Lewin Krumpschmid und Mathias Weis vierhändig das Stück Petite suite No. 1 En Bateau von Claude Debussy. Foto: Christiane Kuhn

    Lewin Krumpschmid, Preisträger des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert", studiert Klavier an der renommierten Folkwang-Schule in Essen. Doch immer wieder kommt der Rienecker in seine Heimat zurück. Nicht zum ersten Mal trat er gemeinsam mit Mathias Weis, dem Leiter der Musikschule Gemünden, auf. Die Alte Kirche in Wernfeld war voll besetzt. Gut hundert Gäste kamen am Sonntagabend, um ein besonderes Konzert zu hören.

    "Nein, es wird kein Duell", betonte Mathias Weis in seiner Begrüßung. Und er hatte recht. Konzentriert und virtuos präsentierten die beiden abwechselnd ausgewählte Stücke der Romantik: Beethoven, Mozart, Liszt, Chopin, Schumann und weitere. Deutlich spürte man als Zuhörer, wie stark die Verbindung zwischen dem ehemaligen Lehrer und seinem talentierten Schüler immer noch ist. Das spiegelte sich in der vertrauten, fast schon intimen Atmosphäre wieder. Die beiden spielten zudem mit einer Selbstverständlichkeit, als gäbe es kein Publikum, sondern nur die Musik, nur die Hände, die Tasten und den Klangkörper des Flügels.

    Großes Lob auch für die Übergänge zwischen den Programmpunkten. Jedes Klavierstück wurde mit einer kurzen Geschichte zur Entstehung, zum Thema eingeleitet. Die Zuhörer erhielten so auf charmante Art einen Einblick in die Musikwelt des 19. Jahrhunderts.

    Doch bei aller Romantik – ein Klavierstück fiel aus dem Rahmen. Lewin Krumschmid spielte nach der Pause "Stuporman" von Frederic Rzewski. Rzewski ist ein amerikanischer Komponist, Pianist und bekennender Kommunist, der die Musikindustrie strikt ablehnt. Seine Stücke finden sich nur im Internet und können dort kostenlos heruntergeladen werden. Das Stück "Stuporman" ist mit einem provokanten Text unterlegt, den Lewin Krumpschmid während des Spiels überzeugend und mit leichtem Augenzwinkern rezitierte. Das Experiment gelang.

    Der Ausflug in die Moderne machte klar, dass Krumpschmid ein Talent ist, von dessen Spielfreude man noch sehr viel erwarten kann. Es war ein Klavierabend, der durch die Virtuosität, Vielfalt und Emotionalität beider Pianisten beeindruckte. Der "Meister" und sein Schüler – diese Zeiten sind vorbei. Doch spürt man die Gemeinsamkeiten – beide spielen einfühlsam, hochkonzentriert und mit einer großen Liebe zur Musik.

    Das Publikum bedankte sich mit anhaltendem Applaus für den gelungenen Abend und erhielt als Zugabe das vierhändig gespielte Stück Petite suite No. 1 En Bateau von Claude Debussy.

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