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    Gemünden

    "Ochs am Berg" beim Schauspiel-Workshop in Gemünden

    Auf Schneewittchen und die sieben Zwerge kam Peter Cahn bei Angela Russos Schaubild nicht; Spaß hatten jedoch alle. Foto: Simon Hörnig

    "Mmmmhhhhh" hallt es genüsslich durch den geräumigen Ballettsaal des Gemündener Kulturhauses. Die 15 Teilnehmer des Schauspiel-Workshops von und mit Peter Cahn, dem künstlerischen Leiter der Scherenburgfestspiele, malen sich vor ihrem inneren Auge eine wunderbar schmackhafte Mahlzeit aus und trainieren dabei gleichzeitig ihren langen Atem.

    "Jeder in seinem Rhythmus und wer ohnmächtig wird, sagt vorher Bescheid", scherzt Cahn, während er mithilfe bewährter Stellschrauben die Gruppe zu immer langanhaltenderen Wonnebekundungen animiert. Zehn Frauen und fünf Männer jeden Alters waren der öffentlichen Einladung ("We want you!") am Sonntag gefolgt und erlebten gut zwei Stunden geballtes Bühnen-Coaching.

    Viel zu lachen gab es bei nahezu allen Übungen. Foto: Simon Hörnig

    Die persönliche Wohlfühldistanz überwinden

    Dabei setzte der ausgebildeten Schauspieler und studierte Dramaturg Cahn, der neben seinem Engagement in Gemünden auch das Landestheater Dinkelsbühl leitet, vor allem auf Kommunikation. Die ist das Metier des gebürtigen Hessen und so erfahren die Anwesenden bereits während der jeweiligen Übung, welche bühnenrelevante Fähigkeit gerade trainiert wird. Um Berührungsängste abzubauen, soll etwa aktiv die persönliche Wohlfühldistanz überwunden, direkter Augenkontakt hergestellt, oder zufällige Berührungen bewusst wahrgenommen werden. Alles Grundlagen, um in einem Ensemble Vertrautheit herzustellen und mit den unterschiedlichsten Menschen als Team agieren zu können.

    "Laut-Dart", bei dem man seinem Gegenüber unterschiedlich betonte Silben zuraunt, stellt neben dem Akt des Sprechens auch Konzentration und Stressresistenz in den Fokus, während das Kinderspiel "Ochs am Berg" Körperspannung und Schnelligkeit trainiert.

    Konzentration war gefragt als es hieß seinen Gegenüber zu "spiegeln". Foto: Simon Hörnig

    Viele haben schon gewisse Bühnenerfahrung

    "Ich bin ganz neu dabei und wollte einfach mal kucken was hier so passiert", erzählt der selbstständige Automechaniker Harry Deisenroth in der Kaffeepause. Das Gesangsstück "Und es war Sommer" aus der vergangenen Spielzeit habe ihn zu diesem Schritt motiviert, da er aktiv Gesangsunterricht nehme. Auch sein Gesprächspartner Dieter Wieck besucht zum ersten Mal Cahns Workshop. Der Rentner, der vor ein paar Jahren von Berlin nach Zellingen gezogen war, kann jedoch bereits Schauspielerfahrung am Maxim Gorki Theater vorweisen. Die Übungen aus dem Workshop seien ihm daher vertraut.

    Wie Harry Deisenroth wurde auch Maya durch den Festspiel-Newsletter auf die Veranstaltung aufmerksam und dachte sich: "Das klingt super, ich melde mich mal ganz mutig an." Als Jugendliche habe sie viel geschauspielert, dann seien jedoch "das Leben und die Kinder" dazwischengekommen. Bei Freundin Mia reicht die letzte Bühnenerfahrung bereits in die Grundschulzeit zurück, was die leidenschaftliche Sängerin jedoch nicht daran hinderte, ihr Glück zu versuchen: "Man muss sich erst mal überwinden herzukommen, aber interessant ist natürlich die Frage: Wie sehen die dich?"

    Cahn lobt "unheimlich motivierte" Truppe

    "Mama, bist du in den Wechseljahren?", sei nach ihrer Anmeldung die erste Reaktion von Mayas mittlerer Tochter gewesen – Kursleiter Peter Cahn hatte für seine Schützlinge da herzlichere Worte parat: "Unheimlich motiviert" und "ganz engagiert dabei" sei die Gruppe gewesen. Eine Hauptrolle könne er so schnell zwar noch keinem versprechen, aber eine Dame aus dem letztjährigen Workshop konnte sich heuer beispielsweise über eine kleine Rolle in "Pension Schöller" freuen und habe das "total toll gemacht".

    Andächtig formt Harry Deisenroth aus Dieter Wieck einen Malermeister. Foto: Simon Hörnig

    Den Workshop habe er vor vier Jahren zusammen mit Geschäftsleiterin Julia Kiefer zunächst als Angebot für die aktiven Ensemblemitglieder ins Leben gerufen und in den letzten beiden Jahren auch für Anmeldungen von außen geöffnet. Er sehe darin vor allem einen idealen Weg, um Kontakt zu knüpfen und sein Ziel zu erreichen, die Spielgemeinde nicht zu verkleinern, sondern zu vergrößern.

    Wie die Entscheidung für oder wider ein Engagement der Kursteilnehmer auf der Burgbühne letztlich ausfallen wird, da lässt sich Cahn nicht in die Karten schauen. Dass jeder jedoch im Zweifelsfall auch hinter den Kulissen in der "Scherenburgfamilie" herzlich willkommen ist, wurden sowohl Cahn als auch Kiefer nicht müde zu betonen.

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