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    Marktheidenfeld

    Orgel und Saxophon in der Friedenskirche

    Ulf Hannig (Saxophon) und Yvonne Guillon (Orgel) boten ein ungewöhnliches Konzert in der Friedenskirche. Foto: Martin Harth

    Zwei Instrumente im Gleichklang, die man so von vornherein vielleicht nicht erwarten würde, stellten am Sonntag Ulf Hannig (Wertheim) mit dem Saxophon und Yvonne Guillon (Holzkirchen) an der Orgel in der evangelisch-lutherischen Friedenskirche in Marktheidenfeld vor. Zu ihrem gemeinsamen Benefizkonzert für ein SOS-Kinderdorf in Chile waren rund 50 Zuhörer gekommen.

    Das Saxophon, Instrument des Jahres, sei uns eher aus dem Jazz geläufig, führte Ulf Hannig zur Einleitung aus und sei viel jünger als die klassische Orgel, da dieses erst im Jahr 1840 von dem Belgier Adolphe Sax erfunden worden sei. In drei Blöcke hatte man das Programm gegliedert, bei denen man den Zusammenklang beider Instrumente bei Bearbeitungen klassischer Kompositionen, bei Instrumentalinterpretationen von Liedern bis hin zu jüngeren aus dem Tanz entwickelten Schöpfungen erfahren konnte. Manchen Zuhörer überraschte dabei, wie es Yvonne Guillon im Verlauf verstand, der altehrwürdigen, kleinen Kirchenorgel auf der Empore völlig neuartige, teils fast keck klingende Klangfarben entlocken.

    An den Anfang hatte man zwei traditionelle Bach-Präludien (g-Moll BWV 558 und d-Moll BWV 554) als festlichen Auftakt gesetzt und auch das tief empfundene "Ave Maria" von Charles Gounod (1818-1893) wurzelt in Bachs barocker Kompositionskunst. Vielfältiger und variationsreich zeigten sich die kleinen musikalischen Verrücktheiten aus "La Follia" des italienischen Meisters Arcangelo Corelli (1653-1713).

    Saxophon und Orgel auf der Empore der evangelisch-lutherischen Friedenskirche im Zusammenklang. Foto: Martin Harth

    Das Neue Geistliche Lied habe einst Hannig und Guillon zum gemeinsamen Musizieren geführt, hatte der Saxophonist hervorgehoben und so folgten nun stimmhaft-melodiöse Stücke aus diesem Genre wie "Du bist der Weg" (Zehendner/Nitsch) und "Wie ein Fest" (Werth/Nitsch), die eine eindrucksvolle Wirkung hinterließen. Zwei Sätze aus den "Trois Mélodies grégoriennes" des Franzosen Guy de Lioncourt (1885-1961) nahmen die Stimmung differenzierter und weniger plakativ auf.

    Im letzten Teil des gut einstündigen Konzerts trat der "Tango Nuevo" in den Blickpunkt und damit ein sich dem Bandoneon näherndes Klangbild, das den Blick auf die ganze Welt weitete. Als bekanntes Meisterwerk wurde das sehnsuchtsvolle Werk "Oblivion" des argentinischen "Königs des Tangos" Astor Piazolla (1921-1992) dargeboten. Viele Bearbeitungen hat das arabisch anmutende Rembetiko "Misirlou" aus Griechenland mit seiner tänzerischen Rhythmik erfahren. Es leitete zur Heiterkeit von "Canzone della Strada" des zeitgenössischen Jazz- und Weltmusikers Mulo Francel über.

    An das Ende war mit "Anitras Tanz" aus der "Peer-Gynt Suite" des norwegischen Romantikers Edvard Grieg (1843-1903) nochmals eine recht komplexe und in ihrer Feinheit doch sehr gefällig vorgestellte Komposition gesetzt worden. Das Programm hatte die Zuhörer in seinen Bann gezogen, wie der anhaltende Applaus und der Wunsch nach einer Zugabe zeigen sollten. Im benachbarten Gemeindezentrum bestand nach dem Konzert die Gelegenheit zum Austausch mit den beiden Musikern.

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