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    Lohr

    Patienten zu Hause Sicherheit vermitteln

    Jährlich erleiden rund 270000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, alleine im Klinikum Main-Spessart werden jedes Jahr etwa 500 Patienten behandelt. Während etwa bei der Hälfte dieser Patienten keine körperlichen Defizite erkennbar seien, hätten viele andere Betroffene teilweise langfristig massiv unter den Folgen zu leiden. Dies erklärte Peter Kraft, Chefarzt der Neurologischen Abteilung am Klinikum, bei einer Infoveranstaltung zum Thema Schlaganfall-Helfer. Diese sollen Betroffenen den Alltag künftig erleichtern.

    Neben dem Klinikum Main- Spessart zählen zu den Initiatoren der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), die Stiftung der deutschen Schlaganfallhilfe und das Zentrum für Aphasie und Schlaganfall Unterfranken. Dessen Leiter, Sozialpädagoge Heiko Göpfert, sprach von einer unerlässlichen Unterstützung nach dem Aufenthalt in der Klinik und der Reha: »Die Patienten möchten so schnell wie möglich wieder nach Hause und sollen dort Sicherheit im Alltag erlangen.«

    Die Ausbildung der Schlaganfall-Helfer soll nach den Sommerferien beginnen. Wie der Leiter der sozialen Dienste des BRK, Florian Schüßler, sagte, können in etwa 40 Unterrichtseinheiten Schulungsinhalte zur ehrenamtlichen Betreuung von Schlaganfallpatienten vermittelt werden. Der Kurs dauere mehrere Wochen.

    Keine pflegerische Arbeit

    Die Aufgabe der Schlaganfall- Helfer erstrecke sich auf die Motivation, Begleitung und Unterstützung, vor allem aber darauf, als Mensch auf den Erkrankten in seinem Zuhause positiv einzuwirken. Pflegerische und hauswirtschaftliche Leistungen gehörten nicht zum Aufgabengebiet, so Schüßler. Vielmehr sei das Ziel, eine vertrauenswürdige Basis zu schaffen, die Ermutigungen und einen Austausch ermögliche.

    Gespräche mit dem Patienten und den Angehörigen, Hilfe bei Anträgen und gemeinsame Aktivitäten sollen zur Optimierung von Strukturen und Prozessen in den Familien führen. Oftmals würden Defizite in der Kommunikation sowie in der Bewegung zur Verminderung sozialer Kontakte führen. Hier sei der Schlaganfall- Helfer das bindende Glied.

    Neben einer Basisschulung, die medizinische Grundlagen vermittle, sei als weiteres Modul eine Unterrichtseinheit zur Kommunikationsführung vorgesehen. Auch Fragen in Bezug auf das Sozialrecht, psychologische Grundlagen und Praxiswissen sollen unterrichtet werden. Schüßler verwies dabei auf einen Lehrplan, angeboten von Praktikern, »die auch wissen, wovon sie sprechen«.

    Ein Ehrenamt

    In der Fragerunde hatten die Interessenten die Möglichkeit, sich auszutauschen. Ein Punkt, der länger diskutiert wurde, war die Frage nach einer etwaigen Kostenerstattung. Schüßler verwies dabei auf bürgerschaftliches Engagement. Zwar könnten Fahrkosten beim Finanzamt geltend gemacht werden, jedoch bleibe es beim Ehrenamt. Niemand sei verpflichtet, eine Aufgabe anzunehmen, der zeitliche Aufwand richte sich nach dem Bedarf des Klienten und der Bereitschaft des Helfers. Die zwischenmenschliche Beziehung solle dabei harmonisch sein.

    Die Koordination werde das BRK übernehmen. »Wir möchten für jeden Klienten den idealen Helfer finden«, erklärte Schüßler. Versicherungsschutz bestehe über das BRK, auch für eine dauerhafte Begleitung der Helfer während ihrer Einsätze werde das BRK sorgen.

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