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    LOHR

    Personalnot am Lohrer Krankenhaus

    Schwierige Zeiten für das Krankenhaus in Lohr: Es wird händeringend Personal gesucht. Foto: Johannes Ungemach

    Im Lohrer Krankenhaus hängen Plakate, die darauf hindeuten, dass offenbar akuter Personalmangel besteht. Hinter vorgehaltener Hand ist die Rede von schlechtem Arbeitsklima. Das könnte schuld an der Fluktuation der Beschäftigten sein. Klinikreferent Dr. Gregor Bett sieht das nicht so.

    Mit besagten Plakaten wird Personal gesucht. Auf diesen sind folgende „Kopfgelder“ ausgesetzt: 500 Euro Prämie für staatlich geprüfte/n Pflegefachhelfer/in, 1000 Euro Prämie für staatlich geprüfte/n Altenpfleger/in oder Gesundheits- und Krankenpfleger/in, 1500 Euro Prämie für Mitarbeiter/in im Funktionsdienst (zum Beispiel OP, Anästhesie, Intensiv) und 3000 Euro Prämie für Assistenzarzt/Assistenzärztin.

    Fotos der Plakate, die innerhalb des Gebäudes stehen, liegen der Redaktion vor. Die Geschäftsleitung des Klinikums teilt jedoch mit, „dass das Plakat . . . für die interne Aktion ,Mitarbeiter werben Mitarbeiter' nicht für die externe Veröffentlichung gedacht ist“.

    Auch andernorts üblich

    Solche Prämien seien auch andernorts üblich, sagt Bett. Der Arbeitsmarkt für Pflege und Altenbetreuung sei in Deutschland leer gefegt. „Die suchen alle Wege, um Mitarbeiter zu bekommen.“ Mit dem Prämiensystem wolle man Kollegen oder Kolleginnen dazu animieren, Bekannte in das Krankenhaus zu holen. Das sei eine gute Voraussetzung, dass die neuen Mitarbeiter zu dem „Geist des Hauses“ passen.

    Nun wurden im Herbst im Kreiskrankenhaus Karlstadt 131 Kräfte frei, denen zugesichert wurde, dass sie entweder in Lohr, in Marktheidenfeld oder im Karlstadter Altenheim weiterhin beim Landkreis beschäftigt sein können. Und man könnte folgern, dass es daher im Landkreis genügend Pflegepersonal für Lohr gibt. Woran liegt der Notstand also?

    „Reibungsverluste“

    „Einige haben die Schließung in Karlstadt für den Absprung in den Ruhestand genutzt, für andere war es die Gelegenheit, sich umzuorientieren“, sagt Bett. Zur Arbeitsatmosphäre in Lohr sagt er, es seien von Anfang an „Reibungsverluste“ zu erwarten gewesen, wenn man in Lohr „drei unterschiedliche Kulturen aus drei unterschiedlichen Häusern“ zusammenfügt. Damit gehe immer die Änderung von Prozessen einher. Nach rund einem halben Jahr würden jetzt „alle an einem Strang ziehen und nach vorne gucken“.

    Der Personalratsvorsitzende Albrecht Christ sieht einen weiteren Grund für den Personalmangel: Das Klinikum habe in den vergangenen Jahren viele junge Krankenschwestern übernommen. Die meisten seien nun in dem Alter, in dem sie Kinder bekommen und oftmals auch den Wohnort wechseln. Die Uniklinik Würzburg sei ein großer Konkurrent bei den Arbeitsplätzen.

    „Kein respektvoller Umgang“

    Kürzlich traf sich beim bayernweiten „Tag der Ausbildung“ Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel im Bezirkskrankenhaus Lohr mit Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschule für Krankenpflege. Sie könne sich nicht vorstellen, am Kreiskrankenhaus Lohr zu arbeiten, sagte eine Krankenpflegeschülerin, die dort mitgearbeitet hatte.

    Es herrsche dort kein respektvoller Umgang miteinander, sagte sie. In der Ausbildung bekomme man dort nur Arbeiten zugewiesen, die keiner machen wolle. Ähnliches war von weiteren Schülerinnen zu hören. Lediglich ein junger Mann sagte, er könne sich über seine Zeit am Kreiskrankenhaus nicht beschweren; er habe dort viel gelernt.

    Hierzu könne er wenig sagen, meint Bett, weil er bei dem Termin nicht zugegen war und von den Pflegeschülerinnen und -schülern nicht direkt angesprochen wurde. Diese müssen vier Wochen im Klinikum in Lohr Dienst tun. „Wir wollen aber natürlich verstehen, warum sie unglücklich sind.“ Und weiter: „Wenn einzelne woanders hin wollen, halten wir sie nicht auf.“

    Lange Wartezeiten

    Vor allem in der Notaufnahme sei der Umgangston unfreundlich, sagen Insider. Auch gibt es Klagen über lange Wartezeiten für ambulante Patienten im Lohrer Krankenhaus. Alice Diel aus Himmelstadt schildert: Sie habe ihren Mann an einem Freitag in die Bereitschaftspraxis am Krankenhaus gefahren. „Die Praxis konnte meinem Mann nicht helfen und schickte uns in die Notaufnahme. Das Wartezimmer dort war voll mit Patienten. Es war nur ein Arzt da und wir mussten sieben Stunden in der Notaufnahme verbringen. Von diesen sieben Stunden war der Arzt nur insgesamt 15 Minuten bei uns, der Rest war Wartezeit.“

    Gegen 17.30 Uhr sei Blut abgenommen worden. Von 18.30 bis 20.30 Uhr hätten sie und ihr Mann im Behandlungszimmer verbracht. Der Arzt habe zwischendurch auf die Intensivstation gemusst. Gegen 20.30 Uhr sei eine Ultraschalluntersuchung gemacht worden. Erst nach 23 Uhr habe sie mit ihrem Mann wieder nach Hause fahren können.

    Sie habe den Eindruck, dass das Lohrer Krankenhaus überlastet ist und zu wenig Personal habe. „Die Krankenschwestern und der Arzt können nichts dafür, aber sie müssen es ausbaden.“ Alice Diel fragt, ob man nicht noch ein anderes Krankenhaus hätte auflassen können, bis das neue in Lohr steht.

    Alle Krankenhäuser überlastet

    Aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht werde er nicht zu Einzelfällen Stellung beziehen, sagt Bett. Aufgrund der momentanen Grippeepidemie seien die Krankenhäuser aber überlastet. Bei der Versorgung von Notfällen würden die Patienten in fünf Klassen eingeteilt. Sie würden dann nach Dringlichkeit behandelt und nicht nach Wartezeit. Wer in Lebensgefahr schwebt, kommt sofort dran. „Wenn aber jemand schon seit Wochen Beschwerden hat, kann er auch mal eine Stunde länger warten.“

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