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    Karlstadt

    Pfiffige Diskussion mit Karlstadter Bürgermeister-Kandidaten

    Elftklässler des Johann-Schöner-Gymnasiums kitzelten interessierte Antworten aus den Podiumsteilnehmern heraus. Was sie außer Lokalpolitik noch wissen wollten.
    Podiumsdiskussion zur Karlstadter Bürgermeisterwahl am Gymnasium. Von links Armin Beck, Michael Hombach, Juraj Halfmann, Elisa Holzer, Benedikt Kaufmann und Stefan Rümmer. Foto: Karlheinz Haase

    "Sie haben 20 Sekunden Zeit, um sich vorzustellen", erklärten Elisa Holzer und Juraj Halfmann den Karlstadter Bürgermeisterkandidaten bei der Podiumsdiskussion in der Aula des Johann-Schöner-Gymnasiums. Die beiden Moderatoren und ihr Hintergrund-Team haben sich eine Eins plus verdient. Akribisch hatten sie den Abend vorbereitet, wechselten geschickt zwischen witzigen Fragen, auf die nur mit einem einzigen Begriff geantwortet werden sollte, und der ausführlicheren Erörterung bestimmter Themen. Dabei blickten sie auch über die reine Karlstadter Lokalpolitik hinaus. 

    Vor den rund 200 Besuchern fragten sie die Kandidaten, was sie sich bei ihrer Wahlkampagne gedacht haben. Stefan Rümmer (SPD) erklärte, das "Ärmel hoch für Karscht" symbolisiere seinen Arbeitsstil: Nicht lange reden, sondern anpacken. Dabei könne er die Menschen mitnehmen und einbinden. Er regt die Fortschreibung eines Karlstadter Leitbilds an.

    Dieses Team hatte die Podiumsdiskussion organisiert: Juraj Halfmann (von links), Elisa Holzer, Antonia Nitzl, Lina Fenn und Leonore Lechner. Foto: Karlheinz Haase

    Armin Beck (Grüne) sagte, er wünsche sich oft etwas mehr "Karlstadt first" – bewusst als Gegensatz zum negativ besetzten "America first". Er hätte mehr Engagement zum Erhalt des Krankenhauses erhofft und erwartet und tue das nach wie vor hinsichtlich der B 26n.

    Michael Hombach (CSU), der stets betont: "Der Mensch steht im Mittelpunkt meines Denkens, Tuns und Handelns", führte als Beleg die Online-Umfrage seiner Partei an, bei der zehn Prozent der Karlstadter Haushalte teilgenommen hätten.

    Benedikt Kaufmann (Freie Wähler) sagte, er stehe für einen modernen Führungsstil, mit dem er Karlstadt zukunftsfit machen wolle. Auch sei es ihm ein Anliegen, wieder mehr Vertrauen in die Behörden zu schaffen.

    Die Positionen zur B 26n

    Von links Elisa Holzer, Benedikt Kaufmann und Stefan Rümmer. Foto: Karlheinz Haase

    Wieso er denn gegen die B 26n sei, wollten die beiden Moderatoren von Armin Beck wissen. Dieser stellte fest, immer wenn es leichter wird, auf einer Straße voranzukommen, führe dies zu mehr Verkehr. Stetten werde zwar entlastet, dafür würden aber Rohrbach, Mühlbach, Laudenbach und Himmelstadt stärker belastet. In einer Zeit, da alle von Klimawandel und Versiegelung sprechen, sei der Straßenbau ein Widerspruch. "Irgendwo müssen wir mal anfangen, aus Reden Handeln zu machen."

    Michael Hombach hingegen sieht die Trasse als ein Mittel, um den Verkehr zu bündeln und zu leiten. Es sei ungerecht, nur in Wiesenfeld eine Umgehung zu bauen, aber Stetten nicht zu entlasten. Elisa Holzer hakte nach: "Aber was ist mit Heßlar?" Hombach: "Wir haben das Faustpfand Karolingerbrücke. Unsere Aufgabe ist es, das umzusetzen, was für uns am sinnvollsten ist."

    Von links Armin Beck, Michael Hombach und Juraj Halfmann. Foto: Karlheinz Haase

    "Wenn der Bundesgesetzgeber ein Projekt im vordringlichen Bedarf hat, stellt sich die Frage nicht mehr, ob gebaut wird", erklärte Benedikt Kaufmann, der beruflich mit Planfeststellungen befasst war. Wo Mehrbelastungen drohen – bei Heßlar und auf der Karolingerbrücke – müsse Karlstadt Forderungen stellen.

    Stefan Rümmer verwies darauf, dass die ursprüngliche "Westumgehung", wie Juraj Halfmann sie genannt hatte, längst Geschichte ist. Die jetzigen Dimensionen sähen ganz anders aus. Beck erklärte dazu, dass ohne den Widerstand der Autobahn-ähnliche Ausbau nach wie vor vorgesehen wäre. Karlstadt müsse Maximalforderungen stellen. Als Anwalt spreche er aus Erfahrung.           

    Mobilität und erneuerbare Energie

    Die Jugendlichen fragten nach, wie ein besseres Mobilitätsangebot für Schüler aussehen könnte. Stefan Rümmer plädiert für das 365-Euro-Ticket für Schüler, das das ganze Jahr gilt. Er bedauert die 3000-Meter-Grenze für die Schulwegkostenfreiheit. Das bedeute für Kinder aus Mühlbach, dass sie selbst die Engstelle am Schloss und die Mainbrücke passieren müssen. Benedikt Kaufmann fände einen Bürgerbus gut, aber der dürfe nicht nur Luft transportieren. Michael Hombach fordert: "Karlstadt muss fahrradfreundlich werden." Und Armin Beck setzt auf eine Mitfahr-App.      

    Klar, dass die Jugendlichen nach Klimaschutz fragten. Beck kritisierte, dass in Karlstadt zu wenig für erneuerbare Energien getan werde. Beim Rathaus-Anbau vermisse er diese ebenso wie in Neubaugebieten. "Wir müssen endlich in die Pötte kommen. Je früher wir anfangen, desto weniger tut es weh." Für Heiterkeit sorgte sein Vergleich: "Das ist so, wie wenn ich für eine Schulaufgabe drei Wochen vorher oder erst drei Tage vorher lerne." Wer lernt schon drei Tage vorher – so bald schon?

    Hombach sagte, es gelte 100 städtische Wohnungen energetisch zu sanieren. Und: "Immerhin haben wir schon die Photovoltaik der Geno-Energie und die Windräder." Auch seien Arbeitsplätze vor Ort ein Beitrag, da es dann weniger Pendler gebe. Elisa Holzer: "Das taucht aber gar nicht in ihren Zielen auf." Hombach: "Das zieht sich durch mein gesamtes Tun und Handeln." Beck hakte ein: "Die Photovoltaikanlagen der Stadt seien in deren Goldgräberzeit entstanden." Seither tue sich nichts mehr.

    Fridays for Future

    Eine der Publikumsfragen kam von Volker Halfmann – Vater von Juraj – der wissen wollte, wie die Kandidaten zu "Fridays for Future" stehen. Hombach fand: "Was wir da erleben, hat ein Wachrütteln unter vielen Politikern bewirkt." Kaufmann: "Es ist gut, dass die Schule Wege zum Umgang damit findet."  Die Moderatoren hakten nach: ""Würden Sie Ihrem Kind für den Freitag eine Entschuldigung schreiben?" Kaufmann. "Es sollte nicht zur Regel werden." Beck sprach von einem "Totalversagen der Politik, wenn eine 14- oder 16-Jährige sich hinstellen muss und es in die Welt hinausschreit". Hombach plädierte für Demonstrationen an Samstagen.

    Das Plakat (an der Leinwand) und die Podiumsdiskussion im Johann-Schöner-Gymnasium. Foto: Karlheinz Haase

    Die beiden Moderatoren kitzelten die Kandidaten mit Fragen nach deren Parteikollegen, etwa Hubert Aiwangers Aussage, Deutschland wäre sicherer, wenn "jeder anständiger Mann und jede anständige Frau ein Messer in der Tasche haben dürfte". Benedikt Kaufmann sagte, bei den Freien Wählern herrsche Meinungspluralismus. "Ich kann diese Aussage aber nicht unterschreiben."  

    Zum Auftakt des Abends hatte Lehrer Florian Burkard erklärt, die Elftklässer hätten im Herbst gefordert: "Wir wollen mehr Politik." So sei ein Politik-Arbeitskreis an der Schule entstanden. Zum engeren Orga-Team der Podiumsdiskussion gehörten auch Lina Fenn, Antonia Nitzl und Leonore Lechner. Der fünfte Karlstadter Bürgermeisterkandidat, Janik Havla von "Die Partei", hatte sich entschuldigt. Der Student musste eine Semesterabschlussarbeit schreiben.

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