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    Marktheidenfeld

    Politik bleibt in der Moschee tabu

    Am Mittwoch, 3. Oktober, hatte die Türkisch-Islamische Gemeinde erneut zu einem Tag der Offenen Moschee eingeladen. Wenn man das Gemeindezentrum an der Udo-Lermann-Straße betrat, warf der erste Blick aktuelle Fragen auf. Mit deutschen und türkischen Fahnen sind die Räume dekoriert, neben einem Satz des Propheten Mohamed ist auch das Portrait des Gründers der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938), gehängt. Die Marktheidenfelder Einrichtung gehört zur Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB).

    Gut eingelebt hat sich inzwischen der neue Imam Halil Sanli. Anfang des Jahres wurde der junge Vorbeter von der türkischen Anstalt für Religion nach Deutschland entsandt. Zunächst hätten sich seine Kinder wegen der Sprache ein wenig schwer getan. Inzwischen besuchen zwei Töchter die Grundschule, eine weitere den Kindergarten. Ehefrau Derya hat vor kurzem in Wertheim die vierte Tochter zur Welt gebracht.

    Deutschkenntnisse verbessert

    Seine Deutschkenntnisse hat Sanli ein wenig verbessert. Er kann seine Behördengänge und Arztbesuche mit der Familie selbstständig bewältigen. "Alles ist gut", meinte er. Mit Cevat Keceli, dem Integrationsbeauftragten der Gemeinde, führte er an diesem Tag Gäste individuell durch seine Moschee. Die beiden stellten die fünf Säulen des Islam und die Gebete in der Moschee vor.

    Nicht wenige Besucher betraten erstmals eine Moschee. Andere kommen fast schon regelmäßig zu den "Tagen der Offenen Moschee". "Eine Dame aus Arnstein hat in der Zeitung über uns gelesen und sich dann auf den Weg nach Marktheidenfeld gemacht", berichtet Cevat Keceli stolz.

    Der Integrationsbeauftragte lässt keinen Zweifel zur Nähe seiner Gemeinde zum türkischen Staat. "Wir sind Mitglied der DITIB, unsere Vorbeter kommen aus der Türkei und werden von dort bezahlt."

    Dies bedeute aber nicht, dass in der Gemeinde über das religiöse Leben hinaus Politik betrieben werde. "Das ist in unseren Räumen tabu", betont Keceli im Gespräch. Natürlich wurde vor den Wahlen in persönlichen Gesprächen unter den Mitgliedern auch einmal über Situation in Türkei gesprochen und diskutiert. Aber so wie dies im Alltag eben einfach üblich sei.

    Bosnische Muslime und Flüchtlinge beim Freitagsgebet

    In der Gemeinde sind nicht nur Türken aktiv. Gerade zum Freitagsgebet kommen auch bosnische Muslime und Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan. 

    Der "Tag der offenen Moschee" sei inzwischen Routine. Draußen vor der Türe gibt es Grillspezialitäten. Die Frauen der Gemeinde haben für Salate sowie ein Kuchen- und Gebäckbuffet gesorgt. In einer Ecke wurden Handarbeiten präsentiert. "Das stammt von unseren älteren Damen, wir können das eigentlich auch nicht mehr so richtig", schmunzelt eine junge türkischstämmige Frau.

    Namenlose Moschee bekommt Namen

    Auch etwas Neues gibt es: Zusammen mit dem Vorsitzenden der Türkisch-Islamischen Gemeinde, Vedat Karakoc, hat man vor kurzem der bislang namenlosen Moschee, die im Jahr 2009 in Marktheidenfeld eröffnet wurde, einen Namen gegeben.

    Istiklal-Moschee, was soviel wie Unabhängigkeitsmoschee heißt, wurde von der Mehrheit der Gemeindemitglieder ausgesucht. 

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